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Dakka/Pselchis (Tempel)
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  Kandake
Meroitisches Reich ( --> Nubien)

Dieser Begriff stammt vom meroitischen Wort kdke. Übersetzt heißt er Königsmutter. Aus der ägyptischen Tradition war seit langen die Vorstellung einer göttlichen Geburt des Gottkönigs bekannt. In diesem Mythos spielt die Auserwählte also die Gottesgemahlin eine entscheidende Rolle. Sie wird für die Empfängnis des Nachfolgers auf den Thron des Horus auserwählt. Die Kandake ist die Gottesgemahlin des Amun. Das macht sie zum wichtigsten Faktor der Herrschaftslegitimation, weil sich der König als inkarnierter Horus, als Sohn Amuns, begriffen hat. Die Kandake wird mit der Göttin Isis gleichgesetzt und spielt die Hauptrolle in der Erhaltung des sakralen Königtums.

Als Trägerinnen des Erbganges innerhalb der Dynastie besaßen die Frauen des Herrscherhauses in Meroe erheblich mehr Einfluss als in Ägypten. Somit wurde es ihnen auch ermöglicht, in Ritualszenen zu erscheinen, die in Ägypten bis zur Ptolemäerzeit in der Regel dem König vorbehalten waren.

Wir sehen also in der Kandake eine auserwählte Frau, die aktiv an der Macht beteiligt war und die die einmalige Stellung einer Gottesgemahlin des Amuns innehatte. Nur durch sie konnte der rechtmäßige Nachfolger auf den Thron bestimmt werden. In ihren Händen lag die Exekutive des Staates und damit die reale irdische Existenz des sakralen Königtums. Sie war eine irdische Hathor-Isis. Die Kandake war aufgrund ihrer Funktion die Hand Gottes. Als Königsmutter ist sie die Mutter des jeweils regierenden Königs und im religiösen Sinne ist sie die Gemahlin Gottes, des Vaters des Königs.

Aus den oben genannten Erkenntnissen ergibt sich folgendes Bild. Die Kandake ist im meroitischen Reich die zweite Person nächst dem Herrscher gewesen, aber in einigen Fällen nahm die Kandake auch noch die erste Stelle als König ein. Bei Letzteren trägt die Kandake vor ihrem Titel auch noch den des Königs - qore kdke.


Quelle:
"Antike Welt" - "Kusch - Meroe - Nubien" Teil 2 (1987) S. 110 - 116
Rudolf Fischer - Die schwarzen Pharaonen (1986) Seite 112

Eingestellt durch: Apedemak (12.09.2003)
Bearbeitet durch:  Apedemak (06.04.2005)




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