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Theben (Tempel)
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  Luxor (Tempel)
--> Amenhotep III, der Vater und Vorgänger des Echnaton, ließ vermutlich anstelle eines älteren Heiligtums parallel zum Nil einen 190 m langen und 55 m breiten Tempel erbauen, der der thebanischen Götterdreiheit Amûn-Mut-Chons geweiht war. Dass das Bauwerk nicht, wie sonst üblich, axial zum Nil ausgerichtet ist, erklärt sich möglicherweise aus seiner kultischen Unterordnung unter den großen --> Amûn-Tempel von Karnak, in Hieroglyphentexten erscheint der Luxor-Tempel als "südliches Harem" des Karnak-Tempels.
Auch der Tempel von Luxor besaß eine Schiffsanlegestelle am Nil, wie die Reliefs mit den Barkenprozessionen des --> Opet-Festes im Tempelinneren zeigen.
Im Jahr 1986 stieß man bei Befestigungsarbeiten am Ufer auf der Höhe des Tempeleinganges auf die Reste eines alten Kais aus Steinblöcken.
Während der Regierungszeit Echnatons wurde auch in diesem Tempel alles, was sich auf --> Amûn bezog, zugunsten des neuen Reichsgottes --> Aton getilgt oder übermalt. Außerdem entstand in der Nähe ein heute verschwundener Sonnentempel. Tutanchamûn, Haremhab und Seti I stellten die Amûn-Reliefs und Kartuschen wieder her, und Ramses II erweiterte die Anlage nach Norden hin. Letzte Hand an das Heiligtum legte Nektanebos I mit einem ummauerten Hof und der nach Karnak führenden Sphingenallee, wobei er eine ältere von Ramses II (am Karnak-Tempel noch vorhanden) teilweise ersetzte. Die Römer bezogen den Tempel in ihre Festungsanlage ein und huldigten hier ihrem Kaiser. Auch Christen und Moslems behielten in späterer Zeit den Ort als religiöse Stätte bei.
Die Besichtigung des Tempels von Luxor wird wie in Karnak zu einer Rückreise in die Vergangenheit: der Eingang zum Bezirk liegt hinter der Sphinxallee des Nektanebos, und man hat den mächtigen Eingangspylon des Ramses II vor Augen, ehemals flankiert von zwei Obelisken. Der westliche gelangte 1836 als Geschenk nach Paris (Place de la Concorde), der höhere östliche steht in situ auf einem mit Pavianen besetzten Sockel.
Von den 6 Kolossalfiguren des Pharaos sind nur die beiden den Eingang flankierenden erhalten sowie eine Standfigur vor dem westlichen Pylonteil. Vor dem östlichen liegt der Kopf einer weiteren Statue mit Königskopftuch und -bart.
Die Reliefs auf dem Pylon verherrlichen die Hethiterschlacht von Kadesch: im Westen Kriegsrat und Hethiterüberfall, im Osten die Schlacht: leider sind die Reliefs nur in der Morgensonne gut zu erkennen.
Am Portal selbst ist Ramses mit den Tempelgöttern zu sehen.
Die Innenseite des östlichen Pylonflügels zeigt als Mittelszene das "Klettern für --> Min", in Wirklichkeit die Errichtung eines Festzeltes für den ithyphallischen Gott, wobei an den Tauen, die den Mittelpfosten stützen, die königlichen Prinzen hochklettern.
Fotoalbum

Hinter dem Pylon befindet sich der große Hof des Ramses II: 74 Papyrussäulen mit geschlossenen Kapitellen tragen die Kolonnaden. Die dazwischen stehenden Kolossalstatuen gehören etwa zur Hälfte ursprünglich Amenhotep III und wurden von Ramses II usurpiert. Siehe hierzu folgendes Fotoalbum.
Säulen, gebälk und Wände schmücken religiöse Texte und Reliefs: Götter, Opfer- und Prozessionsszenen. Sehr schön und aufschlußreich ist das Relief an der Süd- bzw. Westwand: eine feierliche Prozession mit Prinzen, Priestern und Opfertieren bewegt sich auf den mit Flaggen dekorierten, in seinem ursprünglichen Zustand dargestellten Pylon zu.
In der Nordwest-Ecke ist heute die einst frei vor dem Heiligtum stehende Kapelle des --> Thutmosis III (oder der Hatschepsut) einbezogen. Ramses II stattete das dreigeteilte, zur Aufbewahrung der Götterbarken bestimmte Heiligtum, dessen zierlich wirkende Papyrusbündelsäulchen vielleicht schon aus dem Mittleren Reich stammen, mit Reliefs aus.
Gegenüber, an der Nordost-Ecke, erhebt sich die Moschee des von den Moslems hochverehrten Heiligen Abu el-Haggag, dessen hier regelmäßig stattfindendes Fest an das altägyptische Opet-Fest erinnert.

Zwischen zwei Kolossalfiguren des Ramses II liegt der Durchgang zum imposanten Säulengang des Amenhotep III. 14 Papyrussäulen mit offenen Kapitellen, die in Gestalt, Anordnung und Format an das Mittelschiff des großen Säulensaals von Karnak erinnern, tragen paarweise die auf einer Deckplatte ruhenden Architrave.
Die zum Teil gut erhaltenen Wandreliefs gehen an der Westwand auf Tutanchamun zurück, die gegenüber hauptsächlich auf Haremhab. Von der Nordwest- zur Nordost-Ecke kann man das Opet-Fest nacherleben:
Alljährlich am Beginn der Nilschwelle begab sich Amûn in Gestalt seines in Karnak befindlichen Abbildes auf seiner Barke in seinen "südlichen Harem" (Luxor-Tempel), begleitet von den Kultbildern des --> Chons und der --> Mut. Ihm folgten König, Priester und Würdenträger sowie eine große Volksmenge, die ihm während seines Aufenthaltes opferten und durch Festlichkeiten huldigten.
Diese Reliefwand gehört wegen ihres Detailreichtums zum Reizvollsten, was ägyptische Reliefkunst hervorgebracht hat.

Der von einer zum Teil gut erhaltenen doppelten Kolonnade aus Papyrussäulen umschlossene Hof des Amenhotep III leitet über zur Vorhalle des von diesem Herrscher errichteten Tempels.
32 Papyrussäulen hielten einst das Dach. Die Reliefs zeigen Amenhotep III vor den thebanischen Göttern, denen auch die personifizierten Gaue Ägyptens Opfer darbringen.
An den Architraven ist gut zu erkennen, dass der Name "Amûn" ausgemeißelt und später wieder eingesetzt wurde. Hof und Kolonnaden waren einst von einer hohen Mauer umgeben, von der nur noch die unteren Steinlagen erhalten sind.
Der folgende Raum mit zwei Nebenkammern für Mut und Chons diente wohl ursprünglich als Standplatz für die heilige Barke. Unter Diokletian (284-305 n. Chr) wurde er von den Römern für den Kaiserkult hergerichtet. Säulen wurden entfernt, ein Altar eingebaut und die Wände mit Abbildern von Soldaten versehen, die den Herrschern huldigen. Reste der Malereien sind erhalten. Später diente der Raum auch als christliche Kirche.

Die Reliefs im Geburtsraum (hinterer Tempelbereich, links) wurden unter Echnaton stark beschädigt. Sie zeigen Zeugung und Geburt von Amenhotep III, und man kann immer noch gut den Geburtsmythos nachvollziehen, von dem der König sein Gottkönigtum ableitete. Die Szenenfolge: --> Hathor und Mutemwija (Mutter des A. III) - Amûn spricht mit --> Thot - Amûn und Mutemwija auf einem Bett, das von --> Selket und --> Neith getragen wird - Amûn und --> Chnum - Chnum formt auf seiner Töpferscheibe zwei Wesen: Amenhotep und seinen Ka, Hathor sieht zu - Thot kündigt Mutemwija die Geburt an - die Schwangere wird von Hathor und Chnum ins Geburtszimmer geleitet, wo sie niederkommt - Hathor übergibt Amûn das Kind - Unter den Augen seiner Mutter und von Göttern säugen göttliche Ammen und Kühe den Knaben und seinen Ka - neun Gottheiten tragen das Kind - --> Hekat trägt das Kind und seinen Ka unter den Augen einer Nilgottheit - --> Horus übergibt beide an Amûn - Chnum und --> Anubis - Amenhotep und sein Ka vor --> Seschat, die den Pharao registriert.

Durch den von vier Säulen getragenen 1. Opfertischsaal gelangt man ins Sanktuarium Alexanders des Großen. Der Makedonenkönig, der sich nach der Eroberung Ägyptens zum Pharao krönen ließ, verlieh ihm sein heutiges Gesicht: er stellte einen Granitschrein für die Götterbarke auf. Die Wandreliefs zeigen den Einzug des Königs ins Sanktuarium, seine Inthronisation durch Amûn, der dem Kienden die Doppelkrone überreicht und die Unterrichtung der göttlichen Neunheit von diesem Ereignis sowie den König beim Opfer vor den Göttern.
Die unmittelbare Gegenüberstellung der traditionellen Reliefs Amenhotep III an der Innenwand mit den vorptolemäischen Reliefs an der Außenseite des Schreins zeigt deutlich die Abänderung des traditionellen Proportionskanons, in dem genau festgelegt war, in welchem Größenverhältnis Kopf und Gliedmaßen zur Rumpflänge zu stehen hatten. Durch eine andere Unterteilung des menschlichen Körpers in der Spätzeit werden nun die Köpfe relativ zum Rumpf kleiner.
Am Südende schließen sich die Reste des Raumes für ein Kultbild, ein weiterer Opfertischsaal und Kapellen an.

Die Außenmauern des Hofes von Amenhotep III, des Säulenganges und des Hofes von Ramses II zeigen teilweise schön erhaltene Reliefs mit Szenen von den Feldzügen Ramses II nach Asien.

Rund um die von Ramses errichteten Bauten wurden Reste der römischen Festungsanlage und Bauteile aus späterer Zeit freigelegt.



Quelle:
Knaurs Kulturführer Ägypten

Eingestellt durch: semataui (10.02.2004)
Bearbeitet durch:  semataui (01.03.2004)


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