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Verlauf:
Paser (Wesir, 19. Dyn, TT106)
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  Nini (njnj)
nj-nj = Nini = "(Komm) zu mir, (komm) zu mir" mit den Händen gesprochen.

n=j n=j "zu mir, zu mir"
n "[Präposition] ... (2) [dativus localis, mit Richtung oder Ziel auf eine Person, selten im feindlichen Sinne] zu, hin zu" (Hannig, Ägyptisch-Deutsch, S. 385)
=j "[Suffix]... (3) [mit Präposition] mir, mich n=j mir" (S. 21)
Das "komm" ist eine interpretatorische Ergänzung.

Die "Wasserlinie" kommt aus der dargestellten Hieroglyphe N35 (S. 1066).
Erläuterung aus dem Forumsbeitrag von M. Tilgner

Das Nini wird teils als Ausruf, Anruf, teils als Geste, bei der man Wasser über die Hände laufen läßt oder sprengt, aber auch als Händeklatschen diskutiert.



Die grundlegende Bedeutung des Nini ist offensichtlich unbekannt. Es richtet sich an Götter, Könige, oder Verstorbene (beim Eintritt ins Totenreich, s. a. oben das Bild aus dem Grabe des Aye, der hier von der Göttin Nut mit njnj empfangen wird). Es liegt daher ein Willkommensgruss nahe.

Eine wirkliche Wasserspende kann aus den üblichen Darstellungen nicht abgeleitet werden, sondern nur, dass Wasser über die Hände läuft, d.h. dass sie gewaschen werden oder worden sind. Das über die Hände laufende Wasser zeigt somit deren Reinheit an. Die Haltung der Hände entspricht dabei Grussgesten.

Die Bedeutung von Wort und Gestus wird erhellt durch den Auspruch des Königs vor Hathor auf der Stele des Antef (Metropolitan Museum, 13.182.3): "Meine Hände machen den Gestus ´Komm zu mir, komm zu mir`" und dann bezeichnet sich der König als der "reine" Ihi (Sohn der Hathor).
Damit macht der König deutlich, dass er die Göttin mit (kultisch) reinen Händen empfängt.

Weiterhin wird die Geste in Philae deutlich beschrieben als "offenhändig, die Arme vorstrecken" - "Ich strecke meine Arme offen aus und begrüße Dich mit "(Komm) zu mir, (komm) zu mir!".
Sinngemäß heißen die Götter des Westens die ihnen am Himmel entgegenkommende Sonne mit njnj willkommen.


Zeitlich nach der Erstellung des LÄ wurde die njnj-Geste ausführlich diskutiert in:
Brigitte Dominicus, Gesten und Gebärden in Darstellungen des Alten und Mittleren Reiches, Heidelberg, 1994,
Abschnitt: "Begrüßung durch Götter und Verstorbene", S. 38-58. Dort sind zahlreiche Belege zusammengestellt. Die verschiedenen Erklärungsversuche werden ebenfalls kritisch besprochen.

Den folgende Auszug daraus erstellte M. Tilgner für die oben erwähnten Beiträge im Forum.
Zitat:
"Die njnj-Begrüßung findet sich vor allem bei Göttinnen (NR: Hathor, Amaunet, Mut, Neith), bei Göttern dagegen nur selten (12. Dyn.: Amun, 18. Dyn.: ddwn, Chnum).
Königsgräber. In Königsgräbern des NR findet sich die njnj-Begrüßung nur bei Göttinnen." (S. 43)


Die Belege bei Göttern:

   * Sesotris I. - Begrüßung durch Amun - Lacau, Chevrier, Sesostris Ier, Tf. 28,3'
   * Hatschepsut - Begrüßung durch Amun - Deir el-Bahari II, Tf. 52
   * Hatschepsut - Begrüßung durch Amun - Deir el-Bahari III, Tf. 84
   * Thutmosis III. - Begrüßung durch Chnum - LD III, 58
   * Thutmosis III. - Begrüßung durch ddwn - LD III, 56
   * Sethos I. - Begrüßung durch Hathor- Nelson, Karnak, Tf. 199

Die sehr detaillierte Bearbeitung führt zum folgenden Hauptergebnis:

Zitat:
"Es wurde gezeigt, daß das Verbum njnj seinen Ursprung in dem Grußwort n=j n=j 'zu mir, zu mir' hat und 'grüßen, willkommen heißen (mit ausgestreckten Armen)' o.ä. heißt. Die 'Wasserlinien' auf den ausgestreckten Händen der Grüßenden in Darstellung und Determinativ sind wahrscheinlich nichts anderes als eine Schreibung von njnj. Die Belege finden sich vom AR bis in röm. Zeit." (S. 58)

Zur Interpretation "Reinheit" führt Dominicus aus:

Zitat:
"Reinigungen selbst sind anders dargestellt und bezeichnet. Rituelle Reinigungen, z.B. von Verstorbenen, sind mit Gefäß und dem austretenden Wasserstrahl wiedergegeben. Auch bei Handwaschungen in einem Privatgrab des NR wird Wasser aus einem Gefäß über die erhobenen Hände sitzender Personen gegossen; ähnlich erfolgt die Reinigung der Hände in der Festhalle Osorkons II. (3. ZZ). Die Beischriften nehmen mit wab 'reinigen, rein sein' und abw 'Reinigung' darauf Bezug." (S. 52)



Quelle:
LÄ, BD. IV, Sp. 509
Forumsbeiträge von M. Tilgner (siehe oben)

Eingestellt durch: Iufaa (18.03.2004)
Bearbeitet durch:  Iufaa (29.06.2004)


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