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  Hypostyl
lt. dem in der Ägyptologie tätigen Architekten Gerhard Haeny wird der aus dem griechischen kommende Begriff des Hypostyls in der Ägyptologie falsch angewendet.
In Griechenland bezeichnet er lediglich eine große Halle deren Decke, wegen der Spannweite mit Säulen oder Pfeilern abgestützt werden muss. Daraus ergibt sich, dass ein Hypostyl mehrschiffig ist.

Diesem Kriterium folgend sehen wir uns hier zum Teil grundlegend unterschiedlichen Raumgestaltungen/ -funktionen gegenüber.

So wird der Bereich hinter dem 2. Pylon im Isistempel von Philae allgemein als Hypostyl bezeichnet, obwohl er sich klar in zwei verschiedene Räume, ehemals getrennt durch Schrankenwände, teilt. Diese Schrankenwände wurden später herausgebrochen und es entstand ein Raum. Geplant und ausgeführt wurden aber ein Hof mit dahinterliegender Vorhalle zum Tempel.


- Vollbild -

Plan aus: Hölbl, G. Altägypten im Römischen Reich II. Mainz 2004, S. 43

Diesem Plan steht z. Bsp. der Säulensaal im Luxortempel gegenüber, dessen Säulenstellung klar auf einen, ehemals nicht geteilten Raum hinweist, in den erst in späterer Zeit Schrankenwände eingezogen wurden.


- Vollbild -

Plan: Haeny, G., Basilikale Anlagen in der ägyptischen Baukunst des Neuen Reiches. Wiesbaden 1970, Abb. 8

Diese Säulensäle möchte Haeny erneut unterteilen in:

1. diejenigen Säle die ein erhöhtes Mittelschiff besitzen/besaßen. In dessen Seiten des Mittelbaues waren hochgelegene Fenster eingelassen, wie z. Bsp. im großen Säulensaal in Karnak.
2. diejenigen Säulensäle in denen zwar unterschiedlich hohe Schiffe durch hervorhebung des Mittelschiffes (welches höher und in der Säulenstellung eventuell breiter war) entstanden, deren Beleuchtung aber durch Fenster in den Aussenwänden oder der Decke geschah.

Nicht erwähnt hat er Säulensäle wie im Luxortempel, deren Mittelteil lediglich durch eine breitere Säulenstellung, bei gleichbleibender Höhe der Säulen, angegeben wird.

Haeny möchte, einem Vorschlag Chevriers folgend, den Begriff 'hypostyl' eingrenzen auf eine Saalform des Neuen Reiches. Diese Saalform, die im deutschsprachigen Raum (wiederum fälschlicherweise) als 'basilikal' bezeichnet wird, ist im Punkt 1 beschrieben.

Anm. des Einstellers: Damit dürften die beiden anderen Formen der angesprochenen Säulensäle lediglich mit dem Begriff   --> 'Säulensaal'  bezeichnet werden. Unklar bleibt, ob sich eine unterschiedliche Raumnutzung dieser bautechnisch zu unterscheidenden Säle nachweisen läßt.




Quelle:
Haeny, G., Hypostyl. In: Lexikon der Ägyptologie, Bd. III. Wiesbaden 1975-86, Sp. 111

Eingestellt durch: naunakhte (21.04.2005)
Bearbeitet durch:  naunakhte (22.04.2005)




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