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  Fest des Horus - Behedet
Wenn Hathor von Dendera ihren Gemahl --> Horus-Behedeti in Edfu besuchte, wurde ein großes Fest gefeiert.


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Foto: monja

Hathor von Dendera reist einmal im Jahr mit mehreren Schiffen unter Segel und zugleich gerudert nach Edfu (etwa 180 km entfernt), um dort ihren Gemahl Horus zu besuchen und mit ihm das Fest von Behedet zu feiern. Diese Schiffe schleppten die große Flußbarke, in der sich die kleine Prozessionsbarke mit der Kultstatue von der Göttin befand. Zur gleichen Zeit, als Hathor in Edfu ankam, machte sich Horus von Hierakonpolis auf den Weg mit seiner eigenen Barke und weiteren Gottheiten und fuhr noch ein kleines Stück den Nil stromaufwärts nach Süden, teils auch auf dem Landweg, nach Behedet, um zum heiligen Bezirk von Edfu und seinen Heiligtümern zu gelangen. Dort wurde vom König das große "Fest von Behedet" großzügig ausgerichtet und von der Bevölkerung unter fröhlicher und lautstarker Teilnahme gefeiert. Der Besuch und Aufenthalt bei den Gräbern der Urgöttern war wichtigster Bestandteil des Festes. Bei den Urgöttern handelte es sich zum Beispiel um die Vorgänger von Horus von Edfu, wie Osiris, die Götterneunheiten und die seit Weltbeginn gestorben und zu Osiris geworden "Jahressonnen", welche westlich von Edfu in Gestalt mumifizierter Falken begraben lagen.
Der Sinn des Festes beruhte auf die zyklische Erneuerung der Gottheiten und ihrer Nähe zu Osiris und somit die Legimitation des Nachfolgers über den Vollzug der Totenriten sowie die Zeugung des Nachfolgers durch Horus und Hathor, die Gottheiten der lokalen Triade.
Das Fest dauerte 14 Tage und danach trat Hathor ihre Rückreise an, die wohl etwa 4 Tage dauerte.


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Foto: monja

Im Mittelpunkt des großen Festes von Behedeti  steht das heilige Tier, der Falke, in welchem die Gläubigen die lebende Verkörperung ihres Gottes Horus sahen.
Der lebende Falke wurde durch den Horus von Behediti selbst ausgewählt und als Herrscher eingesetzt. Dies lief folgender Weise ab:
Auf einem Prozessionsweg, der aus dem Haupttempel durch den ersten Pylon und dann über den freien Platz gegenüber vom Pylon zum Tempel des lebenden Horus führte, wurde eine der Horusstatuen getragen. Hier suchte sich der Priester, ähnlich wie bei einer Orakelbefragung den lebenden Falken aus, der dann der Nachfolger bzw. die Inkarnation des letzten lebenden Falken ist und fortan im Falkentempel wohnen wird.
Anschließend wurde die Statue mit dem lebenden Falken auf dem weiteren Prozessionsweg auf die Brücke zwischen den Pylontürmen, welche als Erscheinungsfenster galt getragen und weiter zum Hauptkultbild im Sanktuar. Beim anschließenden Tempelumgang erfolgten die Riten der Inthronisation und das Rezitieren der Anrufungen an die "Göttin-des-guten-Jahres".
Die vollständigen Texte sind in Hieroglyphen an den Tempelwänden zu lesen.
Der König begrüßt darin ausführlich die Morgensonne, unter anderem mit den schönen Worten :
" .... Du mögest zu Himmel fliegen, du mögest den Horizont durchziehen und du mögest dich niederlassen auf dem Ufer des Himmels. Du mögest die Erde durchziehen, richtig geleitet in deinem Laufe. ........ Deine Stirn sei hoch aufgerichtet, wenn du dich erhebst als Horus, der Herr des Laufes ..... Steige auf den Rücken deines Feindes, indem du die Antilope mit deinen Krallen packst! .... Dein Gesicht glänze ..... wenn du die Feinde zurück treibst. Hoch! Hoch! Sei hoch! ....".
Das sind einige kurze Auszüge der Inschriften aus dem Buch "Treffpunkt der Götter" von Dieter Kurth.
Das jährlich statt findende Fest hatte also auch zum Inhalt, die Herrschaft des lebenden Horus zu bestätigen und sichern, oder nach dessen Ableben seinen Nachfolger zu bestimmen und bestätigen.
Dieses Fest gehörte zu den fünf großen Festen in Edfu.



Quelle:
Kurth, Dieter, Treffpunkt der Götter. München 1994.

Eingestellt durch: monja (08.01.2007)
Bearbeitet durch: -


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