Kleopatra die VII. stammt aus dem Hause Ptolemaios. Die ursprünglich makedonische Dynastie der Ptolemäer war häufig von Rivalitäten, Inzest und Mord geprägt. Geheiratet wurde in der Regel die eigene Schwester, so wie Ptolemaios II. Philadelphos (285–246) es eingeführt hatte. Vermutlich nahmen sie dabei sogar die mythologische Geschwisterehe von Isis und Osiris zum Vorbild. Kleopatra kam 69. v. Chr. als Tochter des Ptolemaios XII. Neos Dionysos zur Welt, welcher seit 80 v. Chr. an der Macht war. Ihre Mutter war vermutlich eine Hathor Priesterin unbekannten Namens, denn Kleopatra VI. Tryphaina fiel mit ihrer Geburt in Ungnade, obwohl sie die Schwester und Gemahlin Ptolemaios XII. war. Nachdem ihr Vater Ptolemaios XII. im Jahre 58 v. Chr. nach Rom fliehen musste, herrschten zunächst ihre Schwester Berenike IV. und Kleopatra VI. Tryphaina mit ihrem zweiten Gatten Archelaos über Ägypten. 55 v. Chr. schlägt Marcus Antonius jedoch im Auftrag des Pompeius das Heer des Archelaos und sorgt für die Wiedereinsetzung Ptolemaios XII. Dieser beginnt im Jahre 54 v. Chr. mit den Bauarbeiten des Hathor-Tempels in Dendera. Da ihre Schwester Berenike IV. von ihrem Vater ermordet wird, besteigt Kleopatra VII. Philopator nach dessen Tod im Jahre 51 v. Chr. den Thron. Hölbl zufolge wird sie überragend an Intelligenz gewesen sein, verfügte über Esprit, war von hoher Bildung und Kultur und wirkte durch den Charme ihres Verhaltens in einer geradezu unwiderstehlichen Weise. Mit ihrer Thronbesteigung im Jahre 51 v. Chr. schiebt Kleopatra VII. zunächst einmal ihren erst 12 Jährigen Bruder Ptolemaios XIII. beiseite und regiert bis zum Herbst 50 v. Chr. alleine, wie auch die Stele des Onnophris zu Snonais deutlich erkennen lässt. Im Sommer 49 v. Chr. wird Kleopatra VII. jedoch von der Gegenfraktkon ihres Bruders zunächst zum Rückzug in die Thebais, dann zur Emigration nach Syrien gezwungen. Da der im römischen Bürgerkrieg gegen Caesar stehende Pompeius den Ägyptern für seine Anerkennung Ptolemaios XIII. jedoch im Rahmen eines Freundschaftsvertrages hohe Steuern abverlangt, kann Kleopatra VII. im Sommer 48 v. Chr. bei Pelusium militärisch erfolgreich ihre Rückkehr erzwingen, woraufhin der inzwischen nach Ägypten geflohene, militärisch unterlegene Pompeius dort von den Anhängern der Partei des Ptolemaios XIII. erschlagen wird. Nachdem Ptolemaios XIII. von Caesar als Geisel genommen wird, marschiert das nunmehr von Kleopatra befehligte ptolemäische Heer mit einer Stärke von 20.000 Mann unter dem begeisterten Beifall der Bevölkerung in Alexandria ein. Nach dem Ende ihres Bruders Ptolemaios XIII. und der Flucht ihrer Schwester Arsinoe IV. unterwirft sich Kleopatra VII. zu Beginn des Jahres 47 v. Chr. dem siegreichen Caesar und unternimmt mit ihm eine gemeinsame Reise auf dem Nil. Von 47–44 v. Chr. ist Ägypten erstmals ein römisches Protektorat und untersteht der Besatzung des Rufio. Zugleich wird am 23. Juni 47 v. Chr. der gemeinsame Sohn des Caesar und der Kleopatra, namentlich Ptolemaios XV. Kaisarion geboren. Nach dem Ende des Caesar in den Iden der März 44 v. Chr. kehrt Kleopatra VII. jedoch mit ihrem Sohn Kaisarion nach Ägypten zurück und übernimmt in den folgenden Jahren mit ihrem Strategen Kallimachos die Herrschaft über das von Hunger und Seuchen geplagte Land. Als im Herbst des Jahres 42 v. Chr. dann dem Triumvirn Marcus Antonius erneut die Organisation des Ostens des römischen Reiches zufällt, kann ihn Kleopatra mit ihrem Charme ebenso erobern, wie zuvor bereits den siegreichen Caesar. Im Jahre 40 v. Chr. bringt sie die Zwillinge Alexander Helios und Kleopatra Selene zur Welt, die Antonius als Mitglied des auf Zeit geschlossenen ersten Triumvirats offiziell anerkennt. Im Jahre 36 v. Chr. bringt sie mit Ptolemaios Philadelphos II. für Antonius das 3. gemeinsame Kind zur Welt. Im Jahre 34 v. Chr. wird Kleopatra VII. von ihm als Königin über Ägypten und Zypern bestätigt. In den Jahren seit ihrer Rückkehr aus Rom nach Ägypten hatte Kleopatra VII. in Dendera den von ihrem Vater zu Ehren der Göttin Hathor begonnenen Bau eines Tempels fortgesetzt, welcher heute zu den mit Abstand am Besten erhaltenen Bauwerken der altägyptischen Zeit gehört. Hier proklamierte sie 44 v. Chr. in einer monumentalen Inschrift die Herrschaft ihres damals erst 3 jährigen Sohnes Kaisarion. Die Entwicklung der Lage erscheint überwiegend günstig zu sein. Als sich Antonius im Jahre 34 v. Chr. jedoch zur Heirat der Kleopatra entschließt und sich von seiner bisherigen Frau Octavia scheiden lässt, kommt es zum Konflikt zwischen ihm und ihrem Bruder Octavian, welcher sich mit dem Ende des 2. Triumvirats am 31. Dezember 33 v. Chr. noch deutlich verschärft. Mitte 32 v. Chr. veranlasst Octavian, dass seinem bisherigen Verbündeten Antonius die Designation für das Amt des Konsuln und seine militärische Befehlsgewalt für den Osten aberkannt wird. Mit der Erklärung Kleopatras zum Staatsfeind befand sich das ptolemäische Haus der Ägypter seit dem Herbst 32 v. Chr. mit Rom de facto im Krieg. Marcus Antonius und Kleopatra beschlossen in Süd-Italien zu landen, um von dort aus dann direkt die römische Hauptstadt anzugreifen, doch ein schwerer Sturm beschädigte weite Teile der ägyptischen Flotte. Sie drehten deshalb bei und zogen sich mit ihren Schiffen in einen bei Actium gelegenen, natürlichen Hafen zurück, wo sie von der von Marcus Agrippa befehligten Flotte des Octavian gestellt wurden. Mit dem Rückzug der von Kleopatra VII. geführten Flottenteile aus der Seeschlacht bei Actium kommt es 31. v. Chr. zum Abfall der römischen Legionen von Marcus Antonius. Als im August 30 v. Chr. auch die Flotte zu Octavian überläuft und Alexandria eingenommen wird, begehen Antonius und Kleopatra am 12. August 30 v. Chr. Selbstmord. Während Kleopatras Sohn Kaisarion bei der Flucht über das Rote Meer ermordet wird, werden seine Geschwister Kleopatra Selene und Alexander Helios von Octavia, der früheren Gemahlin des Marc Anton, aufgezogen und fallen erst in der Zeit des Caligula. Wie Sueton Divus Augustus 17–18 mitteilt, gewährte Octavian der toten Königin Kleopatra und ihrem geliebten Antonius die Ehre einer Bestattung in einem eigenen Mausoleum. Die Grablege der Kleopatra VII. und ihres Gemahls Antonius wurde vermutlich im Januar 2021 von der Archäologin Kathleen Martínez in Taposiris Magna, 45 Kilometer westlich von Alexandria, bei Abusir entdeckt. Möglicherweise wurde ihre Grabstätte im dortigen Heiligtum des Osiris durch Einheiten der Legio III. Cyrenaica kontrolliert, denn hier hatte der Besitz des Hauses der Ptolemäer seinen Anfang genommen. Doch obwohl sich dort unter anderem eine für Kleopatra bezeugte, vergoldete, mit Hörnern und Uräusschlange besetzte Krone samt Halskragen, sowie die Überreste eines goldenen Lorbeerkranzes fanden, hat diese Entdeckung keine entsprechende Würdigung erfahren. Da Kleopatra VII. ihre in Griechenland lebende Schwester Arsinoe IV. bereits 34 v. Chr. durch Marcus Antonius ermorden lässt, erlischt das ptolemäische Reich in Ägypten mit ihrem Tod und dem Tod ihres Sohnes Kaisarion. Das am Nil gelegene ägyptische Reich, welches seine Glanzzeit spätestens mit der Fremdherrschaft der Perser hinter sich hatte, verlor nun endgültig seine Souveränität und politische Unabhängigkeit und wurde eine Domäne des römischen Kaisers, was zugleich auch eine weitgehende Beseitigung der ägyptischen Rechtsformen zur Folge hatte.  - Vollbild - Kleopatra VII. in Gestalt der Göttin Isis mit ihrer Kartusche. Relief aus dem Tempel zu Dendera in Ägypten. Standort: Musée du Louvre, Paris, CC BY-NC-SA 4.0.
Quelle: * Stefan Pfeiffer: Die Ptolemäer: im Reich der Kleopatra, Stuttgart 2017.
* Carina Felske: Kleopatra – Letzte Königin Ägyptens. In: Selket's Ägypten 1999–2025 https://www.selket.de/pharaonen/kleopatra/
* Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen, Düsseldorf & Zürich 2002, S. 224–225 Artikel Ptolemaios XII. Neos Dionysos.
* Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen, Düsseldorf & Zürich 2002, S. 145–147 Artikel Kleopatra VII. Philopator.
* Günther Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches: Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung, Darmstadt 1994.
* Philip Harland: Soknopaiou Nesos (Fayum region Egypt), Stele des Jahres 51 v. Chr. des Louvre Museum (Inv. E 27113). In: Associations in the Greco-Roman World (AGRW): A Sourcebook. An Expanding Collection of Inscriptions, Papyri, and other Sources in Translation, Item of March 10, 2014, modified May 26, Berlin u. Waco 2021 https://philipharland.com/greco-roman-associations/meeting-place-of-an-association-devoted-to-snonais/.
* Carl Richard Lepsius: Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien, Band 9, Abt. 4, Denkmäler aus der Zeit der griechischen und römischen Herrschaft, Berlin 1850, Blatt 53, Dendera – Großer Tempel, Äußere Hinterwand, Inschrift Kleopatra VII. und des Kaisarion https://iiif.nypl.org/iiif/3/44073/full/5096,/0/default.jpg.
* Bernard P. Grenfell, Arthur S. Hunt: The Oxyrhynchus Papyri, Part XIV, edited with translations and notes, London 1920, S. 8–10, No. 1629 u. S. 189 Indices mit Platte 1, No. 1628 u. 1629 https://archive.org/details/pt14oxyrhynchusp00grenuoft/page/6/mode/2up?view=theater.
* Ernest Alfred Wallis Budge: The Book of the Kings of Egypt, Vol. 2 : Macedonians, Ptolemies, Roman Emperors, Kings of Napata and Meroe, Index, London 1908, S. 151–153 https://archive.org/details/bookkingsegypt01budggoog/page/n164/mode/2up.
* Berthold Huber: Die Beziehung zwischen Caesar und Kleopatra. In: Markus Janka, Sueton, WS 2013/2014 https://www.fachdidaktik.klassphil.uni-muenchen.de/studium_lehre/lehrverans/winter_13-14/hauptseminar-sueton/referat_sitzung-3_ii.pdf.
* Maximillian Ihm: C. Suetoni Tranquilli Opera, Vol. 1, De vita Caesarem libri VIII, Leipzig 1908, Reprint Stuttgart 1993, S. 54–56, Divus Augustus 17,1–18,2 https://archive.org/details/devitacaesarumli0000suet/page/54/mode/2up?view=theater.
* Kathleen Martínez, Stefan Pfeiffer, Daniel von Recklinghausen: New evidence for the worship of Isis and Osiris from Taposiris Magna. In: Janice Kamrin et al.: Guradian of Ancient Egypt: Studies in honor of Zahi Hawass, Vol. 2, Prag 2020, S. 1001–1022.
* Selket: Führen zwei Mumien zu Kleopatras Grab in Taposiris Magna ? In: Selket's Ägypten, Blog vom 05. August 2020 https://blog.selket.de/aus-der-archaeologie/fuehren-zwei-mumien-zu-kleopatras-grab-in-taposiris-magna#more-16832.
* Jolly Thews: Griechisch-römische Felsengräber in Alexandria entdeckt. In: Selket's Ägypten, Blog vom 30. Januar 2021 https://blog.selket.de/aus-der-archaeologie/griechisch-roemische-felsengraeber-in-alexandria-entdeckt?unapproved=71872&moderation-hash=fe89d1e36c2b03ae929a13cfc4ec48f7#comment-71872.
* Győző Vörös: Taposiris Magna – A Temple, Fortress and Monastery of Egypt. Hungarian excavations at Alexandria 1998–2004, Budapest 2004 https://books.google.de/books?id=eeW597XT9YMC&pg=PA24&redir_esc=y#v=onepage&q&f=true.
* Győző Vörös: The Taposiris Magna Mosaic in the Museum of Palestrina. In: Mamdouh Eldamaty, Mai Trad: Egyptian Museum collections around the world, Vol. 2, Studies for the Centennial of the Egyptian Museum, Cairo. The American University in Cairo Press, Kairo 2002, S. 1209–1220.
| Eingestellt durch: | Lolli2u (19.08.2025) |
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