Ägyptologie-Blatt

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Keilschrift-Dokumentation im Internet
Eine Initiative, die man sich so konzentriert auch für die Ägyptologie wünscht
Von Gitta am 19.05.2002 um 15:31:29 

1998 bekam die Digitalisierung von Keilschrifttafeln neue Dringlichkeit. Experten befürchteten, dass die Texte, wenn sie nicht katalogisiert würden, für immer verloren gingen. Ca. 120.000 Keilschrifttafeln aus dem 3. Jtsd. v.Chr. sind über die ganze Welt verstreut. Um weitere Tausende wird Jahr für Jahr der Irak geplündert, um sie auf den Antikenmarkt zu werfen. Sogar bei eBay wurden schon welche entdeckt. "Sie sind so unglaublich weit gestreut", sagte Robert Englund, Professor für nahöstliche Sprachen und Kulturen an der Universität von Kalifornien, Los Angeles, der an der Spitze des Digitalisierungsprojektes steht. "Das Internet erschien uns als der einzige Weg, um Kontrolle über die Texte zu bekommen." Über die nächsten ein oder zwei Jahre will Englund das Sammeln, Katalogisieren und Fotografieren von 120.000 Tafeln abgeschlossen haben für die Veröffentlichung im Internet.

Die Tafeln sind die frühesten bekannten Schriftdokumente; sie geben Auskunft darüber, wie die Menschen im antiken Mesopotamien über Jahrtausende lebten, arbeiteten, herrschten und schrieben. Die digitale Bibliothek konzentriert sich auf die Tafeln aus der Zeit um 3300 bis 2000 v.Chr., also dem ersten Jahrtausend der Schrift. Ihren Namen verdankt die Schrift ihrem Aussehen: eine Aneinanderreihung kleiner Keile. Etwa 60.000 Texte sind bereits online. "Es ist, als würde man durch den Schrifttafelraum eines Museums schlendern und einzelne Tafeln zur Hand nehmen können, und das von jeder Ecke unseres Planeten aus und von vielen Personen zur gleichen Zeit," sagte Gene Gragg, Direktor des Oriental Institutes der Universität Chicago. Keilschriftsammlungen in England, Deutschland, Norwegen, Russland und den USA sind für Studenten zugänglich. "Es ist einfach eine Veränderung der Arbeitsmethoden, denn der Zugriff geht nicht mehr einher mit langen beschwerlichen Reisen über Tausende von Meilen, sondern es bedarf nur noch eines Klickes, eine riesige Erleichterung," sagte Steve Tinney von der Universität Pennsylvania, der ein webbasiertes Wörterbuch für Sumerisch erstellt, der ersten geschriebenen Sprache.

Die bekanntesten Keilschrifttexte beinhalten die frühesten bekannten Schöpfungsmythen, Rechtskodizes, medizinische Verordnungen und Rezepte für Bier. Die meisten jedoch beinhalten so weltliche Dinge wie Buchführung, Urkunden, Quittungen und Listen über alles Mögliche, von Vogelarten bis zu Musikinstrumenten und deren Material. Zu den darin gemachten detaillierten Angaben gibt es keine Parallelen in der Geschichte bis vielleicht zum Beginn des venezianischen Reiches um 1200. Historiker hoffen, dass die Bibliothek von Wirtschaftshistorikern und Anderen angenommen wird, die Keilschriftaufzeichnungen bisher ignoriert haben. "Wir hoffen, den Reichtum der mesopotamischen Kultur überall hinzubringen. Wir haben landwirtschaftliche und magische Texte ebenso wie medizinische, rechtliche und religiöse. Das ist ein Schatz, der noch nie ausgebeutet wurde", sagte Tinney.

Quelle (englisch)
http://story.news.yahoo.com/news?tmpl=story&cid=624&ncid=624&e=1&u=/ap/20020517/ap_on_sc/cuneiform_library_2

Info über die CDLI (Cuneiform Digital Library Initiative)
http://cdli.mpiwg-berlin.mpg.de/index.html

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