Ägyptologie-Blatt

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Heliopolis wird touristisch
Ein bereits im Aufbau befindliches Open-Air-Museum machts möglich
Von Gitta am 19.05.2002 um 15:33:04 

Wenn man an Touristenattraktionen nahe Kairo denkt, fallen einem Giza, Sakkara und Dhaschur ein. Das soll sich nun schnellstens ändern. Ausgräber, Ingenieure und Restauratoren haben das biblische On, heute Matariya, in einen Hort der Aktivität verwandelt. Zahi Hawass erklärte in einem Interview anlässlich seiner Amtsübernahme als Generalsekretär des SCA im letzten Monat, dass Ägypten weitere Kulturstätten dem Tourismus öffnen wird, auch um die konventionellen Touristenziele zu entlasten. Matariya (Heliopolis) steht ganz oben auf der Liste. Die Eröffnung soll noch vor dem Sommer erfolgen.

Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Heliopolis, der 20,4 m hohe Granit-Obelisk von Sesostris I. aus dem Mittleren Reich, der nahegelegene Baum der Heiligen Jungfrau und das Grab des Banehsi, saitischer Herrscher von Unterägypten unter der kurzen Regentschaft des Psammetich III., 26. Dynastie, sollen erstmals in die touristischen Reiserouten aufgenommen werden.

In antiker Zeit war Heliopolis das Zentrum des Sonnenkultes und zusammen mit Memphis und Theben eine der wichtigsten Städte. Leider wurde sie durch die Urbanisierung fast komplett ausgelöscht. Das Aufstellen des Obelisken auf einen 2 m hohen Sockel durch eine deutsche Firma im Jahre 1950 war der erste Schritt zur Erhaltung der antiken Stätte. Das Gelände wurde hergerichtet und es wurde eine Rasenfläche angelegt. Mitte der 70er Jahre gab es weitere Verbesserungen. Heute jedoch ist die Stätte für Touristen nahezu unerreichbar, bis zur Fertigstellung der im Bau befindlichen neuen Brücke über das Bahnhofsgelände, das Kairo von Matariya trennt.

Dann kam wieder einmal der Zufall zur Hilfe. Bei Erdarbeiten zum Bau eines Hauses in der Nähe des Obelisken wurde eine Reihe von Kalksteinstatuen, Granitsarkophagen und Stelen gefunden, wiederum aus saitischer Zeit der 26. Dynastie. Größe und Dekoration lassen auf königliche oder zumindest noble Herkunft schließen. Die Monumente wurden gesäubert und neben dem Obelisken vorübergehend ausgestellt. Und im letzten Jahr wurde, auch wieder zufällig, ein weiteres Grab entdeckt, zwei Kilometer östlich des Obelisken, nachdem ein Grundstückseigentümer die seit 1983 erforderliche archäologische Überprüfung des Geländes beantragte, auf dem er ein Haus zu bauen gedachte. Dieses Grab gehörte Waja-Hur, einem bereits bekannten Baumeister oder Architekten der 26. Dynastie. Das Grab ist beeindruckend. Es besteht aus zwei langen Korridoren, die zu drei Begräbniskammern führen, die erste für den Verstorbenen selbst und die anderen beiden, die noch nicht freigelegt wurden, vielleicht für Familienmitglieder. Die Grabausstattung fehlte, jedoch wurden 19 Uschebtifiguren gefunden, die den Namen des Verstorbenen tragen.

"Überall im Land sind archäologische Stätten durch Umweltschäden usw. bedroht, aber nirgendwo so besorgniserregend und schnell fortschreitend wie in Heliopolis", sagte Ahmed El-Sawi, ein Archäologe, der an Studien des SCA 1988 beteiligt war.

Nach den jüngsten Entdeckungen und im Hinblick auf die baldige Fertigstellung der Brücke nach Heliopolis wurde die Idee der Erschließung für Touristen wieder aufgenommen, diesmal jedoch mit Nachdruck. Dies soll nun so schnell wie möglich geschehen, auch um die unter- und oberirdisch lagernden Artefakte vor weiterer Zerstörung durch Grund- und Sickerwasser und durch die zunehmende Bebauung des Gebietes zu schützen.

Banehsis Grab ist dekoriert mit Totentexten und farbigen Reliefs und eine Rettung war dringend erforderlich, war es doch, in 60 m Tiefe, bereits teilweise überschwemmt. Die Kalksteinblöcke waren umgekippt und hatten Risse; die Reliefs zeigten Beschädigungen durch die Salze im Wassers.

"Um Banehsis Grab zu sichern, war eine Isolierschicht zwischen das Erdreich und die untere Steinschicht einzubringen. Die Reliefs wurden von Salzkrusten befreit und restauriert", sagte Abdel-Hamid Qutb, Generaldirektor des Engineering Department in Giza. Das Grab ist nun also im wahrsten Sinne des Wortes gerettet worden. Es wurde nicht in situ restauriert, sondern abgetragen und an eine andere Stelle verbracht. Im ersten Schritt wurde das Wasser aus dem Grab gepumpt, die Blöcke wurden entfernt und behandelt. Für den Wiederaufbau wurde ein neuer Platz in trockener Umgebung oberhalb des Grundwassers gewählt, mit einer solide gebauten Basis.

Das ganze Gelände wird jetzt in ein Open-Air-Museum umgewandelt. Die Gruppe königlicher Granitsarkophage aus der Umgebung von Banehsis Grab ist bereits aufgestellt. Ein weiteres Highlight des Museums ist eine 4 m hohe Alabasterstatue Ramses' II., die zerbrochen im Hinterhof des Arab Constructor Hospitals gefunden worden war. Arbeiter hatten ahnungslos ihre Malerpinsel an dem antiken Meisterwerk abgewischt und gesäubert und die Statue blieb - bedeckt von Schmutz und Farbe - mehr als 14 Jahre unbemerkt an diesem Ort liegen. Nun steht sie am Eingang des neuen Museums. Das Areal wird gepflastert und es ist eine Straße geplant, die die Touristen von der Ramses-Statue über das Banehsi-Grab in Richtung Jungfrauenbaum bringen wird. Die Route endet am Obelisken. Die Museumsstücke, diverse Opfertische, Statuen, Fragmente eines Obelisken von Thutmosis II., inschriftlich usurpiert von Ramses II, Objekte mit den Namen Amenophis' II., Thutmosis' IV und Amenophis' III, werden zur Ausstellung vorbereitet. Der ursprünglich zur Befestigung des Geländes angelegte Garten wird entfernt, da die Feuchtigkeit durch dessen Bewässerung die Stücke wieder schädigen würde. "Jede Statue wird auf eine Basis mit Beschriftung gestellt", sagt Hawass. "Die Ausgrabungen werden fortgesetzt werden und wir sind sicher, dass noch mehr Monumente freigelegt werden. Auch diese werden dann behandelt und im neuen Museum ausgestellt werden". Arbeiter und Restauratoren schwirren herum, fegen Sand von den Objekten, reinigen Grabwände und positionieren Artefakte für deren Ausstellung. "Es werden keine Mühen gescheut, dieses pharaonisch-graeco-romanische Museum fertigzustellen. Es wird ein Vergnügen werden, es zu besuchen", verspricht Kultur-Minister Farouk Hosni.

Quellen (englisch)
http://www.sis.gov.eg/online/html7/o130522d.htm
http://www.antiquitynews.com/news/archives/000239.html
http://www.ahram.org.eg/weekly/2002/585/tr1.htm

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