Ägyptologie-Blatt

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KV5 und die Ramses-Söhne
Die zu Tage geförderten Skelettteile sollen nun wissenschaftlich untersucht werden
Von Gitta am 27.05.2002 um 00:02:39 

Die Archäologen sind auf gutem Wege, wenigsten einen der drei Schädel, die neben einem kompletten Skelett aus KV5 hervorgebracht wurden, zu identifizieren, die sie für die sterblichen Überreste von vier Ramses-Söhnen halten. An einem Schädel lässt sich eine vielleicht tödliche Wunde feststellen. Kent Weeks glaubt, dass der Schädel möglichweise Ramses zuzuordnen ist. Er war einer der zahlreichen Söhne von Ramses II. und Oberster Militärischer Wortführer unter dem großen Pharao. "Wir denken schon lange, dass die vier Schädel und die Skelettteile zu Ramses' II. Söhnen gehören. Es ist möglich, dass nun einer dieser Schädel eindeutiger identifiziert werden kann als der eines Sohnes, der auf dem Schlachtfeld getötet wurde. Wir wissen, dass er durch einen Schlag auf den Kopf getötet wurde. Logischerweise kann man daraus folgern, dass dies auf dem Schlachtfeld geschehen ist, nicht zuletzt auch wegen der Beschaffenheit der Wunde", sagt Weeks. Die vier Körper wurden aus einem Schacht in der Nähe des Einganges von KV5 geborgen. Das Grab selbst war schon 1799 von französischen Wissenschaftlern kartiert und später, 1835, noch einmal von viktorianischen Entdeckern besucht und als winzig und somit unwichtig eingeordnet worden. 1995 berichtete Kent Week, dass es mehr als 60 Kammern umfassen würde - alle gefüllt mit Geröll von Sturzbächen - und hieroglyphische Inschriften gefunden worden wären, die auf die Söhne von Ramses II. schließen lassen. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass das Grab mehr als 110 Kammern hat. "Wir haben einen weiteren Gang gefunden, der wiederum zu einem weiteren Korridor führt. Es ist also weiterhin alles offen, wieviele Kammern es tatsächlich sind", sagt Weeks.

Zum Fundort der Skelettteile meint Weeks: "Ich glaube, dass Räuber in das Grab einbrachen, kurz nachdem es geschlossen worden war. Sie gingen in den hinteren Teil, wo sich die Grabkammern befanden, trugen die Mumien in den vorderen Teil des Grabes und nahmen ihnen dort alles ab, was sie fanden: Amulette und Schmuck. Die Leichname ließen sie liegen. Während der folgenden 3000 Jahre spülten Sturzbäche große Mengen an Schutt in das Grab. Dabei wurden die Mumienreste teils in den Schacht gespült, teils tief in das Grab hinein. Wir haben bei tieferen Grabungen tatsächlich menschliche Überreste gefunden, die ohne weiteres zu denen im vorderen Schacht gehören könnten."

Das Grab hat bisher die Namen von zwei Söhnen zum Vorschein gebracht: den des Erstgeborenen Amenherchepesef und den von Ramses, dem Militärführer (Anm: diese sind inschriftlich an den Grabwänden nachgewiesen; ausserdem jedoch noch auf im Grab gefundenen Kanopenscherben die Namen von Sethos und Meriatum, siehe http://www.kv5.com/html/index_sons.html )

Kent Weeks hat bereits gemeinsamt mit Radiologen, Kieferorthopäden und Pathologen Schädelformen im Mumiensaal des Ägyptischen Museums untersucht. Im nächsten Schritt sollen die Schädel aus KV5 mit denen der Röntgenaufnahmen von Sethos I. und Merenptah, 13. Sohn und Nachfolger Ramses' II., verglichen werden. DNA-Proben sind leider ausgeschlossen. Aber Wissenschaftler und Archäologen glauben durch die Schädelvergleiche die genetische Verbindung zumindest statistisch annähernd bestimmen zu können.

Quelle (englisch)
http://www.guardian.co.uk/international/story/0,3604,718687,00.html

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