Ägyptologie-Blatt

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Funde bezeugen Seehandel zwischen Ägypten und Indien in römischer Zeit
Ergebnis von Grabungen in Berenike/Rotes Meer
Von Gitta am 16.06.2002 um 23:17:36 

Ägyptologen der Universität Californien fanden an der Ausgrabungsstätte Berenike, 160 km westlich des Aswan-Staudammes am Roten Meer gelegen, zahlreiche Überreste exotischer Fracht: Zum Beispiel Teakholz, das vermutlich für Schiffsrümpfe in Asien verwendet worden war. Nach dem Ausmustern der Schiffe wurde das Material von den Einwohnern Berenikes als Baumaterial recycelt. Es wurden auch fast 6 kg Pfeffer scheinbar gleicher Provinienz wie schon bei Ausgrabungen in Deutschland gefunden. Möglicherweise war Berenike im 1. Jh. ein Umschlagplatz für Gewürze. Weitere Funde: Segeltuch aus der Zeit zwischen 30 und 70 n.Chr., Körbe und Matten aus dem 1. Jh., indische Kokosnüssen und Batikstoff aus Indien. Auch exotische Edelsteine wie Safire waren dabei und Glasperlen aus Sri Lanka sowie Carneolperlen aus Indien. Ausserdem kamen drei Perlen zum Vorschein, die mit Ost-Java, Vietnam oder Thailand lokalisiert wurden. Es ist unwahrscheinlich, das von Berenike aus direkt mit diesen Ländern Handel getrieben worden war. Der Umschlagplatz für diese Güter konnte jedoch Indien gewesen sein. Da man auch auf Reste von Körnern und Tieren gestossen ist, die im südlichen Afrika heimisch sind, ist sogar eine Dreipunkt-Route möglich: Südafrika - Indien - Ägypten. Vor Berenike aus wurden die Waren dann auf Kamele oder Esel verfrachtet, um sie in Richtung Nil und dann weiter flussabwärts nach Alexandria zu schiffen, dem nächsten  Umschlagplatz für das restliche Europa. Hinweise auf derartige Handelswege finden sich in römischen Texten mit Hinweis darauf, dass der Seeweg nach Indien mindestens zwanzigmal billiger sei als der Landweg. Das Archäologenteam glaubt, dass Berenike der grösste und aktivste von insgesamt sechs Handelshäfen am Roten Meer gewesen ist, bis er merkwürdigerweise kurz nach 500 n.Chr. abrupt seine Bedeutung verlor.

Berenike galt lange Zeit als verschollen. Das Gebiet war bis etwa 1994 militärisch gesperrt. Erst mit zunehmender Erschließung der Küste für den Tourismus können nun auch die Archäologen dort ihre Arbeit verrichten.

Quellen (englisch)
http://www.popular-science.net/history/india_egypt_trade_route.html
http://www.cnn.com/2002/TECH/science/06/12/ancient.trade.ap/index.html

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