Ägyptologie-Blatt

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Freilegung der legendären Stadt On (Heliopolis) beschlossen
Ein ca. 227 km² großes Gelände soll für umfangreiche Grabungen vorbereitet werden
Von Gitta am 08.09.2002 um 15:50:18 

In einem nordöstlichen Aussenbezirk von Kairo erinnert ein Obelisk aus rotem Granit an die Stadt On, die sich vor fast 7000 Jahren hier an der Stelle befand, wo sich jetzt der moderne Ort Ain Shams (=arabisch "Auge der Sonne") und das angrenzende Matariya ausbreiten und unter denen vermutlich die Überreste von On zu finden sind. Archäologen erwarten, hier bald Ausgrabungen vornehmen zu können. "Es ist nur noch eine Frage von ein paar Monaten, bis dem SCA ein Stück ehemaliges Gefängnis-Farmland im westlichen Ain Shams überlassen wird, wo die Tempel von On bereits lokalisiert wurden", sagt Mohamed Abdel Geleel, Antikeninspektor für Kairo. Die Wissenschaftler hoffen auf dem ca. 227 km² großen Stück Land auf zahlreiche Funde von Tempelresten und Bibliotheken mit philosophischen, astronomischen und mathematischen Texten zu stoßen, wegen derer bereits antike Wissenschafter wie Aristoteles, Plato und Pythagoras den Ort besucht hatten. Nach den ältesten ägyptischen Glaubenszeugnissen müsste sich hier auch die Geburtsstätte der ägyptischen Kultur befinden. Historiker vermuten hier 7000 Jahre alte Siedlungsreste.

"Die Tempel könnten uns eine Menge erzählen über die Rolle von Heliopolis, wie die Griechen den Ort nannten, und seine Rolle im Laufe der verschiedenen Dynastien und Könige, die hier ihre Spuren hinterlassen haben", sagt Terek Sayid Tawfik, Dozent für Archäologie an der Universität Kairo. Tawfik meint, die unter Ain Shams vermuteten Tempel würden dazu beitragen, ein besseres Bild über die Zeiten der verschiedenen Dynastien zu liefern als die bereits im Osten Ain Shams' freigelegten Gräber, in denen nur das Leben des jeweiligen Verstorbenen aufgezeichnet ist.

Für Ausgräber ist es nicht immer leicht, Ausgrabungen inmitten von Hütten vorzunehmen, immer in der Angst, mit ihren Werkzeugen die Häuser und Läden zu unterhöhlen, in denen die meist armen Einwohnen leben und arbeiten. Sie vertrauen auf ein ägyptisches Gesetz, das besagt, dass - bevor mit dem Bau irgendwelcher Gebäude begonnen wird - zunächst die Antikenverwaltung prüfen muss, ob sich antike Artefakte im Boden befinden könnten. Dieses Gesetz hat allerdings zu einem ständigen Kampf zwischen den Einwohnern von Matariya bzw. Ain Shams und der Antikenbehörde geführt.

Hassan Abdoul Fetouh, einer der betroffenen Einwohner, hat den Bau eines Hauses auf seinem Land aufgegeben, nachdem Inspektoren im November ausgerechnet dort pharaonische Gräber geortet haben.  "Mir ist sehr an der Erhaltung der ägyptischen Antiquitäten gelegen und ich stelle mich nicht gegen das Gesetz. Aber es ist schon lange her, seit die Inspektoren die Gräber fanden, und ich bin kein Stück weiter gekommen", bermerkt Fetouh bitter. Er sagt, er bedaure nicht, die Antikenbehörde informiert zu haben, aber das lange Warten und der Ärger mit den ägyptischen Behörden hätten viele seiner Nachbarn zu illegalem Bauen veranlasst. Die Antikenbehörde plant die auf Fetouhs Land gefundenen Gräber an einem nahe gelegenen Platz wieder aufzubauen, das die Antikenbehörde in den späten 1980ern nach der Entdeckung eines Grabes beschlagnahmte. Dort sind seitdem diverse archäologische Schätze zum Vorschein gekommen, z.B. das Grab eines Priesters aus der 26. Dynastie.

Quelle
http://www.uk.sis.gov.eg/online/html7/o010922m.htm

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