Ägyptologie-Blatt

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Geheimnisse der Pyramiden noch lange nicht entschlüsselt
Archäologen streiten um die Entstehung der Cheops-Gänge. Wissenschaftler versuchen dem Geheimnis einer Pyramide in England auf die Spur zu kommen
Von Gitta am 06.10.2002 um 21:19:06 

Von Philipp Weis

Kairo/Avebury - Die verschiedenen Hohlräume und Türen, die Archäologen in den vergangenen Wochen mit Hilfe eines Roboters in der Cheopspyramide entdeckt haben, liefern neue Nahrung für Theorien und wissenschaftlichen Disput. So hält es der Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Kairo, Günter Dreyer, für ausgeschlossen, dass die von dem Roboter untersuchten Schächte der so genannten Königinnenkammer von den Bauherren der Pyramide nachträglich eingefügt wurden. Diese Theorie hat die ägyptische Altertümerverwaltung verbreitet.

Die drei Winkel und Kurven im Nordschacht, der genau wie der Südschacht nach 64 Metern von einem Steinblock mit zwei Kupfergriffen verschlossen wird, belegen nach Ansicht des ägyptischen Chefarchäologen Zahi Hawwas, dass die Bauherren nachträglich die große Galerie umgehen wollten, die zur höher gelegenen Grabkammer führt. Dreyer glaubt dagegen - bei allem Respekt vor den genialen Bauherren - nicht, dass man zu Zeiten des Pharao Cheops technisch schon so weit gewesen sein könnte, zwei mindestens 64 Meter lange aufsteigende Schächte in den Stein zu treiben, die nur einen Durchmesser von 20 mal 20 Zentimeter haben. "Ich bin sicher, dass die Schächte schon beim Bau eingeplant worden sind", so der DAI-Archäologe.

Auch glaubt Dreyer, dass die zwei vermeintlichen Kupfergriffe, die jeweils auf den beiden Verschluss-Steinen im Nord- und Südschacht angebracht sind, in Wirklichkeit keine Griffe darstellen, wie dies von einigen Archäologen behauptet wird, sondern dass daran einst symbolische Werkzeuge befestigt waren. So sei in einem der Schächte ein Kupferstück gefunden worden, das zu einem "Mundöffner" gehöre. Dieser diente in der Vorstellung der alten Ägypter dazu, dem toten König - seiner Mumie oder einer ihn darstellenden Statue - damit nach dem Tod den Mund zu öffnen, damit er wieder "atmen" und ins Jenseits aufsteigen kann.

Hawwas meint dagegen, dass die beiden Kupferstifte möglicherweise Schlangen darstellten, die Türen "bewachten", die der König auf seinem Weg zum Himmel öffnen sollte.

Pyramiden oder pyramidenähnliche Bauten mit einstiger Funktion als Kultstätte stehen indes nicht nur in Ägypten, und nicht nur dort wird ihr Innenleben erforscht. So versuchen Archäologen auch dem Geheimnis des pyramidenartigen prähistorischen Erdhügels Silbury Hill auf die Spur zu kommen. Rund 40 Meter ragt er als konischer, nach oben abflachender Hügel aus der Wiesenlandschaft der südenglischen Grafschaft Wiltshire. An sich nichts Besonderes - wäre er nicht vor vier bis fünf Jahrtausenden von Menschenhand errichtet worden und läge er nicht in Nachbarschaft zu den Steinkreisen von Stonehenge.

Grabstätte, Zeremonienhügel oder doch nur eine jungsteinzeitliche Müllkippe? Seit Mitte des 18. Jahrhunderts haben Forscher immer neue Schächte und Tunnels in das Monument getrieben. Zwar fand man keine Artefakte, die auf den Sinn des Bauwerks hinweisen könnten, doch gewann man Aufschlüsse über seine Bauweise. Unter dem runden Grashügel verbirgt sich eine Art terrassenförmige Pyramide, die in schätzungsweise drei Millionen Mannstunden aus Kalk, Ton und Torf erbaut wurde.

Ende vergangenen Jahres brach einer dieser nur notdürftig wieder verschlossenen Schächte ein und zwang den Denkmalschutz "English Heritage" zum Handeln. Bevor jedoch mit Reparaturarbeiten begonnen werden kann, wird derzeit die Stabilität des Hügels berechnet - und vielleicht auch sein Geheimnis gelüftet. Das erste von drei Teams erzeugte ein genaues topographisches Abbild, um die oberflächlichen Veränderungen des Hügels den verschiedenen Jahrhunderten zuzuordnen. Ein weiteres Team teufte an den Flanken Bohrlöcher ab, um seismische Profile zu "schießen" und so in sein Inneres schauen zu können. Eine dritte Gruppe untersuchte die von der Bohrung freigelegten archäologischen Funde.

Der Fund eines Geweihs wurde mittlerweile auf ungefähr 2500 vor Christus datiert. Die Archäologen gehen davon aus, dass es als Werkzeug zum Bau der kalkgestützten Terrassen benutzt wurde und somit auch das Bildungsalter des Hügels wiedergibt.

Die Oberflächendaten verrieten, dass es sich bei diesen Terrassen genau genommen um eine Art Rampe handelt, die sich spiralförmig zum Gipfel hinaufschlängelt. Dabei könnte es sich natürlich einfach um eine Baurampe handeln. Die Forscher vermuten jedoch, dass sie zeremoniellen Zwecken diente, möglicherweise als Prozessionsweg. Allerdings ist auch hier nicht ganz klar, ob die Spirale ursprünglich so angelegt oder nachträglich hineingeschlagen wurde. Ein paar zusätzliche in den Hügel geschnittene Plattformen konnten sie der Zeit der römischen Belagerung zuordnen. Sie dienten möglicherweise als Stellflächen, etwa für Altäre und Monumente.

Die neueste Entdeckung machten jetzt die Seismologen. Sie erkannten im Inneren des Monuments Bereiche höherer und niedrigerer Dichte. Das könnte mit der Baukonstruktion zusammenhängen, die lockeren Bereiche könnten jedoch auch eingestürzte Hohlräume sein. Das nährt nun wieder den Glauben an die überlieferte Legende, Silbury Hill sei die Ruhestätte des Königs Sil, der hier mit Ross und Harnisch begraben wurde. Vielleicht sollte man auch hier einmal kleine Roboter hineinschicken und ihn - wie in der Cheopspyramide - von Hohlraum zu Hohlraum Klinken putzen lassen.

Quelle
http://www.welt.de/daten/2002/10/01/1001ws359663.htx

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