Ägyptologie-Blatt

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Die verschwundenen Sonnentempel
Miroslav Verner auf der Suche nach den Sonnenheiligtümern der 5. Dynastie
Von Gitta am 19.01.2003 um 23:30:27 

In einer Präsentation an der American University in Kairo berichete Miroslav Verner, dass er und sein Team sich im Moment auf die großen markanten Monemente der Sonnenheiligtümer konzentriert, die die Könige der 5. Dynastie (2494 -2345 v.Chr.) errichten ließen. "Ihr Grundriss (Hauptstruktur, Aufweg und Taltempel) zeigen die gleichen Gemeinsamkeiten wie die Pyramidenkomplexe, so dass man annehmen kann, es gab ein generelles architektonisches Konzept." sagt Verner "Seit 40 Jahren unternehmen wir Ausgrabungen in Abu Sir und unsere Untersuchungen zeigen, dass die Geschichte dieser Nekropole länger ist als bisher angenommen. Eigentlich werfen unsere Entdeckungen mehr Fragen auf als dass sie befriedigenden Antworten gäben."

Obwohl die Pyramiden der 5. Dynastie von der Größe und Bauart her gegenüber denen der 4. Dynastie eher untergeordnet zu klassifizieren sind,  ihre Sonnentempel waren von größtem handwerklichen Können geprägt. Es sieht so aus, als seien die Erfahrungen mit dem Bau der großen Pyramiden nun in die Errichtung der Sonnenheiligtümer geflossen. Diese trugen Namen wie "Freude des Re", "Horizont des Re" oder "Feld des Re" und befinden sich auf der Westseite des Nil mitten in der Nekropole Giza/Memphis und korrespondieren mit dem Totenkult und der Jenseitswelt. Ihre Dekoration drückt den Einfluss des Sonnengottes aus, besonders in Verbindung mit rituellen Festen, wie dem Sed-Fest.

Leider sind bisher nur zwei von den sechs Sonnenheiligtümern aufgefunden worden, von denen die Abu-Sir-Papyri berichten. "Es gibt große Lücken in unserem Wissen", sagt Verner "Wir müssen warten, bis mehr Belege ans Licht kommen. Und wir hoffen, das werden die vier verschollenen Sonnentempel sein." Von den beiden bisher aufgefundenen Tempel des Userkaf und des Niuserre ist letzterer mit großartigen Reliefs geschmückt, z.B. Szenen der Flora und Fauna aus den drei ägyptischen Jahreszeiten.

Die Frage, warum man in der 5. Dynastie dazu überging, Sonnenheiligtümer zu errichten, ist noch nicht endgültig geklärt. Man vermutet, dass das Hauptheiligtum des Re in Heliopolis etwa zur gleichen Zeit gebaut wurde und sieht hier Zusammenhänge. Die Könige der 5. Dynastie erbauten die Pyramiden mit dem Totentempel für sich selbst, die Sonnentempel jedoch zur Verehrung des Re. Anscheinend fand eine Reorganisation des Königskults statt, wie auch nach den Tempelarchiven, die Mitte der 80er im Tempel des Niuserre gefunden wurden, anklingt. Die Archive (2000 Teile) und einzelne Funde in der Nachbarschaft des Tempel sind reich an Informationen: Stattsarchive, Register, königliche Erlasse, Instruktionen, Briefe, Kalender für religiöse Opfer, Lieferungen zwischen Sonnentempel, Palast und Totoenkomplex.

Userkaf war der erste König, der einen Sonnentempel in Aubsir, rund drei km nördlich von seiner Pyramide in Sakkara, in Auftrag gab. Weshalb dieser Platz gewählt wurde, ist noch unklar, jedoch folgten ihm spätere Regenten, indem sich ebendort Grabkomplexe und Sonnentempel bauen ließen.

Um die verschollenen vier Tempel zu finden, könnte man dem Vorschlag von Werner Kaiser folgen, der meint, es wäre der direkte visuelle Kontakt zwischen Abusir und Heliopolis, der zu diesem Standort führte.  Unterstützt wird diese These von dem britischen Archäologen David Geoffreys, südlich von Abusir würde diese Linie unterbrochen durch die Hügel von Moqattam. Wenn man also irgendwo suchen sollte, dann zwischen Abusir und Giza. Ein interessantes Konzept, das möglicherweise in den kommenden Jahren zum Erfolg führt.

Quelle
http://weekly.ahram.org.eg/2003/619/he1.htm

Der Sonnentempel des Niuserre

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