Ägyptologie-Blatt

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"Gold an Stelle von Kichererbsen"
Spiegel-Interview mit Günter Dreyer, DAI Kairo, zum "Schatzfund" von Abydos
Von Gitta am 09.06.2003 um 00:57:45 

Günter Dreyer, Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo, über einen jetzt entdeckten, vermutlich rund 3000 Jahre alten Goldschatz

SPIEGEL: Wo haben Sie Ihre Entdeckung gemacht?

Dreyer: In der Pharaonenstadt Abydos stießen wir in einer Sandgrube auf zwei etwa 40 Zentimeter hohe Tongefäße. In ihnen fanden wir Hunderte von kleinen Plättchen: schön glatt poliert, aus dunkelblauem Lapislazuli bester Qualität - insgesamt sechseinhalb Kilogramm. Zudem fanden wir etwa 700 Gramm zerknüllte Goldbleche.

SPIEGEL: Was schließen Sie daraus?

Dreyer: Vermutlich wurde das Gold von einem Sarg abgerissen, der damit bekleidet war. Die Lapislazuliplättchen gehörten auch zur Dekoration.

SPIEGEL: Wer hat die Verzierung abgenommen?

Dreyer: Vielleicht waren es Grabräuber, die auf dem Friedhof von den Priestern ertappt wurden. Die Goldbleche ließen sie auf der Flucht zurück. Die Nekropolenverwaltung hat die Diebesbeute geborgen und dem Totengott Osiris als Opfergabe dargebracht.

SPIEGEL: Das klingt ja wie ein Krimi.

Dreyer: Ungewöhnlich ist auch, dass das Gold Osiris dargebracht wurde. Normalerweise sind solche Opferkrüge leer oder enthalten nur Kichererbsen.

SPIEGEL: Die ägyptischen Behörden haben Ihnen den Schatz sofort weggenommen. Können Sie ihn untersuchen?

Dreyer: Unser Goldfund wurde unter strikter Bewachung registriert, gewogen, versiegelt und dann abtransportiert. Ich gehe aber davon aus, dass wir den Schatz später studieren dürfen.

Quelle
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,251298,00.html

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