Ägyptologie-Blatt

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Die Gräber der Pyramidenbauer
Leben und Sterben im Alten Reich
Von Gitta am 09.07.2003 um 23:41:52 

Kürzlich wurden in Giza, südöstlich des Sphinx und südlich von Heit el-Ghorab (der "Krähenmauer"), wieder neue Gräber freigelegt. Es wurden 15 Gräber von Arbeitern gefunden, die einst für den Transport von Steinen eingesetzt waren. Die Gräber wurden aus Lehmziegeln errichtet, einige in Form einer Pyramide. Die Skelette lagen unterhalb der Ziegelaufbauten. Die Gräber verraten viel über das Leben und Sterben im Alten Reich, ebenso wie die königlichen und die Noblen-Begräbnisse nördlich der "Krähenmauer" und im Umkreis der Pyramiden.

Neben Lehmziegeln wurden auch Bruchstücke von Kalkstein, Basalt und Granit zum Grabbau verwendet, Restmaterialien vom Pyramidenbau. Gefunden wurden Gräber mit langen gewölbten Kammern mit zwei Scheintüren, durch die den Verstorbenen die Kommunikation mit den Lebenden und die Entgegennahme der Opfergaben ermöglicht werden sollte.

Anhand der Skelette lässt sich auch viel über die Lebensweise der Menschen sagen. Immerhin repräsentieren sie 80 % der Bevölkerung; Könige, Königinnen und Beamte dagegen nur 20 %. So konnte herausgefunden werden, dass die Anzahl von Männern und Frauen etwa gleich war, meist bestattet in Fötalhaltung, das Gesicht nach Osten gewandt, mit dem Kopf nach Norden. Viele der Männer starben im Alter zwischen 30 und 36 Jahren. Frauen starben häufig, ehe sie das 30. Lebensjahr erreicht hatten, ein Wert der zweifellos mit der hohen Sterberate im Kindbett zusammenhängt. Im Verhältnis dazu waren Frauen der Oberklasse, die ihre letzte Ruhestätte auf dem großen Mastaba-Friedhof westlich der Cheops-Pyramide fanden, scheinbar von besserer Gesundheit als Frauen der Künstler- und Arbeitergemeinschaft. Sie wurden etwa fünf bis zehn Jahre älter. Frauen der Unterklasse litten häufig an degenerativer Arthritis des Rückgrats, teilweise auch im Bereich der Lendenwirbel und der Knie. Diese Leiden wurden hier häufiger angetroffen als an den Skeletten vom Mastaba-Friedhof. Die Skelette der Männer und Frauen der Unterklasse zeigten Spuren schwerer Arbeit, während Einfach- und Mehrfach-Knochenbrüche in beiden Klassen vorgefunden wurden. Am häufigsten sind Brüche des Ellbogens, der Unterarmknochen, des Wadenbeins und - schlimmer noch - beider Unterschenkel. Die meisten der Brüche sind komplett verheilt; die gebrochenen Knochen wurden scheinbar mit Splinten fixiert. An zwei Männern wurden offensichtlich Amputationen vorgenommen, einmal das linke Bein und einmal der rechte Arm. Die gut verheilten Knochenstümpfe sprechen für erfolgreiche Operationen.

Sowohl die Gräber als auch die medizinische Behandlune widersprechen der von Herodot überlieferten Geschichte von Pyramiden bauenden Sklaven, ein Szenario, das vom biblischen Exodus noch unterstützt und von Hollywood auf die Leinwand gebracht wurde.

Tatsächlich handelte es sich bei den Pyramidenarbeitern nicht um Sklaven, sondern um Fellachen, die rotierend zeitweilig zur Arbeit herangezogen wurden, um unter der Aufsicht von versierten Künstlern und Handwerkern am Bau der Pyramiden mitzuwirken. Aber sie bauten nicht nur die Pyramiden, sondern sie entwarfen und konstruierten auch ihre eigenen bescheidenen Gräber.

Quelle
http://www.uk.sis.gov.eg/online/html9/o070723m.htm

Anmerkung
Der obige Egypt-Online-Artikel vom 07.07.2003 bringt keine wirklichen Neuigkeiten, jedoch ist diese Zusammenfassung der jüngsten Erkenntnisse m.E. durchaus lesenswert.

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