Ägyptologie-Blatt

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Nefertari-Statue in Bubastis wird "entsalzt"
Helmut Schulze legt nicht nur den Bremer Rathaussäulen rettende Kompressen auf
Von Gitta am 31.07.2003 um 10:54:36 

Von unserer Redakteurin
Erika Thies

Im September wird er in Ägypten der Frau des Pharao Ramses II. seine Kompressen auflegen. „Die Dame ist 3420 Jahre alt“, erläutert Helmut Schulze, und in ihren Monument stecke zu viel Chlorid. Momentan aber kümmert er sich – unter anderem – um die Sandsteinsäulen des Bremer Rathauses. Sie werden, wie es gängig heißt, „entsalzt“.
Korrekter, so stellt der Experte aus Cottbus klar, wäre es allerdings, nur von einer „Salzminimierung“ zu sprechen, denn: „Hundertprozentig raus kriegt man’s nicht und will’s ja auch gar nicht.“ Die Salzminimierung geschieht im Auftrag des Bamberger Unternehmens Bauer-Bornemann, von dem das Bremer Rathaus derzeit äußerlich wieder instand gesetzt wird.
Bei einem eintägigen Bremen-Besuch nahm Helmut Schulze jetzt an jeder zweiten der zwölf Rathaussäulen von den Kompressen eine Probe, um daheim in Cottbus untersuchen zu können, wie viel Salz im ersten Durchgang bereits entzogen werden konnte. Dass bei den Säulen ein zweiter Durchgang nötig sein wird, hat er aber irgendwie schon im Gefühl, und gern hätte er nicht nur in den unteren Bereichen, sondern auch noch weiter oben in den Säulen die Salze reduziert. Aber das war finanziell leider nicht mehr drin. Über viele Jahrzehnte hin sind immer mehr zerstörerische Salze in den Sandstein eingedrungen, vor allem durch die winterlichen Streudienste gegen Schnee und Eis.
Helmut Schulze, Jahrgang 1946, ist in Neuruppin geboren. Er lernte in Potsdam das Maurerhandwerk, besuchte in Chemnitz die Meisterschule. Vor zwei Jahren hat er sich in Cottbus selbstständig gemacht, mit der kleinen Firma „desalt innovation H. F. Schulze + Sohn“, einem in Deutschland vermutlich einzigartigen, kleinen Unternehmen. Der Sohn, der in Vaters Fußstapfen tritt, heißt Vico. Außerdem gibt es noch Elko, der Medizin an der Berliner Humboldt-Universität studiert.
„Zufälle bestimmen das Leben“, sagt Helmut Schulze. Der entscheidende Zufall seines Arbeitslebens war, dass er Mitte der 80er Jahre in eine Rettungsaktion einbezogen wurde: In der Berliner Marienkirche drohte der „Totentanz“ zu verfallen, ein Fresko aus dem Jahre 1417. Der wissenschaftliche Teil lag bei Dr. Peter Friese vom Zentralinstitut für physikalische Chemie an der Ostberliner Akademie der Wissenschaften, den handwerklichen Teil aber durfte Schulze übernehmen, und seitdem ließ die Salzminimierung ihn nicht mehr los.
Nach Ägypten, zur Statue der Gemahlin von Ramses II., holte ihn Dr. Tietze von der Universität Potsdam, der in Tellbasta die Ausgrabungen leitet. „Letztes Jahr“, sagt Schulze, „hab’ ich schon Proben geholt.“ Nun fliegt er, für zwei, drei Wochen, nochmal „mit dem Junior“ Vico hin. Der Frau des Pharao werden „im Prinzip die gleichen Kompressen“ aufgelegt werden wie den bremischen Rathaussäulen. Diese Kompressen, Anfang der 90er Jahre in München von den Doktoren Schuh und Ettl entwickelt, haben gegenüber dem vorher üblichen elektro-chemischen Verfahren ganz enorme Vorteile. „Völlig zerstörungsfrei für das Bauwerk, und umweltfreundlicher geht es nicht“, lobt Schulze.
Bremen kannte er schon, bevor er hier Hand an das Rathaus legen durfte. Als die Bremer Goldschlägerei vor 13 Jahren neu baute, war Schulze – im Auftrag des Architekturbüros Schröder – der Bauleiter und wohnte damals in Schwanewede bei seinem Vetter Horst. Vermutlich war es sein letztes Bauleiter-Intermezzo. Inzwischen scheint er fast pausenlos mit dem Salzminimieren beschäftigt zu sein. Dadurch kam er in Europa schon ziemlich weit herum. Zum Beispiel nach Österreich, nach Wien. Da hatte die Obeliskenanlage im Schönbrunner Schlosspark es ganz dringend nötig. Die Skulpturen am Kulturhistorischen Museum waren fast schwarz. Und die Gestalten am Palais-Café Ferstl sahen hinterher „dermaßensauber und ordentlich“ aus, dass Helmut und Vico Schulze selbst richtig staunten.
Dieser Mann, so scheint es, empfindet seinen Beruf fast als ein Geschenk. „Die ganze Geschichte ist wahnsinnig spannend“, schwärmt er und gibt zu: „Meine Frau sagt, ich bin mit’m Salz verheiratet.“

Quelle
http://www.bremer-nachrichten.de/bremen/fs_bn_bremen.html?id=205420

siehe auch Artikel vom November 2002 ff

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