Ägyptologie-Blatt

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Die Ständige Ägyptologenkonferenz 2003 in Basel
Ein Bericht von Daniela Rosenow, M.A.
Von Gitta am 19.08.2003 um 22:48:14 

Vom 11.-13.07.2003 fanden sich insgesamt circa 150 Ägyptologen in Basel ein, um dort an der jährlich stattfindenden Ständigen Ägyptologenkonferenz (SÄK) teilzunehmen. Diese durch das Ägyptologische Seminar der Universität Basel organisierte Konferenz stand unter dem Thema "km.t und misr" und bot somit die Möglichkeit, über die Schnittstelle zwischen Altem und Neuem in Bezug auf Ägypten zu diskutieren. Obwohl "km.t" und "misr" geographisch gesehen nahezu identisch sind, spiegeln sie doch ganz unterschiedliche kulturelle Realitäten wider und rufen oftmals Assoziationen hervor, die durchaus als problematisch oder gar konfliktträchtig zu bezeichnen sind.

Die insgesamt 22 Vorträge, die sich an dieser Problematik orientierten, fanden an einem Tag (12.07.) in zwei parallel laufenden Sektionen statt. Einen Hauptschwerpunkt bildeten Berichte über Ergebnisse aktueller Grabungen.

Die Eröffnung der SÄK am Freitag erfolgte durch Antonio Loprieno. Nach den Berichten aus den Institutionen und dem Vorstellen der neuen Regelungen des Antikendienstes durch Megdi el-Ghandour vom SCA folgte ein Einführungsvortrag zum Thema durch Michael D. Cooperson von der University of California, Los Angeles. Beim abendlichen Empfang mit dem Regierungspräsidenten des Kantons Basel im Antikenmuseum bot sich - in ausgesprochen angenehmen Ambiente bei Wein und kleinen Häppchen - die Möglichkeit zu anregenden Gesprächen mit Kollegen.

Am Samstag nun hatte man die Qual der Wahl, welchem vielversprechenden Vortrag man lauschen wollte. Wie bereits erwähnt, nutzten viele Archäologen die Möglichkeit, die neuesten Erkenntnisse ihrer Grabungen in Ägypten und im Sudan vorzustellen. Kai-Christian Bruhn vom Schweizerische Institut für ägyptische Bauforschung stellte die stadtarchäologischen Arbeiten im antiken Syene vor, während Vera Müller das Auditorium mit den kultischen Hinterlassenschaften vor dem Grab des Den in Umm el-Qa'ab vertraut machte. Einen Einblick in ihr Promotionsvorhaben und die aktuellen Arbeiten in Tuna el-Gebel gewährte Katrin Maurer mit einem Bericht über "Das Dekorationsprogramm der Paviankultstellen in der Tiernekropole von Tuna el-Gebel". Hochinteressant gestalteten sich auch die Vorträge von Dietrich Raue (DAI) und Manfred Bietak (ÖAI). Erstgenannter stellte dem Auditorium die neuesten Untersuchungsergebnisse zur Stadtentwicklung im 3. Jt.v.Chr. auf der Nilinsel Elephantine vor, während Manfred Bietak über die andauernden Grabungen im Palastbezirk der Thutmosidenzeit auf Ezbet Helmi bei Tell al Dab'a berichtete.

Zukunftsorientiert war der Vortrag Steffen Kirchners, der das Konzept der Virtuellen Realität in der Archäologie vorstellte. Die praktische Umsetzung dieser "Virtuellen Archäologie" wurde dann durch die Vorträge Eva Engels und Pawel Wolfs (DAI) mit einem Projektbericht "Antikes Niltal VR" greifbarer.

Neben diesen "herkömmlichen" Vorträgen fanden sich jedoch auch Beiträge, die die ausgetretenen Pfade der Ägyptologie verließen. Hier wären bspw. die Beiträge von Diana Wenzel "Von Alexandria nach Hollywood - Kleopatra im Film", Francis Breyer "Ägypten und Mesopotamien in der Oper" oder Christian Tietze, der Einblicke in die Problematik "Archäologie und Restaurierung" gewährte, zu erwähnen.

Parallel zu diesem Vortragsprogramm wurden die computergestützten Projekte "VR Virtuelles Niltal" und "Visualglyph" vorgestellt. Zudem präsentierten sich wie üblich die einschlägigen Fachverlage mit ihren Publikationen. Bei der abends stattfindenden Podiumsdiskussion, die durch Antonio Loprieno moderiert und durch Heike Behlmer, Stephan Seidlmayer, Manfred Bietak, Ulrich Rudolph und Udo Steinbach bestritten wurde, kamen diverse Aspekte des Verhältnisses zwischen dem Alten und dem modernen Ägypten zur Sprache, die durchaus kontrovers diskutiert wurden.

Die abschließende Plenumsdiskussion am Sonntag, die unter dem Motto "Ägyptologie in der deutschsprachigen Wissenschaftspolitik" stand, befaßte sich nun gleich mit zwei wichtigen Neuerungen, die bereits in der nahen Zukunft auch die Ägyptologie tangieren und bedeutungsschwere Veränderungen nach sich ziehen werden. 1.) Die Einführung des "Bachelor of Arts"- Abschlußes an europäischen Universitäten. 2.) Die spezifischen Probleme bestimmter Aspekte des neuen Hochschulrahmengesetzes. Nach einigen abschließenden Worten durch Antonio Loprieno, kam Ursula Verhoeven zu Wort, die den "Austragungsort" der SÄK 2004 - Mainz - bekanntgab. Den krönenden Abschluß dieser Veranstaltung bildete die spontane Dankesrede Erich Winters, der die hervorragende Organisation der Konferenz lobte, für die auch wir uns herzlich bedanken.

Daniela Rosenow, M.A.

Übersicht der Vorträge der SÄK

Quelle
http://www.aegypten-forum-berlin.de/npr_rosenow_basel.html

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