Ägyptologie-Blatt

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Balsam für die Ewigkeit
Tübinger Forscher ermitteln Bestandteile von Balsamierungssubstanzen
Von Gitta am 24.09.2003 um 21:24:08 

Von Uta Bilow

24. September 2003 Zu den herausragenden Kunstfertigkeiten der Ägypter zur Zeit der Pharaonen gehörte das Einbalsamieren. In rund dreitausend Jahren altägyptischer Hochkultur wurden Millionen Verstorbene auf diese Weise konserviert, und eine große Anzahl von Mumien ist bis heute erhalten geblieben. Über die Kunst des Balsamierens existieren zwar keine zeitgenössischen Aufzeichnungen. Aber nach und nach gelingt es den Wissenschaftlern, diese Vorgänge zu rekonstruieren. Die Mumien selbst betätigen sich dabei als Botschafter einer vergangenen Zeit. Mit modernen Verfahren hat man in Mumiengewebe bereits eine Vielzahl verschiedener Substanzen nachweisen können, die in Harzen und Holzteeren vorkommen. Unklar blieb hingegen, wie und woraus die alten Ägypter ihre Präparate hergestellt haben. Neue Erkenntnisse haben nun Tübinger und Münchner Forscher gewonnen.

Die Wissenschaftler untersuchten eine Substanz, die sich als Grabbeigabe der dreieinhalbtausend Jahre alten Mumie Saankh-Kare fand, eines Exponats des Metropolitan Museum in New York. Der braune, harzige Feststoff ist offenbar der Rückstand eines Präparates, das zur Konservierung des Verstorbenen verwendet wurde. Die Forscher um Ulrich Weser von der Universität Tübingen und Johann Koller vom Doerner-Institut in München identifizierten darin Phenole und Guajakole. Solche Substanzen entstehen beim Verschwelen von Nadelholz. Zudem fanden sich sogenannte Sesquiterpenoide, die darauf hinweisen, daß zur Herstellung des Präparates Zedernholz verwendet wurde. Die Forscher kommen daher zum Schluß, daß Saankh-Kare mit sogenanntem Cedrium einbalsamiert wurde, einem öligen Teer, der bei der Verschwelung von Zedernholz als erstes ausschmilzt ("Zeitschrift für Naturforschung", Bd. 58, S. 462). Diese Vermutung deckt sich mit Schilderungen von Plinius dem Älteren, der in seiner Naturgeschichte die Gewinnung von Cedrium beschreibt und erwähnt, daß es in Ägypten zur Einbalsamierung verwendet wird. Die dort nicht heimische Zeder wurde damals vermutlich aus dem Libanon eingeführt.

Teeröl lange gebräuchlich

Mehr als tausend Jahre später war Cedrium offenbar immer noch ein gebräuchliches Präparat zur Einbalsamierung. Denn bei der Untersuchung einer weiblichen Mumie, die aus dem vierten Jahrhundert vor Christus - der sogenannten ptolemäischen Periode - stammt, fanden die Forscher wiederum die typischen Inhaltsstoffe des Teeröls. Außerdem wurde die Verstorbene mit Pistazienharz behandelt. Dieses wurde jedoch nicht roh aufgetragen, sondern zuvor erhitzt. Das führte zu einer leicht veränderten Zusammensetzung. Entsprechende Rezepturen finden sich wiederum bei Plinius.

Mumien aus dem Alten Reich wurden hingegen mit anderen Balsamen konserviert. Die Forscher untersuchten die Mumie von Idu II., der vor mehr als 4000 Jahren lebte, sowie Knochenfragmente einer Mumie aus dem Naturhistorischen Museum in Wien, die ebenfalls aus dieser Epoche stammt. Im Gewebe von Idu II. läßt sich zwar Zedernöl nachweisen, aber es fehlen markante Bestandteile von Cedrium. Da die Mumie in einem Zedernholzsarg aufbewahrt wurde, kann man vermuten, daß das Öl aus dem Behältnis in den Leichnam diffundiert ist. Der Körper von Idu II. wurde offenbar mit einem speziellen Kiefernholzteer behandelt, dem sogenannten Brutischen Pech, dessen Herstellungsprozeß Plinius ebenfalls schildert: Man läßt Kiefernholz verschwelen, wobei zunächst Cedrium austritt. Bei stärkerem Erhitzen fließt dann eine zweite Fraktion aus, die sich zu Brutischem Pech verfestigt.

Von den Römern beschrieben

Die Knochenfragmente aus Wien sind ebenfalls mit einem Kiefernprodukt konserviert. Zur Herstellung dieses Balsams wurde zähflüssiges Kiefernharz offenbar nur so weit erhitzt, daß die flüchtigen Anteile verdampften. Diesen Rückstand beschreibt Plinius in seiner Naturgeschichte als Crapula.

Allen verwendeten Holzteeren ist gemein, daß sie die Toten fast gänzlich vor der Verwesung bewahren konnten. Die verschiedenen Inhaltsstoffe der Präparate wirken gegen Mikroben, Pilze und Würmer. Besonders dem Guajakol kommt dabei große Bedeutung zu. Das hat die Arbeitsgruppe von Ulrich Weser bei der "Einbalsamierung" von Schweinerippen herausgefunden. Die Proben wurden mit vier verschiedenen Substanzen behandelt, die in Cedrium oder Kiefernholz enthalten sind. Nach einer Wartezeit von 35 Tagen ermittelten die Forscher die Aktivität eines speziellen Knochenenzyms, der alkalischen Phosphatase. Dieses Enzym ist in altägyptischen Mumien verblüffend gut erhalten. Bei den Schweineknochen zeigte sich, daß Guajakol das Enzym besonders gut zu konservieren vermag. Ohne Einblicke in die molekularen Zusammenhänge haben die alten Ägypter offenbar rein durch Empirie optimale Mumienbalsame entwickelt.

Quelle

FAZ-Net

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Kommentare zu diesem Artikel
Ab E-Mail28.09.2003 um 19:23:26
Sehr gute und genaue Informationen. Die kann ich sehr gut für mein Referat in Geschichte " Hochkulturen " gebrauchen.

Gitta E-Mail28.09.2003 um 21:31:51
Freut mich. Dann hat dieser Beitrag ja schon mal einen sinnvollen Zweck erfüllt



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