Ägyptologie-Blatt

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Grab des Amenhotep III im West-Valley
Aktueller Stand der Restauration
Von Iufaa am 09.02.2004 um 20:45:35 

Anbei ein ausführlicher Artikel bzgl. Aktivitäten im Grabe des Amenhotep III. erschienen in "Al-Ahram Weekly" -> 2. Stufe der Restaurierung

Ich habe den englischen Artikel - in einigen Stellen sinngemäß - übersetzt:

In einem Tal auf der West-Bank von Luxors, genau an der Biegung, die dem Tal der Könige gegenüberliegt, liegt der letzte Ruheplatz von Amenhotep III, einem der größten Pharaonen Ägyptens. Das große, in den Fels gehauene Grab wurde von seinen königlichen Verwandten mit einer Innenarchitektur und einer Dekoration errichtet, die von der seiner Vorgänger abwich.

Die Herrschaft von Amenhotep III war friedlich und prosperierend. Seine Ära war eine der künstlerischten Perioden im alten Ägypten. Er war der Pharao, der die Früchte aus den Eroberungen seiner Vorgänger erntete, und Theben war auf dem Höhepunkt seines Ruhmes während seiner 36-jährigen Regierung, die von 1412 bis 1376 v. Chr. dauerte. Sein Grab war eines der größten im Tal der Könige, und eine Ansammlung von Gründungsdepots, die rituell außerhalb des Eingangs anlässlich seiner Beerdigung eingerichtet wurden, entdeckte Howard Carter bereits 1915. Davor, 1912, hatte ein Antiquitäten-Händler Carter drei Schmuckplatten aus Stein verkauft, die zu einem Armreifen gehörten, und die mit den Namen von Amenhotep III und von seiner Hauptgemahlin, Königin Tiye, trugen. Diese hatten sein Interesse am Grab geweckt, und bei der Freilegung eines tiefen Brunnenschachtes innerhalb des Grabes entdeckte er eine 4. Schmuckplatte sowie eine feine Nabe vom Rad eines Streitwagens. Beim Ausräumen der Mündung eines Wasserlaufes unterhalb des Grabeinganges fand Carter ein Ushebti der Königin Tiye, ohne Beine, sowie Fragmente aus Faience, Glas, fünf intakte und ein geplündertes Gründungsdepot aus der Zeit, als mit der Arbeit am Grabe begonnen wurde - das war während der Herrschaft von Thutmosis IV. Er fand auch innerhalb der Grabkammer ein Fragment des Kanopen-Kastens von Amenhotep aus Calcit. Aber Carter kam nie zurück. Er war zu sehr besessen, das Grab des Tutankhamun zu finden, und das Grab von Amenhotep verblieb für lange Zeit in einem traurigen Zustand des Verfalls.
Ende des Jahres 1980 begann sich die Waseda-Universität aus Japan für das herrliche Grab zu interessieren. Sie begannen es vor der Wiederherstellung und Erhaltung auszugraben und zu dokumentieren, aber die Aufgabe war nicht ganz einfach. Diese war vor allem deshalb groß, weil lange vor Carter, im August 1799, zwei Ingenieure von Napoleons wissenschaftlicher Expedition in das Grab "gestolpert" waren, Prosper Jollois und Edouand de Villiers Du Terrage. Sie machten einen Plan des Grabes und Skizzen von den Gegenständen, die sie entdeckten. "Diese Erforschung war eher schädlich als vorteilhaft für das Grab, um es zu konservieren und es genau auszugraben," erklärte Mohamed El-Beyali, Generaldirektor der Altertumsbehörde (SCA), Al-Ahram Weekly. Danach wurde es von jedermann "besichtigt" der vorbei überkam und mehrmals ausgiebig geplündert. Reisende des 19. Jahrhunderts hatten sich den Weg in das noch teilweise mit Schutt gefüllte Grab gebahnt, wobei sie die Wände beschädigten. Schlimmer noch, sie nahmen zahlreiche kleine Gegenständen als Andenken ihres Besuches mit. Einige gingen sogar soweit, Teile der schön gemalten Wanddekorationen im Grab ausschneiden, darunter, so Beyali, ein feines gemaltes Portrait von Amenhotep III, das nun im Louvre in Paris ausgestellt wird, während ein abgebrochenes Bein eines Ushebtis seiner geliebten Frau und Königin Tiye heute in der Bibliotéque Nationalen de France ausgestellt wird. Andere Grabbeigaben tauchten regelmäßig auf den Antiquitätenmärkten auf.

Das archäologische Team vom Waseda begann mit Reinigung und Ausgrabung dessen, was nach der brutalen "Beraubung" des  Denkmales noch von der vorzüglichen Dekoration erhalten war. Bei diesem Prozeß lokalisierten sie sieben kleinere und unbeschriftete Gründungsdepots. Diese enthielten den Kopf und einige kleine Knochen eines Kalbs, fünf Miniaturgefäße aus Keramik, das Holzmodell eines wiegeartigen Geräts und einen aus Holz geschnitzten symbolischen Seilknotens, alles zusammen in einen Korb aus Rohr. Sie fanden auch mehrere hundert Fragmente des Materials, das bei der Grablegung verwendet wurde. Als sie das Grab inspizierten, erkannten sie, daß sie offenbar vor der Wiederherstellung eine Konsolidierung notwendig war, und daß das Salz, das durch die Wände gedrungen war, bei einigen der bemalten Relief die Ursache für deren Abbröckeln war. Die Säulen in den inneren Räumen zeigten ebenfalls Anzeichen einer Schädigung durch Salz.

Früh in der 18. Dynastie bestanden die königlichen Gräber aus einer Eingangstreppe, der eine Reihe von vier Gängen folgte, die durch Treppen oder schräge Rampen getrennt waren, und mit Biegungen und Kurven zu einer großen Pfeilerhalle und in den Grabraum führten. Das Grab Amenhoteps passt nicht in die Tradition dieser Periode. Die Abweichungen bei dem Raum, der am Boden des Brunnenschachtes gegraben wurde, beim Flur, der zwischen Antichambre und Grabkammer geschnitten wurde, und bei den zwei Grabkammern mit Säulen, war so auffällig, dass sie zu der Vermutung führten, so Zahi Hawass, Generalsekretär des SCA, dass diese für seine Frau und Königin Tiye und seine Tochter, Prinzessin Sitamun, vorgesehen waren.

Das Grab ist verhältnismäßig groß. Nach dem Eingang und einer Reihe von Treppen und Fluren folgt ein Brunnenschacht, danach kommt eine kleine Halle mit zwei Pfeilern und dann eine weitere Treppe. Auf diese folgt ein Flur, der zur Antichambre führt und weiter zu einer großen Halle mit sechs Pfeilern in zwei Reihen. Zwischen den letzten zwei Säulen führt eine kurze Treppe zur eigentlichen Grabkammer. Hier wurde der Sarkophag von Amenhotep III gefunden.

Zu den irregulären Eigenschaften dieses Grabs gehört, daß es zwei Räume gibt, jeder mit zwei Pfeilern und einem Lagerraum, die von der Grabkammer des Königs abgehen.  Carter und das japanische Team fanden in ihnen Gegenstände, die vermuten lassen, dass sie für die Beerdigungen der Königin Tiye und Prinzessin Sitamun, die später seine Frau geworden war, vorgesehen gewesen sein könnten. Ähnliches lässt sich in seinem Palast finden, in dem Amenhotep III anscheinend mehrere  Räume zwischen seinen eigenen und denen von Tiye hineingequetscht hatte.

Das Waseda Team beendete seinen Untersuchungen und entschloss sich für ein Restaurierungsprogramm. Sie begannen die erste Phase der Restaurierung 2003 unter Aufsicht von UNESCO-Experten und in Zusammenarbeit mit italienischen Kollegen an, die an der Erforschung und Restauration des Grabes der schönen Königin Nefertari im Tal der Königinnen beteiligt gewesen waren. Sabri Abdel-Aziz, Direktor der ägyptischen Altertumsabteilung (SCA) in Luxor, sagte, daß das Projekt durch die japanische Regierung mit ca. $1.000.000 gefördert wurde. Die erste Phase ist jetzt beendet, die zweite und an dritte Phase wird unverzüglich folgen.

"Das Projekt benötigt ein weiteres Jahr für die Restaurierung, um das Grab zu konsolidieren und um Sprünge in allen Wänden entsprechend der neuesten Technologie auszubessern," sagte Abdel-Aziz. "Danach erst wird die Aufmerksamkeit den feinen gemalten Reliefs des Grabes gelten, die nie gesäubert worden sind."

El-Beyali erklärte gegenüber Al-Ahram Weekly, daß das abgebrochene Bein eines Ushabti der Königin Tiye, welches Carter in einem dieser Räume fand, bis jetzt Ägyptologen irritiert hatte. Entsprechend der altägyptischen Praxis würde eine Königin nicht zur gleichen Zeit wie der König begraben worden sein, und sobald ein Monarch, für den das Grab errichtet wurde, ordnungsgemäß begraben wurde, konnte das Grab nicht wieder geöffnet werden. "Wie konnte daher die defekte Statuette der Königin innerhalb des Raumes beigesetzt worden sein?" fragte El-Beyali.

Nicholas Reeves erwähnte, in seinem "The Complete Valley of the Kings", daß Carter , als er das Stück fand, glaubte, daß Königin Tiye mit ihrem Ehemann begraben worden war. Reeves jedoch bezweifelt diese Annahme; nach seiner Ansicht hat Amenhotep III geplant, dass seine beiden Königinnen, Tiye und Sitamun, mit ihm begraben würden und infolgedessen hatte er zwei Grabkammern für sie vorbereitet. Aber beide überlebten offensichtlich den Pharao, und da die Beerdigung von einer oder beiden zu einem späteren Zeitpunkt die Heiligkeit des Begräbnisses gestört und zu einer Zerstörung der Szene, die nach seiner Beerdigung über dem Eingang am Brunnenschacht gemalt worden war, geführt hätte, wurde eine alternative Bestattung für die Königinnen geplant worden sein.

Reeves sagt, dass nichts bekannt sei über die Beerdigung von Sitamun, die bald nach dem Tode von Amenhotep III verschwand. Aber Königin Tiye starb offenbar erst während der Herrschaft ihres Sohns Akhenaten, der sie mit einem vergoldeten Schrein (gefunden in KV55) und einen roten Granitsarkophag versah, von dem ein Fragment in einem königlichen Grab in Tell El-Amarna gefunden wurde.

Was die Angelegenheit weiter verwirrt ist, daß der Ushabti, der im Grab Amenhoteps gefunden wurde, mit dem Titeln der Tiye als die "große königliche Gemahlin" und "königliche Mutter" beschriftet war, was andeutet, daß er während der Herrschaft Akhenatens hergestellt worden war. Aber wie konnte Akhenaten Teile der Grabausstattung seiner Mutter für das Grab seines Vaters liefern? Reeves schließt daraus, daß die Anwesenheit des Ushebtis einfacher zu erklären sein würde, wenn Amenhotep III und sein Sohn gleichzeitig regiert hätten; er spekuliert, daß, wenn es keine Koregentschaft gegeben hätte, diese Figur nicht als Ushabti gedeutet werden dürfte, sondern als Votiv-Gabe der Königin anlässlich der Beerdigung ihres Ehemannes.

"Zu den eindrucksvollsten Motiven der Grabdekoration gehört die, die kurz vor dem Brunnenschacht gefunden wurde, und den Pharao mit dem königlichen Ka (Seele) vor den Göttinnen Hathor und Nut zeigt," sagt EL-Beyali. Auf den Wänden des Brunnenschachts führt Hathor eine Gruppe von Gottheiten, während Nut eine andere anführt. Hier wird der Eingang des verstorbenen Pharaos in das westliche Reich der Toten bildlich dargestellt. Auch im Brunnenschacht zeigt eine Szene, wie Hathor den Pharao und den Ka seines Vaters, Tuthmosis IV begrüßt.

Zusätzlich zu den formellen Dekorationen des Grabes, entdeckte das japanische Team interessante Graffiti zwischen dem Antichambre und dem Treppenhaus, das dorthin führt. Es steht geschrieben "Jahr 3, dritter Monat des Akhet (Jahreszeit), Tag 7". Obwohl die Bedeutung unklar ist, könnte dieses das Datum angeben, wann Amenhotep III in seinem Grabs bestattet worden ist. Wenn dies zutrifft, könnte diese Inschrift eines Tages von Bedeutung sein für eine mögliche (häufig noch diskutierte) Koregentschaf) mit seinem Sohn Akhenaten.

Keine Körper wurden in dem Grab gefunden. Die Mumie von Amenhotep III wurde von Victor Loret 1898 im Grab von Amenhotep II (KV35), zusammen mit einer Mumie gefunden, die jetzt für die seiner geliebten Königin Tiye gehalten.

Es ist in der Tat merkwürdig, daß dem Grab von Amenhotep III, dessen ruhige und wohlhabende Ära durch eine große Konjunktur im Bausektor gekennzeichnet wurde und das so viele herrliche Denkmäler hervorbrachte hat, bis vor kurzem keine angemessene professionelle Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Sein fabelhafter Palast bei Malkata auf der Necropolis war ein sehr großes Areal mit großer Audienzhalle, Aufmarschplätzen, Landhäusern für Beamte, Küchen, Büros, Werkstätten und Quartieren für Bedienstete. Bei Karnak setzte er einen neuen Baustil fort, einen sehr großen Pylon - einen gewaltigen Torturm aus Stein, der sich von der Unterseite einwärts neigend, und sein Sonnenhof im Luxor-Tempel ist eines von den großartigsten bestehenden Bauten, mit seinen sieben Säulenpaaren mit Kelchkapitallen und schweren Architraven. Amenhoteps Totentempel in der Necropolis wurde leider durch eine hohe Überschwemmung zerstört und seine Steine für neuere Denkmäler verwendet, aber dennoch stehen die massiven, traurig verwitterten Statuen, die als die Kolosse des Memnon bekannt sind, als eindrucksvolle Relikte für seine goldenen Ära.

Kultur-Minister Farouk Hosni sagt, daß die Herrschaft dieses Pharaos eine herrliche Entwicklung signalisierte und verweist besonders auf "das Austauchen solchen Details, wie drapierte Kleidung und bestimmte Eigenschaften, die die Amarna-Kunst, welche später während der Herrschaft seines Nachfolgers, Akhenaten, auftauchen sollten, vorschattierten."

Amenhotep starb am Alter von 50, in seinem 39jährigen Regierungsjahr an einer unbekannten Krankheit. Die Arbeit über sein Grab kann schon zur Verfügung zu vielen bis jetzt unbeantworteten Fragen Anhaltspunkte geben - oder sie kann weitere Überraschungen auf Lager haben.

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