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Detektivarbeit im Tal der Könige bei Luxor
Basler Ägyptologen erforschen Tonscherben und Steine
Von Gitta am 11.03.2004 um 23:13:22 

ber. Luxor, im März

Im Tal der Könige in Theben bei Luxor in Oberägypten herrscht während dieser milden Frühlingstage Hochbetrieb. In 64 tief in den Fels geschlagenen und fein ausgemalten Höhlen liegen hier die Pharaonen und einige Prinzen der 18. bis 20. Dynastie begraben. Die längsten Menschenschlangen bilden sich vor dem kleinsten, aber beliebtesten Grab, jenem des Königs Tutanchamun. Zu dem nur ein paar Schritte weiter östlich gelegenen Grab Nr. 18 verliert sich hingegen kaum je ein Tourist. Stille herrscht hier dennoch nicht, haben es doch mehrere Ägyptologen von der Universität Basel zum Forschungsobjekt und Arbeitsplatz erkoren. Obwohl das Grab Ramses' X. nie vollendet worden sei, sei es hochinteressant, sagt die Grabungsleiterin Elina Paulin-Grothe. Die einzige Dekoration des Grabes ist ein bemaltes Relief über dem Eingang; es wirkt stark beschädigt und kann kaum die Neugier der Ägyptologen geweckt haben. «Nein», meint Paulin, «es beschäftigt uns vielmehr in seiner Funktion als Schaltzentrale zur Zeit der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun.»

Antikes Notizmaterial

Das war im Jahre 1922. Der Engländer Howard Carter hatte Tutanchamuns letzte Ruhestätte nach 15 Jahren vergeblicher Suche unter dem Abraum des an einem Abhang gelegenen Grabes Ramses' VI. entdeckt. Er war fair genug, nur einen Blick in die übervollen Kammern zu werfen, diese dann wieder fest zu verschliessen und für die eigentliche Öffnung die Anreise seines Mäzens, Lord Carnavon, abzuwarten. Diese zog sich wegen der damals noch kaum entwickelten Reisemöglichkeiten eine Weile hin, welche Carter wiederum nutzte, um die Aufdeckung vorzubereiten. Das kahle Grab von Ramses X. wurde plötzlich ungemein wichtig. «Hier wurde der Generator installiert und wurden elektrische Leitungen gelegt», erklärt Paulin. «Nur mit Fackeln konnte ein reichhaltiger Grabschatz Tutanchamuns nicht geborgen und ausgewertet werden.»

Heute befinden sich hinter der von Carter eingebauten Holztüre ausser der «antiken» Stromanlage noch weitere, in rund 200 Kisten aus Palmholz gelagerte archäologische Kostbarkeiten. Die vorderen Behälter sind mit «Stoff», «Holz» und «Knochen» angeschrieben. Es handle sich dabei nicht um Funde aus dem Altertum, sondern aus der Zeit Carters, erläutert Paulin. Auch sie gäben Aufschluss über die Entdeckungsarbeit und müssten deshalb gesammelt, sortiert und ausgewertet werden. In den Kisten dahinter, welche sich bis ins Innere des Felsengrabes stapeln, befinden sich hingegen sogenannte Ostraka. Das griechische Wort für Tonscherben wird nicht nur für solche gebraucht, sondern auch für flache Kalksteine; alle dienten in der Antike aus Mangel an Papier zur Aufzeichnung von Notizen.

Informationen aus dem Alltag des Volkes

Die Basler Ägyptologen haben die Ostraka nicht im Grab selbst, sondern oberhalb davon gefunden. Dort habe offensichtlich eine kleine Arbeitersiedlung gelegen, erklärt der Ägyptologe Andreas Dorn. In einfachen Steinhütten hielten sich an Werktagen darin rund sechzig Männer auf; am Wochenende zogen sie in die nicht weit entfernte, besser ausgestattete Arbeiterstadt Deir al-Medina, wo auch ihre Familien waren. Die Ostraka lieferten viele neue Informationen über das bis anhin nur wenig bekannte Alltagsleben der pharaonischen Arbeiter. Auf manchen Scherben wurden mit schwarzer Farbe Quittungen für die wertvollen Meissel erstellt, welche die Arbeiter am Morgen holten und abends wieder zurückgeben mussten.

Dorn präsentiert den kostbarsten Fund der jetzigen Grabungssaison, ein Ostrakon mit der Bauskizze eines Grabes. Naiv gezogene Pinselstriche zeigen den Querschnitt einer langen Felsenhöhle sowie Strichmännchen, welche die Wände mit Göttern und Hieroglyphen bemalen. Für Sekunden steigt vor dem inneren Auge das Bild einer lärmigen, staubigen Baustelle auf, wo ununterbrochen gemeisselt und gehämmert wird und Männer Aushub in Körben aus den tiefen Felsengräbern tragen. Das Ostrakon aus der Arbeitersiedlung beweise, dass das Tal der Könige nicht erst jetzt laut und überfüllt sei, schliesst der Basler Ägyptologe.

Quelle
http://www.nzz.ch/2004/03/08/vm/page-article9EJVE.html
via
http://www.geocities.com/TimesSquare/Alley/4482/EEFNEWS.html

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Kommentare zu diesem Artikel
Jukka E-Mail31.10.2004 um 12:06:00
Onhan meillä sukulaisia kaikkiin lähtöihin!



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