Ägyptologie-Blatt

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Luxor: zwei Könige kehrten zurück
Augenzeugenbericht
Von Gitta am 18.03.2004 um 09:48:52 

Auf der bei Insidern bekannten und beliebten "Westbank-HP" befindet sich ein hervorragender Augenzeugenbericht über das Spektakel um den Transfer der beiden Mumien. Auch viele Fotos finden sich dort, von denen ich beispielhaft zwei übernommen habe:

Es war ein großer Tag für Luxor. Dienstag, 9. März 2004. Fernsehteams rollten an, Journalisten aus Ägypten und aus aller Welt - als Vertreter von Presse-Agenturen oder Zeitungen in Kairo stationiert - fielen ein. Ein großer Tag für Luxor - und doch ein PR-Flop.

Die Rede ist von der Rückkehr zweier Mumien. Da ist die Rede von Ahmose I. (ca. 1570 - 1546 v.Chr.). Ein König, der in Büchern über ägyptische Geschichte meist nur beiläufig als Vertreiber der Hyksos erwähnt wird. Dann ist die Rede von Ramses I. (ca. 1293 - 1291 v.Chr.), dem Begründer der Ramessiden-Dynastie. Beide sind die ersten königlichen Mumien, die in Luxor öffentlich zur Schau gestellt werden (voraussichtlich ab Anfang April im Luxor Museum zu sehen).

Es hätte wirklich ein großer Tag werden können. Nur leider wusste außer den geladenen Gästen niemand etwas davon. Zwar hingen am Tag selbst in einigen 5-Sterne-Hotels, in Deir el Medina und am Hatschepsut-Tempel Plakate mit der Aufschrift "9th of March: The Return of the Royal Mummies", aber wer kann damit schon etwas anfangen? Keine Zeit- oder Orts-Angaben, so ging es an den Touristen vorbei. Ein echter PR-Flop. Dabei war alles minutiös geplant.

 


Die  Mumie von Ramses I. wurde nahe dem Mubarak-Platz  auf eine weiße Kutsche im pharaonischen Stil verladen, es folgte die gemächliche Fahrt zum Karnak-Tempel. Dort warteten die Honoratioren wie Zahi Hawass, Chef der Antikenverwaltung, Sabri Abdel Aziz Khater, Direktor für die Abteilung Monumente, General Dessouki El Banna, Gouverneur von Luxor, Holeil Ghaly, Chef der Antikenverwaltung für Luxor und Oberägypten, usw. Für alles gab es einen Zeitplan. Und der wurde sogar (fast) eingehalten!

Vom Karnak-Tempel ging die Fahrt der Ramses-Mumie in ihrem mit der ägyptischen Flagge geschmückten Holz-Sarg dem alten Prozessions-Weg des Opet-Festes folgend hinunter zum Nil, wo eine Dahabeya wartete.



Mit der segelte Ramses dann zum Luxor Museum, wo vor dem Eingang schon eine gleiche Kiste mit Ahmose I. wartete. Während Ramses bis hierher nur von Polizisten, geladenen Gästen, Journalisten und Kindern begleitet worden war, bestaunten nun auch einige zufällig vorbeigekommene Touristen das Ereignis. Aber sie fragten ratlos: "Was geschieht denn hier?" Es war eben ein PR-Flop.

Dann wurden die Holzsärge in das Museum gebracht, in den neuen, noch nicht eröffneten Anbau. Hier wurde zuerst Ahmose  in einen Plexiglas-Schaukasten umgebettet, danach auch Ramses. "Das war wohl das wichtigste Ereignis seit der Eröffnung des Museums 1975", schwärmte Direktorin Sana Mohamed Ali.

Warum wurde nur Ramses durch die Stadt kutschiert? "Er kam schließlich aus den USA zurück, Ahmose war ja die ganze Zeit in Kairo", sagte Mohamed Assam Abdel Sabour, General-Direktor der Antikenverwaltung für Luxor und Oberägypten. Und er erklärte weiter: "Die Anwesenheit der Mumien ist wichtig, erhöht die Attraktivität des Luxor Museums." Ramses auf Irrwegen

Die Mumien von Ramses und Ahmose (sein Grab wohl in Dra Abu Naga wurde bisher nicht identifiziert) haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Etwa um 1000 v.Chr. wurden sie zusammen mit rund 40 anderen königlichen Mumien von Priestern in einem geheimen Schacht nahe dem Hatschepsut vor Grabräubern versteckt. Diesen Schacht entdeckte dann Mitte des 19. Jahrhunderts Ahmed Abdel Razul, begann Stücke daraus zu verkaufen. So auch um 1870 die Ramses-Mumie. Sie ging für sieben Ägyptische Pfund - damals das Jahresgehalt eines Staatsbeamten - an einen kanadischen  Arzt, kam später in das Niagara Falls Museum.

Das Museum wechselte häufig den Standort zwischen Kanada und den USA. Und lange war nicht klar, ob e sich tatsächlich um eine königliche Mumie handelte. Erst 1980 identifizierte der deutsche Ägyptologe Arne Eggebrecht sie als Ramses I.. allerdings ohne den letzten Beweis erbringen zu können.

1999 schloß das Niagara Falls Museum, die Mumie kam in das Michael C. Carlos Museum von Atlanta. Die Leitung entschloß sich dann, die Mumie an Ägypten zurück zu geben. 2003 kam Ramses nach Kairo, fand jetzt seine letzte Ruhestätte in Luxor.

Während in dem "Mumien-Versteck" in den westlichen Bergen von Luxor von Ramses nur der leere Sarg gefunden wurde, konnte die Mumie von Ahmose identifiziert werden, Sie wurde bisher im Ägyptischen Museum in Kairo aufbewahrt.

Auch wenn die Identität der Ramses-Mumie noch nicht endgültig geklärt ist, so ist Luxor nun doch um zwei Attraktionen reicher. Nur müssen das die Touristen auch wissen...

Quelle und Fotos
http://www.luxor-westbank.com/luxor/ramses.htm

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Kommentare zu diesem Artikel
Iufaa18.03.2004 um 10:44:22
Im letzten Heft der Göttinger Miszellen (GM 198, S. 55ff) berichtet R.L. Miller über "A radiocarbon dated Theban royal mummy from Niagara Falls (Museum)".
Nach diesen Untersuchungen, durchgeführt 1994, weist der Autor die Mumie Sheshonq I (ca. 924 v. Chr.) zu, schließt aber nicht aus, dass diese Mumie auch Ramses VII, VIII, X oder XI, ev. sogar Pedubast (ca. 783 v. Chr.) oder Iuput (ca. 804 v. Chr.) sein könnte.

Soviel zur Zuordnung und zu Radiocarbon-Datierungen

Gitta E-Mail18.03.2004 um 11:24:36
Ja - ich hab mich schief gelacht

Hatte bloß noch keine Zeit, hier darauf einzugehen

Y.Marie E-Mail02.04.2004 um 23:03:55
Aber wirklich!
Ich meine, dann kann er gleich sagen, es ist irgendein Pharao oder irgendjemand anders, der da begraben ist!





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