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Tourismus schädlich für ägyptische Monumente?
Ägyptische Verantwortliche sagen Zerstörung in 100 Jahren voraus
Von Gitta am 04.04.2004 um 00:53:23 

"In 100 Jahren werden unsere antiken Monumente kollabiert sein. Nicht durch ein Erdbeben, sondern durch den Tourismus." So eine Warnung von Zahi Hawass, Chef des SCA.

Unterstellt man täglich 500 Besucher im Grab des Tutanchamun, die alle jeweils 20 g Feuchtigkeit hinterlassen, dann würde - durch das Zusammenspiel von Feuchtigkeit und den im Stein vorhandenen Substanzen - das Grab im Laufe der nächsten 20 Jahre langsam zerstört. Basierend auf dieser Annahme würde die Große Pyramide nur noch 100 Jahre und der Sphinx noch 200 Jahre überdauern, sagte Hawass in einem Interview mit dem Wochenmagazin al-Musawwar.

Auf der anderen Seite ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequellen Ägyptens; 4 Mrd. US Dollar kommen auf diese Weise jährlich ins Land. Die antiken Stätten sind fester Bestandteil des Pauschaltourismus. Hätte der Tourismus überhaupt eine Zukunft ohne diese Attraktionen?

Die Unesco habe eine internationale Warnung herausgegeben, die besagt, dass die Monumente in Gefahr seien, sagte Hawass, "Unsere Antiquitäten sind einzigartig und waren einst durch äussere Einflüsse nicht gefährdet. Und die ägyptische Tourismusbranche ist mehr am Geldverdienen interessiert als am Schutz des Umfeldes der antiken Stätten. Nicht einmal das Erhöhen der Eintrittspreise würde etwas ändern, denn die Tourismusunternehmen würden sich beklagen, dass dann die Kunden ausblieben. Aber wir müssen die Preise zum 1. November erhöhen, um weitere Mittel für die Erhaltung der Objekte bereitstellen zu können. Es wurde auch entschieden, Sakkara zu schließen, wo Wandreliefs sehr gefährdet sind. Aus dem gleichen Grunde wurde die Besucherzahl für die Große Pyramide auf 300 täglich limitiert und das Grab der Nefertari geschlossen." Schließlich fügte Hawass entschieden hinzu: "Wir werden auch andere Stätten schließen, wenn sich herausstellt, dass diese gefährdet sind."

Der SCA-Chef rief angesichts der Wichtigkeit der Angelegenheit, die inzwischen auch ein weltweites Phänomen ist, zu einem Dialog auf zwischen der Tourdismusindustrie und dem Site Management der Antikenbehörde.

"Beide Seiten sollten gemeinsam eine Strategie erarbeiten, um unser Erbe zu schützen", sagte er weiter. "Ägypten kann kaum mit 5.000 Touristen pro Jahre auskommen. Aber alles was darüber hinaus geht, könnte zu einer Katastrophe schon innerhalb der nächsten 50 Jahre führen; 100 Jahre scheinen mir zu optimistisch. Aus diesem Grunde sollten die Verantwortlichen sich auf die Touristen konzentrieren, die der Wirtschaft nützen. Es sollte eine internationale Konferenz stattfinden, an der Vertreter von Ministerien und Reiseagenturen ebenso teilnehmen wie Vertreter der lokalen Verwaltung, von Tourismus, Antikenbehörde, Kultur und Umwelt."

Viele der Tempel in Karnak und Luxor sind grundwassergefährdet. Sie stehen auf Plateaus und überschüssiges Wasser sammelt sich in darunterliegenden Hohlräumen, von wo aus es die Fundamente angreift. Beamte der Antikenbehörde haben auf die Gefahr des Einsickerns von Grundwasser hingewiesen. Geschehen ist daraufhin nichts oder nur wenig. Wegen des steigenden Grundwassers steht auch der Landwirtschaftsminister unter Beschuss, weil er sich dem Thema nicht stellt und die katastrophalen Folgen nicht zur Kenntnis nimmt.

Letztendlich sollen nun alle Hand in Hand die Probleme angehen. Da eine wie auch immer geartete Lösung fraglos kostspielig werden wird, sollen diese Kosten sowohl vom Kultur- als auch vom Landwirtschaftsministerium getragen werden.

Quelle
http://www.uk.sis.gov.eg/online/html11/o300324z8.htm

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Kommentare zu diesem Artikel
Ti05.04.2004 um 09:18:08
Deswegen finde ich das Projekt "Eternal Egypt" so überaus wichtig!

Ich bin gespannt, welcher Mittelweg zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und dem Schutz der Artefakte gefunden wird.

Liebe Grüße Ti



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