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Stein von Rosette hat Konkurrenz bekommen
Potsdamer Wissenschaftler brachten Bilinguae-Tafel ans Licht
Von Gitta am 17.04.2004 um 01:17:31 

Nach einer dpa-Meldung, veröffentlicht in der Märkischen Allgemeinen Zeitung und online in der Märkischen Oderzeitung, haben Potsdamer und ägyptische Wissenschaftler bei Grabungen in Bubastis einen großen Fund gemacht. Sie entdeckten einen Stein mit zweisprachiger Inschrift in drei Schriftarten, man könnte sagen, ein Pendant zum Stein von Rosette. Der Text wurde als ein Dekret von Ptolemaios III. Euergetes aus dem Jahre 238 v.Chr. identifiziert. Es sei der wichtigste Fund seiner Art seit 100 Jahren, heisst es in der Pressemeldung.

Die deutschen Ägyptologen werden in der Meldung nicht namentlich benannt. Es könnte sich um das Team von Christian Tietze handeln, das sich in den vergangenen Wochen zu Grabungen in Bubastis aufhielt.

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Kommentare zu diesem Artikel
Gitta E-Mail17.04.2004 um 21:47:25
Inzwischen liegt mir dank Naunakhte auch der Online-Artikel der Märkischen Allgemeinen Zeitung vor, der um Einiges ausführlicher ist als die obige dpa-Meldung und ausserdem noch das Foto von zwei strahlenden Ausgräberinnen zeigt. Es handelt sich - wie ich schon vermutet hatte - um Tietzes Team.

http://www.maerkischeallgemeine.de/?loc=2_1_1&id=167578&weiter=250

naunakhte19.04.2004 um 22:09:49
Interessant auch folgender Artikel:
Archäologie:
Das Dekret des Pharaos: Neuer Kalender VON THOMAS KRAMAR (Die Presse) 20.04.2004 Deutsche Archäologen fanden eine zweisprachige Stele des Königs Ptolemaios III von 238 v. Chr.

360 geteilt durch 12 ist 30. So hat das Jahr zwölf Monate zu je 30 Tagen. Bleiben fünf Tage, und die sind speziell. So dachten die alten Ägypter. Auch mit dieser Schalttage-Regelung bleibt freilich alle vier Jahre noch ein Tag: Diesen zu fixieren und heilig zu halten - nämlich den "wohltätigen Göttern", sprich dem Herrscher und seiner Familie zu widmen -, das war ein zentraler Punkt der Kalenderreform des Ptolemaios III (284 bis 221 v. Chr.), des Königs von Ägypten, der sich den Wohltäter ("Euergetes") nannte.

Vollzogen wurde die Reform erst von Julius Cäsar, doch wir wissen von Ptolemaios' Plänen aus dem Kanopus-Dekret, das in zwei Sprachen - Griechisch und Ägyptisch - verfasst wurde und in drei Schriften gemeißelt: Griechisch, Demotisch (volkstümliche Schrift), Alt-Hieroglyphisch.

Von diesem Dekret sind mehrere Abschriften bekannt, so die Kom-El-Hasn-Stele aus Kalkstein, 1881 gefunden. Nun fanden deutsche Archäologen unter Christian Tietze (Universität Potsdam) im Grabungsareal Tell Basta, 90 Kilometer nordöstlich von Kairo, das Fragment einer Stele aus Granit, die das Kanopus-Dekret enthält.

Das Fragment ist einen Meter hoch, das ist die Hälfte der zirka zwei Meter hohen Stele. Es enthält die griechische und die demotische Version, leider nur sehr wenig von der alt-hieroglyphischen (die drei Schriften standen untereinander). Das Griechisch, so Tietze, ist so flüssig, dass der Text vermutlich zuerst in dieser Sprache verfasst wurde.

Die Abweichungen von den bekannten Fassungen seien "unwesentlich", sagt Tietze. Faszinierend sei, das Dokument, das auch die Bubastia - die wilden Feste zu Ehren der Katzengöttin Bastet - erwähnt, just auf dem Gebiet von Bubastis, der Stadt der Bastet, die im 8. Jahrhundert die Hauptstadt Ägyptens war, zu finden.

Ganz in der Nähe fand sich auch eine Statue, die ursprünglich aus dem Mittleren Reich stammt und erst auf Ramses II, (1279 bis 1213), dann auf Osorkon I (925 bis 890) umgedeutet und umgemeißelt wurde. Statue und Stele standen in einer um die Zeitenwende durch Erdbeben zerstörten Tempelanlage. Dort war das Dekret öffentlich lesbar. Man vermutet, dass die - vier Tonnen schweren - Stelen in einer Werkstatt in Alexandria gehauen und von dort zu ihren Aufstellungsorten transportiert wurden.

Ihren Inhalt nennt Tietze mit Ägyptologen-Understatement eine "interessante PR-Arbeit": Im (als Beschluss einer Priester-Synode verkündeten) Dekret wird nicht nur der Kalender erklärt, sondern auch eine Tochter des Königs posthum vergöttlicht und eine fünfte, dem Wohltäter und seiner Frau geweihte Priesterklasse eingeführt. Und die Linderung einer Hungersnot wird geschildert: Getreide aus dem eben eroberten Syrien wurde ins Kernland geschafft.

Die Archäologen hoffen auf weitere Bergungen: Insgesamt waren und sind 6000 Kubikmeter Erde auszuheben; von der Stele, so Tietze, sah man lange nur den "zerklüfteten Rücken". Und auch nach der Entdeckung der Inschrift - am 16. März - musste man mit der Veröffentlichung warten: "Wir wussten", sagt Tietze, "wie leicht man Ärger mit ägyptischen Behörden kriegt."

Quelle: http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=h&ressort=ws&id=417232

Gitta E-Mail21.04.2004 um 14:53:28
Und hier gleich noch ein Artikel aus der Berliner Zeitung von heute. Der Fund macht ziemliche Furore

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/wissenschaft/334299.html





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