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Wie authentisch sind Historienfilme?
Buchvorstellung in der Online-Ausgabe der Zeitung Die Welt
Von Gitta am 09.05.2004 um 22:24:30 

Die Welt überschreibt einen Artikel vom 08.05.2004 mit "Bitte, lass mir meine Kamele" und erinnert damit an die vielleicht manchem Leser dieses Forums bekannte Szene aus dem 50er-Jahre-Hollywood-Epos "Land der Pharaonen" von Howard Hawks, einen Film über Cheops und den Bau der Großen Pyramide: Pharao schwingt sich auf sein Kamel, um sein Land zu retten oder irgendeine ähnlich spektakuläre Heldentat zu begehen.

Mit dem Kamel-Titel wird an Noel Howard erinnert, gelernter Historiker und Fachberater des Regisseurs Howard Hawks. Unter anderem wird folgende Anekdote zum Besten gegeben:

Zunächst ging es um 30 Streitwagen, mit denen der Pharao und sein Gefolge im Film umherkutschieren sollten. Howard unterbrach: "Es tut mir leid, aber in der Epoche, in der die Pharaonen noch Pyramiden bauten, gab es keine Pferde in Ägypten. Sie wurden von den Hethitern 2000 Jahre später übernommen. Die frühen Ägypter kannten auch das Rad nicht."

Ungläubiges Staunen macht sich breit hinsichtlich der Kompetenz des Beraters, denn weder haben die Ägypter die Pferde von den Hethitern übernommen noch war dies 2000 Jahre nach Cheops. Die einschlägigen Forschungsergebnisse sollten der Wissenschaft auch in den 50er Jahren schon bekannt gewesen sein. Sollte diese kleine Geschichte auf Tatsachen beruhen, kann man nur hoffen, dass die heutigen Berater ihr Handwerk besser verstehen.

Der Welt-Artikel erschien im Zusammenhang mit der Vorstellung eines Buches, dessen Autor sich mit der Authentizität von Historienfilmen befasst.

Die Streitwagenarmee konnte Howard Hawks übrigens ausgeredet werden, die Kamele bekanntermaßen nicht.

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