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Ein Veranstaltungsbericht - Teil 3
Von Gitta am 18.07.2004 um 18:30:05 

10.07.2004

Dr. Beate Hoffmann, Marburg, stellte die Ergebnisse ihrer Studie zur Neudefinition der Königsnovelle unter dem Vortragstitel "Die Königsnovelle 'Strukturanalyse am Einzelwerk'" vor. Innerhalb der Kerngruppe der sogenannten Königsnovellen (frühester Beleg Relieffragmente Nebhepetre Mentuhoteps, 11. Dynastie, spätester die Buhen-Stele Echnatons, 18. Dynastie) konnten strukturelle Ähnlichkeiten in der Textausführung beobachtet werden, die anhand des P 3029 Berlin, einer Lederhandschrift, erläutert wurden. Zu erfahren war, dass die sogenannte Königsnovelle (ein Begriff, den Alfred Hermann 1938 prägte) fast durchgängig nach dem gleichen Schema verfasst wurde: Datum/Titel, Situation, Plan, Lobpreisung des Königs, Befehl, Umsetzung, wobei die narrativen Elemente "Situation" und "Umsetzung" die häufigsten sind, möglicherweise die wichtigsten, während die ergänzenden Texte Gestaltungsspielraum boten. Aufallend ist, dass ramessidische Dokumente weniger narrativ sind als den König lobpreisend. Hoffmann hat in ihre Arbeit sowohl inhaltliche als auch grammatikalische Komponenten einbezogen. Sie gab abschließend dem Wunsch Ausdruck, bei weiteren Studien zum Thema gern interdisziplinär Alttestamentler und Altorienalisten heranzuziehen.


und der Kopf des Atum

So lautete der etwas kryptische Titel des Vortrages von Daniel Werning, HU Berlin. Liest man den Titel jedoch zu Ende "Kryptographie in den Jenseitskosmographien des Neuen Reiches", lässt die Verwirrung glücklicherweise ein wenig nach. Es ging Werning darum aufzuzeigen, wie man sich der Codierung in Jenseitstexten (Amduat, Pfortenbuch, Höhlenbuch) nähert. Weshalb überhaupt codiert wurde, ist noch nicht letztgültig geklärt, möglicherweise um den Leserkreis einzugrenzen o.ä. Jedoch erklärte Werning in seinem Vortrag, zu welchem er dankenswerter Weise auch ein Hand-out lieferte, herausgearbeitete kryptographische Wortschöpfungen: etwa innerhalb eines Wortes den Austausch von Zeichen durch andere gleicher Kategorie (Feder -> Ente) oder den Entfall von Nisbenendungen. Festgemacht am Beispiel des Wortes "Kopf" = transkribiert tp ist auch eine andere Konsonantenfolge vorstellbar, nämlich dp (siehe z.B. Amduat, 6. Stunde, dp.(w)-ntr.(w) = Köpfe der Götter, in Erik Hornung "Texte zum Amduat II" - Wernings Literaturhinweisen entnommen). Selbstverständlich ist dabei auch die Berücksichtigung sprachgeschichtlicher Veränderungen.

Hinsichtlich des
das mehrfach im Höhlenbuch auftaucht, war leider auch aus dem Kreise des fachkundigen Publikums letztlich keine hinreichende Deutung zu erfahren. Möglicherweise hallt ja diese Rätselaufgabe hier und da noch nach, so dass über kurz oder lang eine Lösung erhofft werden darf.

Eva Lange M.A., Leipzig, Mitglied des Grabungsteams von Dr. Christian Tietze in Bubastis, stellte in ihrem Beitrag "Osorkon I. und Bastet - Eine neue Inschrift aus Tell Basta" die textliche Bearbeitung eines ebenda aufgefundenen, mit Inschriften versehenen Blockes von erheblichen Ausmaßen (Länge ca. 1,90 m) vor. Die Schmalseiten des Objektes tragen Widmungen des Osorkon an die Göttin Bastet, Zeichen dafür, welche hervorgehobene Rolle diese Göttin bei den Königen der 22. Dynastie spielte. In der auf einer Längssteite des Blockes angebrachten Inschrift legt Osorkon I. die Ämterverteilung fest, einschließlich der Bestimmung seines Sohnes als seinen Nachfolger. Auch andere hohe Ämter - so der Text - sollten durch Mitglieder seiner Familie besetzt werden; ein Netzwerk der Macht für den König. Dieser Text unterstützt die These, dass gerade in der libyschen Zeit Genealogien stärker an Bedeutung gewannen. Osorkon I. ließ dies durch Erwählung von der Göttin Bastet noch ausdrücklich legitimieren. Hieraus lässt sich eine Verschmelzung libyscher mit ägyptischer Königsidelogie ableiten.

Der vorgestellte Block trägt neben den oben erläuterten Inschriften noch weitere Besonderheiten: auf der Unterseite finden sich Kartuschen mit dem Eigen- und dem Thronnamen des Königs, während Kartuschenfragmente auf der zweiten Längsseite noch Ziel weiterer Untersuchungen sein müssen. Im Verlaufe des Referats bot sich den Zuschauern ein vielbeachteter und dankbar aufgenommener visueller Eindruck von dem besprochenen Objekt in Form einer auf die Leinwand projezierten 3D-Animation.

[lurl=http://www.aegyptologie.com/forum/cgi-bin/YaBB/YaBB.pl?action=newsshow&ntag=040731220412]Teil 4 >>[/lurl]

Grafik: Gitta

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