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Wie orientierten sich antike Reisende?
Tagung in Bonn zum geographischen Verständnis in der Antike
Von Gitta am 16.02.2005 um 21:02:37 

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Frank Luerweg,
16.02.2005 09:50

Tagung in Bonn zum geographischen Verständnis in der Antike

Reisende gab es schon in der Antike. Doch wie kam ein Grieche von
Athen nach Ägypten? Hatte er schon eine Vorstellung davon, wo Ägypten
von Griechenland aus lag - verfügte er also über eine "innere
Landkarte"? Oder sagte ihm lediglich eine Art antiker Routenplaner:
"Du musst zuerst über Piraeus nach Kreta reisen, von dort aus nach
Zypern und schließlich nach Alexandria." Um das Thema "Raumwahrnehmung
und Raumerfassung in der Antike" geht es vom 23. bis 25. Februar auf
einer internationalen Tagung an der Universität Bonn. Die
Veranstaltung wird vom Seminar für Alte Geschichte organisiert.

Die Römer orientierten sich ursprünglich an den Städten, die sie auf
dem Weg von einem Ort zum anderen passierten - sie erfassten den Raum
gewissermaßen linear, ähnlich wie heutige Routenplaner im Internet,
die ja auch nur eine Liste von Abzweigungen mit den dazwischen
liegenden Entfernungen liefern. Charakteristisch für diese Form der
Raumerfassung sind die zahlreichen Meilensteine, die zum Teil über
hunderte von Meilen die Distanzen bis zu einem Ziel vermerken. Heftig
umstritten ist heute die Frage, ob in der römischen Kaiserzeit schon
Landkarten im heutigen Sinne existierten.

Die Bonner Tagung nähert sich der Thematik von verschiedenen Seiten.
So diskutieren die Teilnehmer auch, welche Schlüsse sich aus dem Alten
Testament über die Raumvorstellung seiner Verfasser ziehen lassen. Die
Vorträge machen zudem deutlich, welche Impulse die Raumwahrnehmung
beflügelten - angefangen von den Feldzügen Alexanders des Großen bis
zu den ganz handfesten Interessen der Römer, die für die Verwaltung
ihres stark angewachsenen Reiches verlässliche geographische Daten
benötigten. Nicht zu vergessen die zarten Anfänge des Tourismus:
Vermutlich hatten auch die Vorstellungen und Bedürfnisse antiker
Reisender einen Einfluss auf die Entwicklung der Geographie.

Bilder unter:

http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2005/057/bilder/tab_pe03.jpg

Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana; oben mittig liegt Bonn. Die Tabula Peutingeriana stammt aus dem 13. Jh. und geht auf eine antike Vorlage aus dem 4. Jh. zurück. Die kartenähnliche Darstellung (heute in Wien) ist 34 cm hoch und 6,8 m lang. Auf 12 Pergamentblättern ist die antike Welt von Spanien bis Indien in stark gestreckter bzw. gestauchter Weise dargestellt. Leider ist das erste Blatt mit Spanien und Britannien heute verloren. Da in diese „Karte“ zum Teil noch ältere Vorlagen eingearbeitet sind (man findet u.a. noch Pompeji), gehört sie mit zu den spannendsten und ungewöhnlichsten Quellen aus der Antike.

http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2005/057/bilder/Miller-Peutinger-Ausschnitt.jpg

Tabula Peutingeriana Ausschnitt

Das vollständige Tagungsprogramm findet sich im Netz unter
<http://www.altegeschichte.uni-bonn.de/kolloquiumprogramm.htm>

Kontakt:
Michael Rathmann
Seminar für Alte Geschichte
Telefon: 0228/73-7389 oder 73-7338
E-Mail: michael.rathmann@uni-bonn.de

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.altegeschichte.uni-bonn.de/kolloquiumprogramm.htm - Programm der Tagung
http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2005/057.html - Bilder

Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw -
WWW: http://idw-online.de

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