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Tutanchamun: Mord nicht nachweisbar
Erste Ergebnisse der CT-Untersuchung veröffentlicht
Von Gitta am 08.03.2005 um 17:25:06 

Die dreidimensionale Röntgenuntersuchung an Tutanchamuns Mumie ergab keine Beweise, die eine Mordtheorie unterstützen würden. Einige Mitglieder des Untersuchungsteams meinen, er könne vielleicht an einer Wundinfektion gestorben sein, andere wiederum, die "Verletzung" sei erst später durch Archäologen verursacht worden. Das alles geht aus einem fünfseitigen Bericht der Wissenschaftler hervor. Bekanntlich gab es diverse Spekulationen, dass der jung gestorbene König ermordet worden sei.

"Wir wissen nicht, wie der König starb, aber wir sind sicher, dass es kein Mord war. Vielleicht starb er eines natürlichen Todes". sagte Zahi Hawass, Chef des SCA, "Der Fall ist abgeschlossen. Wir sollten den König nun nicht mehr stören."

Im Untersuchungsbericht ist die Rede davon, dass einige, nicht alle, der acht Mitglieder des Wissenschaftlerteams vorschlagen, Tutanchamun könne einen schweren Unfall gehabt haben, bei dem er sich einen schweren offenen Oberschenkelbruch zuzog, der sich möglicherweise infiziert hat. "Obwohl der Bruch selbst nicht lebensbedrohlich gewesen sein wird, könnte es eine Infektion gegeben haben", sagt der Bericht, die Befürworter dieser Theorie zitierend. Die Theoriegegner wiedersprechen.

Es wurde laut Bericht auch kein Schlag auf den Hinterkopf o.Ä. nachgewiesen.

Der König war bei guter Gesundheit. Das gebogene Rückgrat sei das Resultat von der Positionierung bei der Einbalsamierung und der leicht verlängerte Schädel läge im Rahmen der normal üblichen Schädelformen, wurde festgestellt. "Nach Beurteilung der Knochen war der König generell in einer guten Verfassung; es gibt keine Anzeichen für Unterernährung oder schwere Infektionskrankheiten während der Kindheit*", sagt der Bericht. Die beiden losen Knochenfragmente innerhalb des Schädels sind mit hoher Wahrscheinlichkeit erst nach dem Tod abgesplittert, denn sie hafteten am Balsamierungsmaterial. Das Team glaubt, dass die Fragmente entweder bei Balsamieren selbst oder beim Hantieren durch das Team von Howard Carter abgebrochen sind.

Die Verfechter der Schenkelbruchtheorie merken an, das Balsamierungsmaterial innerhalb der Schenkelwunde zu sehen sei, jedoch kein offensichtlicher Hinweis darauf, dass die Wunde verheilt war. Sie vermuten deshalb, dass der Bruch nur Tage vor dem Tod des Königs erfolgte (was wegen der Kürze der Zeit m.E. gegen einen Tod durch Infektion spricht). Die Gegner sind anderer Meinung. Danach wären Carter & Co. die Übeltäter. Im Bericht werden ihre Schlussfolgerungen wie folgt wiedergegeben: "Wenn eine solche Fraktur zu Lebzeiten geschehen wäre, hätte man bei der CT Hinweise auf Blutungen und Hämatome finden müssen. Sie glauben, dass die Balsamierungsflüssigkeit durch Carters Team in den Bruch gedrückt worden ist."

Schließlich scheint man Tutanchamuns Penis wiedergefunden zu haben. In den 1920ern war er noch nachgewiesen worden, dann jedoch verloren gegangen. "Obwohl es sich nicht sicher ist, glaubt das Team, ihn im losen Sand im Umfeld der Mumie lokalisiert zu haben", sagt der Bericht.

*nachweisbar durch sogenannte Harris-Linien im Knochengefüge

Obiger Artikel ist die Übersetzung einer recht ausführlichen Meldung von Reuters (via EEF). Nun bleibt zu hoffen, dass der fünfseitige Untersuchungsbericht demnächst ebenfalls veröffentlicht wird.

Inzwischen überschlagen sich die Newsmeldungen zu diesem Thema. Hier eine Auswahl:

n-tv.de
szon.de
nzz online
spiegel.de

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Kommentare zu diesem Artikel
floechen E-Mail10.03.2005 um 12:36:25
Gott sei Dank werde ich nicht mumifiziert! Man stelle sich vor in 3000 Jahren berichtet eine Nachrichtenagentur man habe nun meine Brüste wiedergefunden....



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