Ägyptologie-Blatt

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Der Punt-Hafen am Wadi Gawasis
Online-Grabungsbericht von Kathryn Bard und Rodolfo Fattovich
Von Gitta am 30.09.2005 um 22:50:11 

Im März 2005 erschien im Ägyptologieblatt ein Beitrag mit dem Titel Antike Planken und Takelagen am Roten Meer - geschrieben nach einem Online-Artikel des wöchentlichen Newspapers der Boston University. Kathryn Bard berichtete über ihr "schönstes Weihnachtsfest", denn sie hatte zusammen mit anderen Wissenschaftlern im Dezember 2004 am Wadi Gawasis eine Ansammlung von Höhlen gefunden, die u.a. Reste von Schiffsausrüstung enthielten.

Auf der Projekt-HP ist nun ein detaillierter Grabungsbericht erschienen, der sich fast so spannend liest wie ein Krimi. Auch eine Reihe von Fotos ist dort veröffentlicht.

Anscheinend ist das Areal von der Ersten Zwischenzeit bis ins Neue Reich genutzt worden. Dies ist mit Keramikfunden in den einzelnen Schichten zu belegen. Die beiden Steuerruder können - ebenfalls anhand der im Kontext aufgefundenen Keramik - auf die 18. Dynastie datiert werden. Auch "Exoten" befinden sich unter den Keramikscherben: ein Stück, das aus dem Nordjemen stammen könnte und ein weiteres, umfunktioniert zu einem Polierwerkzeug, aus Eritrea. Es darf ausserdem angenommen werden, dass an diesem Ort Kupfer geschmolzen wurde; Reste von Ofenwänden, Blasrohre sowie Asche und Holzkohle deuten darauf hin.

Hochinteressant sind die Befunde zu den Seilfragmenten. Die Art der Herstellung lässt sich wohl ziemlich genau rekonstruieren. Auch die Webart der aufgefundenen Reste von Textilien kann nachvollzogen werden.

Was aus dem ersten Bericht nicht so deutlich hervorging: es existieren dort nicht wenige Inschriften bzw. Reliefs. Es war bereits erwähnt worden, dass eine der Stelen - sie gehörte wohl ebenso wie die übrigen zu einem "Höhlen"tempel oder -schrein - Auskunft über eine Punt-Expedition unter Amenemhet III. gibt. Nach einer vorläufigen Übersetzung berichten die beiden Brüder Nebsu und Amenhotep, dass sie der König (auf der Stele ebenfalls dargestellt und benannt) mit dem Oberkämmerer*) (High Steward) Senbef nach BjA-Punt (Nebsu) bzw. nach Punt (Amenhotep) entsandte. Das Ganze hört sich an, als sei hier von zwei Expeditionen des Senbef die Rede, von denen die eine nach BjA-Punt führte und die andere nach Punt.

Der komplette Bericht umfasst in der Druckversion acht DIN A4 Seiten und ist mit Details nur so gespickt. Eine sehr zu empfehlende Lektüre.

Ein ganz herzliches Dankeschön an Michael Tilgner und die EEFNEWS.

*)Ich kenne die englische Fachterminologie in Bezug auf altägyptische Titel nicht. Möglicherweise lautet der Titel im Deutschen anders.

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Kommentare zu diesem Artikel
Udimu30.09.2005 um 23:17:05
High steward ist meist imy-r pr wr (Oberdomänen- oder Obervermögensverwalter); im Artikel wird auf Abbildungen der Stelen verwiesen. Ich finde die nicht Mach ich was falsch?

Gitta E-Mail30.09.2005 um 23:32:42
Ich habe gerade noch einmal auf die HP geschaut. Du hast Recht. Es wird auf Fotos verwiesen, die nicht existieren. Schade, denn die wären schon interessant.

Udimu30.09.2005 um 23:36:45
heul - jammer wo doch 'Herr' Senebef mich brennend interessieren würde

Gitta E-Mail01.10.2005 um 11:24:36
Ich habe mal eine E-Mail an das Redaktionssekretariat von Archaeogate geschrieben. Mich interessieren die Inschriften nämlich auch. Mal schauen, ob wir Glück haben und die Fotos noch nachgerüstet werden

Gitta E-Mail09.10.2005 um 20:47:24
Nachstehender Kommentar von mir scheint verloren gegangen zu sein:
Man teilte mir mit, dass die Stücke derzeit an der Uni Neapel bearbeitet werden. Archaeogate wurde daraufhin gebeten (am 30.9.), die Fotos unverzüglich aus der Veröffentlichung zu nehmen.

Udimu11.10.2005 um 21:42:10
oje, schade eigentlich, naja vieleicht erscheinen die Stelen dann mal in gedruckter form



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