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Untersuchungen zu den Steinzeit-Wurzeln der Ägypter
Badarian- und Naqada-Kulturen
Von Iufaa am 19.05.2006 um 21:55:51 

Untersuchungen zu den Steinzeit-Wurzeln der Ägypter

World Science, am 17. Dez 2005

Vor ungefähr 64 Jahrhunderten bebauten prähistorische Menschen zweifelhafter Herkunft ein Gebiet entlang Ägyptens Fluss, dem Nil.
Kaum der Steinzeit entwachsen produzierten sie einfache, aber gut gemachte Töpferwaren, Schmucksachen und Steinwerkzeuge, und begruben sorgfältig ihre Toten mit Ritualgegenständen  - offenbar als Vorbereitung auf ein Leben nach dem Tod. Diese Objekte umfassten häufig puppenähnliche weibliche Figürchen mit übertriebenen sexuellen Merkmalen, vielleicht um eine Wiedergeburt zu symbolisieren.
Trotz der Einfachheit ihres Besitzes schlägt eine neue Untersuchung vor, dass diese Badarian-Leute, letztendlich ungefähr 14 Jahrhunderte später eine der ersten Hauptzivilisationen der Welt initiiert haben könnten: die glitzernde Kultur Ägyptens.

Tatsächlich deuten Forschungsergebnisse an, dass die Ägypter grundsätzlich dieselben Leute vom Ende der Steinzeit bis später in römische Zeiten gewesen sein könnten.
In der Untersuchung analysierte Joel Irish von der Universität Alaska Fairbanks Ähnlichkeiten zwischen Zähnen von fast 1000 Menschen aus verschiedenen Zeitaltern der ägyptischen Geschichte und Vorgeschichte und fand, so schrieb er, " eine Kontinuität über gesamte Bevölkerung" in dieser grob 5000-jährigen Spanne.
Irish beschrieb die Ergebnisse in einer Publikation der On-Line-Ausgabe am 5. Dez. des American Journal of Physical Anthropology. Aber er merkte an, dass, während die Ergebnisse einerseits Ansichten unterstützen, die einige Archäologen schon vorher geäußert hatten, sie teilweise nicht mit den Ergebnissen andere Skelett-Untersuchungen übereinstimmten - so dass weitere Untersuchungen erforderlich sind.
Die unterschiedlichen Ergebnisse könnten auf unterschiedlichen Probenzahlen oder den verwendeten Datentypen beruhen, er schrieb.
Bezüglich des Ausmaßes der von Irish gefundenen Schwankungen zwischen den Zähnen, kam der größte Anteil der Abweichungen von der Norm aus Grabstätten der Oberschicht. Das, so schlägt er  vor, könnte bedeuten, dass diese Noblen sich genetisch zunehmend etwas von anderen Bevölkerungsgruppen entfernt haben - vielleicht durch Inzucht.
Im Großen und Ganzen öffnen die Ergebnisse einen Einblick in die bisher kaum verstandene Frage: Wer waren die alten Ägypter? Indem er einen kurzen Einblick in ihre mögliche Vorgeschichte eröffnet, könnten die Untersuchungen helfen zu erklären, wie die Ägypter ihre weltberühmte Kultur einschließlich der großen Pyramiden entwickelten, die immer noch stehen.

Einige Studien haben auch genetische Ähnlichkeiten zwischen alten und modernen Ägyptern gefunden. Diese Ergebnisse sind in der Diskussion, aber wenn sowohl sie als auch Irish recht haben, können heutige Leute Ägyptens und ihre Pyramiden-bauenden Vorfahren größtenteils ein Teil derselben Familie sein, die ihre Wurzeln in der Steinzeit hat.


Die Badarian-Kultur "könnte bereits durch ungefähr 5000 v. Chr. bestanden haben, aber kann nur mit Bestimmtheit gesagt werden, dass sie ungefähr die Periode um 4400-4000 v. Chr., umfasste" gemäß Oxford History of Ancient Egypt.

Badarian -und noch mehr die Mitglieder der späteren Naqada-Kultur – werden als kulturelle Mitbegründer der ägyptischen Zivilisation angesehen. Aber es ist nicht klar, ob es die gleichen Leute waren.

Britische Archäologen entdeckten die Badarian-Kultur bei Ausgrabungen bei der modernen Stadt von el-Badari um 1920er. Andere Badarian-Siedlungen tauchten später in umgebenden Gebieten auf. Die Badarian-Kultur war verglichen mit den vorangehenden Völkern deutlich weitentwickelt, so  Beatrix Midant-Reynes in dem 1999 erschienenen Buch The Prehistory of Egypt.

Mit der Badarian-Kultur "tauchen wir unvermutet gerade in ein symbolisches Weltall des unglaublichen Reichtums ein, die eine immer mehr strukturierte und komplizierte Gesellschaft widerspiegelnd," schrieb sie. "Dieser Prozess sollte sich gewaltig im ganzen vierten Jahrtausend v. Chr. beschleunigen, und schließlich Bedeutsames zum Erscheinen der 'ägyptischen Zivilisation beitragen.'"

Ihre Praxis, Gegenstände mit den Toten zu begraben, war der der späteren Ägypter ähnlich, obwohl nicht annähernd so wohldurchdacht, wie Archäologen sagen. "Jedes Begräbnis wurde sorgfältig vorbereitet" schrieb Midant-Reynes. "Eine Matte wurde auf dem Boden gelegt, um es dem zusammengefalteten Körper bequem zu machen, und der Kopf wurde manchmal auf einem Kissen aus Stroh oder gerollter Tierhaut gelegt."

Ihre Begräbnis-Sitten zeigt einen Glauben an ein Leben nach dem Tod an, schrieb Margaret Alice Murray in The Splendor That Was Egypt, 1931. Das nicht nur, weil die Gräber Gegenstände für den Verstorbenen enthielten, die dieser vermutlich im Leben nach dem Tod verwenden konnte, sondern auch, weil die Leichname gewöhnlich so ausgerichtet wurden, dass sie gen Westen schauten. "Das lässt vermuten, dass, da der Friedhof im Osten des Dorfes lag, die Toten das Leben beobachten und daran teilnehmen, oder wenigstens von allen Ereignissen dort wissen konnten," schrieb sie.
Die Badarianer mumifizierten ihre Toten nicht, wie das die späteren "Ägypter" taten, deren Zivilisation ungefähr 3,000 B.C. begann und die ihrerseits weit reichende Wirkungen auf spätere Zivilisationen, einschließlich das Christentum hatte.

Badarian-Töpfer hatten außergewöhnliche Fertigkeit, schrieb Michael Rice in dem Buch Egypt’s Making.,  2000. "Früh werden Badarian-Gefäße zu einer Härte gebrannt, die sich der von Metall nähert und sie waren häufig Eierschalen-dünn sind." schrieb er.
Diese Technik wurde selbst durch spätere ägyptische Töpfer nicht erreicht, sagte die Oxford History, die hinzufügt, dass "die Analyse von Grabbeigaben in Badarian eine ungleiche Vermögensverteilung anzeigt. Es bestand eine Tendenz, die wohlhabenderen Gräber in einem Teil des Friedhofs zu separieren. Das zeigt deutlich eine soziale Schichtung an, die allerdings zu dieser Zeit der ägyptischen Vorgeschichte noch begrenzt war."

In der Badarian-Kultur "war Metall bekannt, aber Werkzeuge wurden weiterhin noch aus Stein gemacht," schrieb Murray. Später machte die Naqada-Kultur weit mehr Gebrauch von Metall. Da außerdem der "künstlerische Sinn der Badarian-Kultur nicht so hoch entwickelt war“, und die Naqada-Kultur größere künstlerische Anlagen und einen besseren Lebensstandard hatte, so Murray, sieht sie die Naqada-Kultur auf einen Entwicklungsweg zu größeren Errungenschaften, wie z.B. die der Pyramiden.

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