Ägyptologie-Blatt

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Schweizer Ägyptologen beteiligen sich am Rennen zur Rettung antiker Überbleibsel
Ausgrabungen antiker Städte
Von Iufaa am 05.07.2006 um 19:55:13 

Schweizer Archäologen schließen sich den allgemeinen Bemühungen an, unschätzbare antike Überbleibsel zu retten, bevor diese für immer unter modernen Entwicklungen Ägyptens verloren gehen.

Cornelius von Pilgrim leitet die Versuche, Belege auszugraben, wie Leute vor Tausenden von Jahre in der Nähe der südlichen Stadt Aswan lebten.
"Viele antike Städte werden durch moderne Städte mit tiefen Fundamenten überbaut, so dass die antiken Überreste zerstört werden." erzählte von Pilgrim.
Der Archäologe vom schweizerischen Institut für ägyptische Architektur und Archäologische Forschung in Kairo hat in den letzten sechs Jahren neben ägyptischen Experten in Aswan gearbeitet.
"Wir wissen noch nicht viel über die alten Städte. Sie sind vernachlässigt worden, weil sie schwerer auszugraben und nicht so spektakulär sind wie Gräber und Pyramiden." erklärte er. "Wir wissen mehr über den Glauben der alten Ägypter als darüber, wie sie lebten."
In Aswan machten sie zufällig die wichtige Entdeckung einer Steinrampe, über die Granit-Blöcke auf die wartenden Schiffe transportiert wurden.
Sie fanden aber auch viele Beweise für Plünderungen, ein störendes Phänomen, das die Ägyptologie seit den letzten 200 Jahren verfolgt.
"Einige der Gebiete wurden verbotenerweise wie ein Schweizer Käse mit einem Irrgarten von Tunneln und Schächten perforiert, um Relikte zu stehlen," sagte von Pilgrim. "Sobald Gerüchte aufkommen, das jemand einige Perlen gefunden hat, fängt jeder an zu graben. Es ist ein riesiges Problem und sehr gefährlich für die illegalen Schatzsucher."
Von Pilgrim setzt jetzt beim Ausgraben neuer Relikte im Boden fest auf Kollaboration mit ägyptischen Behörden, mit denen das Institut eine "enge und freundschaftliche" Zusammenarbeit pflegt.

"Allerdings wir haben nicht mehr viel Zeit übrig." warnte er. "Wir müssen aber auch das Vertrauen der Leute gewinnen, da viele Grundbesitzer fürchten, dass wir ihre Einrichtungen stillegen und das Land enteignen, wenn wir was finden – was aber nicht der Fall ist."

Von Pilgrim vertritt etwa ein Drittel des Stammpersonals des Instituts in Ägypten. Aber dieses Personal wird temporär erhöht durch ungefähr 20 Studenten der Archäologie aus der Schweiz und anderen Teilen der Welt, dazu kommen noch lokale Helfer, die in der Arbeitsweise der Ägyptologie trainiert werden.
"Ich bin fest davon überzeugt, dass es notwendig ist, die Vergangenheit zu kennen, um sich weiter zu entwickeln. Jeder muss die Geschichte kennen, um unsere moderne Kultur zu verstehen," sagte von Pilgrim.
"Geschichte spielt auch eine wichtige Rolle in der Wirtschaft des modernen Ägyptens, an der der Tourismus einen bedeutenden Anteil hat. Archäologische Forschung ist nicht nur auf die reine Wissenschaft beschränkt, wir versuchen auch, die Gebiete "wiederaufzubauen", so dass die Besucher sie genießen können."
Seit 1969 hat das Institut neben deutschen Kollegen auf der Nil-Insel Elephantine gearbeitet. Eine Garnison von ausländischens Söldnern hatte die Insel, ungefähr vom 7. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. besetzt, um Ägyptens südliche Grenze zu schützen.
Die Ausgrabungen holten einen jüdischen Tempel ans Licht und vielen andere Altertümer, die außerordentlich das Verstehen des Lebens in der Garnison fördern.

"Ich bin überzeugt, dass wir nicht mehr als einen Bruchteil der Geschichte der ägyptischen Gesellschaft kennen. Die Zeit ist vorbei, in der wir immer neue Dinge entdecken wollten. Wir müssen jetzt die Lücken in unseren Kenntnissen über das normale Leben im antiken Ägypten schließen." sagte er.

swissinfo by M. Allen

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