Ägyptologie-Blatt

[ Home | Forum ]

« vorheriger Artikel | nächster Artikel »
Die ägyptische Schrift soll mit hochtechnologischen Methoden
neue Methoden in der Entwicklung
Von Iufaa am 16.09.2006 um 18:15:21 

Ben Harder berichtet für National Geographic News am 8. September 2006:

Jean Revez studiert alte Dinge, aber das zwingt ihn nicht, alte Wege zu beschreiten. Der Professor für ägyptische Geschichte an der Universität von Montreal in Kanada entwickelt eine von mehreren Techniken, um elektronisch antike Steininschriften aufzunehmen und zu interpretieren.

Heute nehmen die meisten Archäologen die Schrift und andere architektonische Details, mit Bleistift, Kugelschreiber, und Papier auf. "Werkzeuge, die wirklich ziemlich "antik" sind," sagte Revez. In seiner Vision von der Zukunft werden die Archäologen, die die Inschriften studieren - sich stattdessen auf Digitalkameras, spezialisierte Computersoftware, und ihre Geschicklichkeit im Umgang mit der Maus verlassen.
Die neuen Techniken werden es den Wissenschaftlern ermöglichen, die antike Schrift im beispiellosen Detail zu studieren und somit vielleicht Denkmäler bewahren, die durch den Zahn der Zeit abgenagt werden.
Der erste Ort, an dem die Versuche von Revez ausprobiert werden könnten, ist der Tempel von Karnak, der am Ufer des Nil in der Nähe von der modernen Stadt von Luxor steht. Die große hypostyle Halle von Karnak sagte Revez, "ist vielleicht der spektakulärste aller Höfen in Ägypten."

Peter Brand von der Universität Memphis in Tennessee leitet ein Team von Archäologen, das in der Halle arbeitet. "Wir benutzen die traditionelle Methode mit Stift und Tinte, um Inschriften zu aufzunehmen." sagte Brand.  "Es ist ein mühsames Verfahren."
Auf einer transparenten Folie, die über Vergrößerungen von Fotografien gelegt werden, machen Brand und seine Mannschaft zuerst Zeichnungen mit Bleistift und dann, nachdem Korrekturen ausgeführt wurden, mit Tinte.
Software zum Zeichnen, die bereits auf dem Markt ist, kann den Stift und Papier ersetzen, sagt Brand, aber die Aufgabe ist immer noch ziemlich mühsam. "Ich habe das selbst ausprobiert." sagte Brand. "Es ist noch ziemlich zeitraubend, etwas auf dem Computer zu zeichnen."
Neuere Programme dagegen erledigen einen Teil der Arbeit von selbst.
Revez und seine Mitarbeiter haben ein Softwarepaket entwickelt, mit dem sie ihre eigenen Funktionen zu einem bekannten Architektur-Programm, AutoCad, hinzufügen.
Die erweiterte Software kann zum Beispiel mehrere, sich teilweise überlappende Bilder einer Wand oder tragenden Säule, zu einem Digitalmodell des ganzen Gegenstands verbinden.
Epigraphiker können dann den Umrissen von hieroglyphischen Zeichen und anderer noch wahrnehmbarer Verzierungen auf den Modellen elektronisch nachspüren.

Revez und Kollegen verwendeten Ideen aus der Fotogrammetrie, einer Technik, die  von Topographen und bei Landvermessungen aus der Luft verwendet wird, um dreidimensionale Ansichten von zweidimensionalen Bildern zu erstellen.

"Wir können Fotos von verschiedenen Winkeln benutzen und wie ein Mosaik zusammensetzen," erklärte Élise Meyer vom National Institute of Applied Sciences in Strasbourg, Frankreich. Meyer und Claude Parisel von der Universität von Montreal übernahmen die Leitung des Projekt bei der Anpassung des Programms Autocad.
Die Forscher beschreiben ihr Programm und seine Fähigkeiten in einer Publikation, die in der November-Ausgabe des Journal of Archaeological Science erscheinen wird.
Meyer bemerkt, dass kein Bild von der Vorderseite eines Gegenstands gemacht werden muss, um es in dieser Ansicht im modifizierten Programm Autocad darstellen zu können.
"Sie können es in jedem Winkel aufnehmen, und unser Programm wird es wie eine Vorderansicht darstellen" sagte sie.

Dieser Trick, sagte Co-Autor Revez, ermöglicht es Benutzern, "eine Säule quasi 'zu entrollen', indem die Bilder so ausgestreckt werden, dass die zylindrische Formen flach erscheinen." Alle Seiten einer Säule können dann gleichzeitig angesehen werden und Archäologen eine ganze neue Ansicht des Gegenstand geben.

Dimitri Laboury von der Universität in Lüttich, Belgien, und seine Kollegen arbeiten an einer anderen computergestützten Technik für die Archäologie.
Sein Team entwickelt ein optisches Gerät, dass, so hoffen sie, im Stande sein wird, ein 3D-Modell einer jeden archäologischen Stätte zu schaffen.
"Die Grundidee ist, die  Denkmäler so aufzunehmen und dadurch zu retten, wie sie tatsächlich sind, jedoch ohne sie zu stören." sagte Laboury.
"Wir scannen oder erstellen einen Überblick und sichern dadurch eine hieroglyphische Inschrift, die, für den Computer, einer Landschaft ähnlich ist. Aus dieser objektiven digitalen Reproduktion" sagte er, "kann der Fachmann die Inschrift in 3D lesen, als ob er sich vor dem wirklichen Objekt befinde und nicht vor einer Fotographie."

Beide neue Techniken würden sowohl den Datenaustausch unter Forschern erleichtern als auch antike Orte für zukünftige Generationen effektiv bewahren.
"Die Idee ist, der ganzen wissenschaftlichen Gemeinschaft zu erlauben, die Dekorationen und die Zeichen anzusehen, ohne vor Ort reisen zu müssen," sagte Revez.

versenden | drucken


Suchen | Schlagzeilen | RSS



Kommentare zu diesem Artikel
Mubarek E-Mail20.09.2006 um 12:14:01
Die grundlegende Technik dieser Art der Dokumentation wurde, wenn auch ohne Computerunterstützung und nur mit Hilfe der "analogen" Photogrammetrie, bereits 1968 in Saint Mande, Frankreich, anlässlich der Tagung des Conseil International des Monuments et des Sites vorgestellt.
Publikation:

Conseil International des Monuments et des Sites; Etude sur la Photogrammetrie appliquee aux monuments historiques; Saint Mande, France, 4 - 6. VII. 1968; ICOMOS, Palais de Chaillot, Paris; 1969

aldo E-Mail21.09.2006 um 16:11:17
brilliante idee, das so zu veranlassen

Amset E-Mail21.09.2006 um 18:12:01
Ohne klugschnacken zu wollen: Die Möglichkeit Bilder zu entzerren bieten viele CAD Programme und ist im Berufsleben von Planern alltäglich. Mit etwas Geschick ist dies auch mit Grafikprogrammen möglich.



Eigenen Kommentar abgeben
Name:
eMail:   verstecken
SID:
Zeitlich beschränkte Gast-Schreibberechtigung mit eMail-Authentifizierung.
Kommentar: