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   Alltagsleben der Ägypter (219)
   kutscher (oder so was) (7)
  Autor/in  Thema: kutscher (oder so was)
evelyn_o_connell  
Gast

  
kutscher (oder so was) 
« Datum: 20.04.2002 um 16:22:13 »     

hey ihr,
hab jetzt mal ne Frage: Wer oder was waren die Kutscher? Oder hiessen die Kuscher?
Danke
eve  
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Re: kutscher (oder so was) 
« Antwort #1, Datum: 20.04.2002 um 16:55:11 »   

Meinst Du die Kuschiten?
Kusch war grob gesagt der heutige Sudan, auch unter Meroe bekannt. (Hoffentlich erschlägt mich jetzt niemand, der genaue Unterschiede zwischen Kusch und Meroe zieht)
manetho  maennlich
Member

  

Re: kutscher (oder so was) 
« Antwort #2, Datum: 20.04.2002 um 17:29:35 »   

ach - wo werden wir denn

Kuschiten sind die Bewohner von Kusch
Mit der Abgrenzung tue ich mich etwas schwer, aber ich würde es mit Nubien gleichsetzen. Das Gebiet von Nubien umfasst den Norden des heutigen Sudan und den südlichsten Teil Ägyptens, der heute allerdings im im wesentlichen Bereich des Staudammes ist. Also letztendlich die Flußtaloase des Mittleren Nils zwischen Aswan und Khartoum (mit den 6 Katarakten. Die alte Bezeichnung der Ägypter für das Land war Jam. Ägyptische Aktivitäten gibt es hier seit dem AR, militärisch wurde es gesichert ab dem MR., eine Bestzung ist etwa zw. 1550 und 1069 v.u.Z. (NR) anzusetzen.
In dieser Zeit bestand Nubien aus zwei ägypt. Provinzen - Wawat und Kusch. Verwaltet wurden diese beiden Provinzen ab etwa Beginn der 18. Dynastie von einem "Vizekönig (auch Königssohn) von Kusch", es war mit der Schaffung dieses Postens eines der drei Verwaltungsbezirke.
Heike  
Gast

  
Re: kutscher (oder so was) 
« Antwort #3, Datum: 20.04.2002 um 18:38:39 »     

Hallochen!

Ich möchte noch ergänzen, dass man nicht vergessen sollte, dass die Kuschiten auch einige Jahrzehnte Ägypten als 25.Dynastie regierten und der Pharaonenthron somit von schwarzen Pharaonen besetzt war:

Alara (780-760)
Kaschta (760-747)
Pije (747-716)
Schabaka (716-702)
Schebitku (712-690)
Taharqa (690-664)
Tanwetamani (664-656)

Bemerkenswert finde ich, dass die kuschitischen Herrscher  die ägyptischen Traditionen sehr achteten und pflegten, was ja doch ungewöhnlich ist, wenn man bedenkt, dass Kusch über jahrhunderte von Ägypten unterdrückt wurde.

Viele liebe Grüße
Heike

P.S.: Die Zahlenangaben stammen aus Thomas Schneider - Lexikon der Pharaonen (gibt es übrigens derzeit für 14,90 DM bei http://www.jokers-online.de - einfach bei Suchbegriff den Namen des Autors eingeben, weitere Ägyptenbücher bekommt man unter dem Suchbegriff "Ägypten" [zB das Buch über das Grab von Sethos I. von Erik Hornung zum Sonderpreis])

Die Januar-Ausgabe 2002 der PM hatte "Die schwarzen Pharaonen" auch als Titelthema.
Ich fand den Beitrag sehr gut geschrieben und informativ (gibt es bestimmt in der Bibliothek zum ausleihen).
Apedemak  maennlich
Administrator

  

Re: kutscher (oder so was) 
« Antwort #4, Datum: 23.04.2002 um 18:15:24 »   

Hallo!

Erst Kaschta erlangte die Oberhoheit über Oberägypten. Alara gilt als Fürst. Er wird auch als Häuptling von Taharqa bezeichnet. Die Kuschiten wurden als 25. Dynastie offiziell von den Ägyptern anerkannt und galten nicht als Fremde. Sie waren die Söhne Amuns vom Gebel Barkal (heiliger Berg). Es war Tuthmosis III. der diesen Ort dazu machte! Er meinte dort wohnt eine urtümliche Form des ägyptischen Reichgottes Amun.

Das Reich der Kuschiten war riesig (25. Dynastie). Es reichte vom Zusammenfluss des weißen und blauen Nils bis hoch zum Mittelmeer.

Die kuschitische Herrschaft gilt als eine Rückkehr in die "Zeit des Re", da das Reich vorher völlig zerstritten war und Chaos herrschte. Während ihrer Herrschaft fand eine Renaissance in Ägypten statt. Man verwendete große Anstrengungen darauf, Ägyptens heruntergekommener Gegenwart etwas vom altem Glanz seiner Vergangenheit zurückzugeben. Da die Kuschiten großes Interesse an den ägyptischen Vorstellungen hatten, wurden einige Tempel erneuert, repariert oder erweitert. Vielleicht kennt ja der Ein oder Andere die Taharqa-Säule in Karnak, welche einem jeden Besucher nach dem ersten Pylon begrüßt.

Unägyptisch ist übrigens das Königsornat. Eine Art eng anliegende Kappe an der 2 Uräus-Schlangen angebracht waren. 2 zum Zeichen der Herrschaft über Ägypten und Nubien. Auch Doppel-Uräus genannt. Weiterhin trug man um den Hals eine Kordel deren Enden auf die Schultern fielen. Die Ende waren mit Widderköpfen versehen.

Auch die Regelung der Nachfolge im Pharaonenland war anders. In Ägypten war es in der Regel der erstgeborene Königssohn der auf den Thron folgte. In Kusch war dagegen die Auswahl größer. Es wurde zwischen Söhnen, Brüdern oder Neffen ausgewählt. Wahrscheinlich mit Hilfe eines Gottesorakels(!).

Die kuschitische Herrschaft kann insgesamt als positiv betrachtet werden. Allerdings machten die Vorgänger Taharqas eine großen Fehler. Sie forderten die Assyrer heraus. Man verbündetet sich mit den Kleinkönigen von Palästina, Phönikien und Juda, um die Ostgrenze zu sichern. Doch man unterschätze die Jungs. Wie bekannt ist vertrieben die Assyrer die Nubier. Die Kräfte des Choas schienen wieder erwacht zu sein und Taharqas Tod wurde zum Jüngsten Tag der Ermordung des Osiris. Tanwetamani konnte Ägypten zwar für ein lausiges Jahr zurückerobern, aber die Assyrer waren doch stärker...


Zitat:
Ich möchte noch ergänzen, dass man nicht vergessen sollte, dass die Kuschiten auch einige Jahrzehnte Ägypten als 25.Dynastie regierten


Diese kurzen 5 Jahrzehnte waren der einzige Grund für die Erwähnung der "Sonnenverbrannten Gesichter" durch Manetho und spätere Historiker. Für die Griechen die lange nach den Kuschiten nach Ägypten kamen, war Nubien nur noch die Legende von einem fernen "Äthiopien" von einem Volk "untatliger Männer" das Land wurde schlechthin zum Gottesland. Sogar die Bibel berichtet von den Kutschern , nein Scherz, Kuschiten.


Zitat:
Bemerkenswert finde ich, dass die kuschitischen Herrscher  die ägyptischen Traditionen sehr achteten und pflegten, was ja doch ungewöhnlich ist, wenn man bedenkt, dass Kusch über jahrhunderte von Ägypten unterdrückt wurde.


Bezogen auf die spätere Zeit. Man hatte großes Interesse am ägyptischen Glauben und sie sahen sich als die Söhne Amuns (siehe oben). Weiterhin vermischten sich die Kulturen durch die Kolonialisierung. Das gilt beispielsweise für die Götter, aber es gibt auch echte nubische Götter wie: Apedemak , Aqedis, Arensnuphis, Breith, Dendun, Mas, Harsiese, Mandulis ...

Nubien besitzt eigene Züge und hat nicht alles von den Ägyptern abgeschaut wie einige behaupten. Dies zeigt sich in der Schrift sowie auch im Pyramidenbau. Der Sudan ist immer noch eine historische terra incognita und erst langsam beginnen die Ägyptologen dort aktiv zu werden.

Thomas
> Antwort auf Beitrag vom: 20.04.2002 um 18:38:39  Gehe zu Beitrag
manetho  maennlich
Member

  

Re: kutscher (oder so was) 
« Antwort #5, Datum: 23.04.2002 um 18:50:17 »   


Zitat:
Erst Kaschta erlangte die Oberhoheit über Oberägypten. Alara gilt als Fürst. Er wird auch als Häuptling von Taharqa bezeichnet.


Alara (auch Alul) ist wohl der eigentliche Begründer der Kuschitendynastie, der 25. Dynastie, er wird allerdings nur in Quellen aus späterer Zeit bezeugt.
Er trägt unter anderem die Titel "Fürst, Sohn des Re´"sowie  "König". Dies findet sich wohl so in Stelen des Taharqa aus Kawa und Stelen des Nastasen aus Dongola.
Allerdings: Wenn er auch König war, so regierte er noch nicht in Ägypten selbst.

Oder liege ich da falsch?
> Antwort auf Beitrag vom: 23.04.2002 um 18:15:24  Gehe zu Beitrag
Apedemak  maennlich
Administrator

  

Re: kutscher (oder so was) 
« Antwort #6, Datum: 23.04.2002 um 19:19:45 »   


Zitat:
Er trägt unter anderem die Titel "Fürst, Sohn des Re´"sowie  "König".


Taharqa weiß zwar zu berichten, dass sich Alara gegen einen Mitbewerber durchsetzen konnte, und nachdem er sein Vertrauen in Amun gesetzt habe, von diesem als König eingesetzt worden sei, aber das sind alles mehr postume Quellen. Sohn des Rè ist mir nicht bekannt. Alara nennt sich "Sohn des Amuns" und sein Name kann mit Sicherheit als "geliebt von Amun" identifieziert werden.


Zitat:
Dies findet sich wohl so in Stelen des Taharqa aus Kawa


Alara stiftete übrigens auch eine Stele für Kawa, die ihm beim opfern vor Amun zeigt. Befindet sich in Kopenhagen.


Zitat:
Wenn er auch König war, so regierte er noch nicht in Ägypten selbst.


Obwohl er sich als Pharao gebärdet, wagt er noch nicht, die volle Königswürde zu beanspruchen. Er nennt sich "Sohn des Amun", legt sich einzelne Königliche Epitheta zu, schreibt seinen Namen in Kartuschen und gibt sich den Thronnamen seines älteren Zeitgenossen in Ägypten, des Königs Scheschonk III. (um 825-773 v. Chr.), nennt sich jedoch selbst nie nsw (König) und trägt auch keinen Uräus.

Sein Nachfolger Kaschta ist da nicht so ängstlich er nennt sich doch glatt nsw~bjtj und setzt sich somit gleich mit den ägyptischen Pharaonen.

Die Angaben über diese Dynastie variieren von Buch zu Buch sehr häufig. Aber in der Sudanarchäologie an den Unis ist Alara nun mal ein Fürst der ein obernubisches Reich schuf.
> Antwort auf Beitrag vom: 23.04.2002 um 18:50:17  Gehe zu Beitrag
Thema wurde als gelöst markiert. Vielen Dank für eure Beiträge :-).
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