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   Alltagsleben der Ägypter (219)
   Raumausstattung (9)
  Autor/in  Thema: Raumausstattung
Sadjehuti  
Gast

  
Raumausstattung 
« Datum: 15.05.2003 um 19:56:39 »     

Hi,
war die Raumausstattung im alten Ägypten wirklich so "bescheiden", und war das Bett wirklich so unbequem, zum Beispiel die Kopfstütze?

Marcel
Gitta  
Gast

  
Re: Raumausstattung 
« Antwort #1, Datum: 15.05.2003 um 21:30:00 »     

Hi Marcel,

leider weiß man ja nicht, was die Ägypter unter Bequemlichkeit verstanden. Aber die Sache mit den Kopfstützen habe ich mir auch schon oft überlegt. Ich könnte so jedenfalls nicht schlafen. Man kennt Kopfstützen m.E. nur aus Grabausstattungen. Vielleicht waren sie gar nicht wirklich zum Schlafen gedacht, sondern nur als Kultgegenstand zum Schutz des Kopfes der Mumie. Es war äußerst wichtig, dass der Kopf unversehrt blieb. Und wenn man sich im Museum die Kultbetten von Tut-anch-Amun anschaut, hat man den Eindruck, als wären die Füße am unteren Ende kürzer. Also eine leicht nach unten abfallende Schlafstatt. Vielleicht hatte auch das eine bestimmte Bedeutung für den Jenseitskult. Die "Verdammten" in der dunklen Unterwelt, vergleichbar vielleicht mit der Hölle, müssen teilweise kopfüber gehen, was für die Ägypter wohl eine ziemlich schlimme Vorstellung war. Eventuell wollte man dem mit den leicht schrägen Betten einfach nochmal mit Nachdruck entgegenwirken.

Die einfachen Leute werden in den meisten Fällen kein Bett gehabt haben, sondern eine gemauerte Bank, die mit Matten belegt wurde, oder einfache Matten am Boden, z.B. im Sommer auf den Dachterassen der Häuser. Betten waren eine kostspielige Angelegenheit und wie Truhen oder Geschirr wertvolle Erbstücke, wenn jemand verstarb.

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 15.05.2003 um 19:56:39  Gehe zu Beitrag
Sadjehuti  
Gast - Themenstarter

  
Re: Raumausstattung 
« Antwort #2, Datum: 15.05.2003 um 21:48:33 »     

Hallo Gitta,
aber in "Die Mumie" sieht man zum Beispiel Vorhänge!

Und hatten die auch schon Schränke, Regale, Schreibtische etc.???

Marcel
> Antwort auf Beitrag vom: 15.05.2003 um 21:30:00  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Raumausstattung 
« Antwort #3, Datum: 15.05.2003 um 22:04:59 »     

Die Mumie ist halt ein Film. Aber vielleicht gabs auch Vorhänge. Das Problem ist, dass von denen nichts übrig geblieben ist, und wenn, wird es schwer nachzuweisen sein, dass es sich um einen Vorhang und nicht um ein Kleidungsstück gehandelt hat. Teile von Tut's Grabausstattung waren auch mit sowas Ähnlichem wie Vorhängen bzw. feinen Leinengeweben bedeckt.


Zitat:
Und hatten die auch schon Schränke, Regale, Schreibtische etc.


Du kannst ja Sachen fragen  

Schränke gab es sicherlich nicht. In zeitgenössischen Darstellungen sieht man nur Truhen zum Aufbewahren von irgendwelchen Dingen. Einige hat man ja auch gefunden.

Und Schreibtische? Schreiber sitzen immer im Schneidersitz und haben den Papyrus auf dem Schoß. Wahrscheinlich ließen sich die Rollen da besser bändigen als auf einem Tisch. Einen am Tisch sitzenden Schreiber habe ich noch nie gesehen.

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 15.05.2003 um 21:48:33  Gehe zu Beitrag
Sadjehuti  
Gast - Themenstarter

  
Re: Raumausstattung 
« Antwort #4, Datum: 15.05.2003 um 22:22:15 »     

Hallo Gitta,
was ist denn dann mit den Schreinen, wie z.B. der in Tutanchamuns Grab? Mit ein bisschen Phantasie hat das doch auch Ähnlichkeit mit einem Schrank, wie wir ihn kennen!
Tische und Regale hatten sie auch schon (einem meiner Bücher zufolge)!
Es könnte ja auch sein, dass das nur so ein Gedanke war, wie wir heute denken, ein Künstler malt an der Staffelei(was ja nicht immer der Fall ist)!

Marcel  
> Antwort auf Beitrag vom: 15.05.2003 um 22:04:59  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Raumausstattung 
« Antwort #5, Datum: 15.05.2003 um 22:35:32 »   

Hi Marcel,

vergiss nicht, die Ausstattung in Tutankhamuns Grab ist die eines Königs! Zum Teil wurden die Möbel speziell für die Grabausstattung hergestellt, die waren nie für den Gebrauch vorgesehen - andere Teile zeigen eindeutig Gebrauchsspuren.

Tische und Regale sind seit dem Alten Reich belegt (durch Darstellungen), aber Schränke lassen sich m.W. nach nicht nachweisen. Aufbewahrt wurden Dinge in Truhen, Kisten, Kästen, (Ton-)Gefäßen. Je ärmer ein Haushalt war, umso weniger gute Möbel gab es, da mußten dann schon mal einfache Körbe herhalten.

Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 15.05.2003 um 22:22:15  Gehe zu Beitrag
Sadjehuti  
Gast - Themenstarter

  
Re: Raumausstattung 
« Antwort #6, Datum: 15.05.2003 um 22:44:15 »     

Aber die Schreine in Tempeln hatten doch auch Ähnlichkeit mit Schränken, oder?

Marcel
> Antwort auf Beitrag vom: 15.05.2003 um 22:35:32  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Raumausstattung 
« Antwort #7, Datum: 15.05.2003 um 22:47:48 »     

Ich habe hier mal einen Auszug aus einem Vortrag des Ägyptischen Museums Berlin. Da steht eine ganze Menge drin zu diesem Thema:

"Kommen wir nun zum Wohnkomfort. Von den erhaltenen Einrichtungsgegenständen stammt der größte Teil aus Gräbern und hier vor allem aus den Gräbern der Wohlhabenden. Aus dieser Tatsache darf allerdings nicht geschlossen werden, dass den Gegenständen des täglichen Lebens wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die Ägypter waren sehr wohl daran interessiert, sich ihr diesseitiges Leben so angenehm und bequem wie möglich zu gestalten. Natürlich finden sich aufgrund der sozielen Stellung auch bei der Ausstattung der Häuser Unterschiede zwischen den einzelnen Bevölkerungsschichten. Die schönsten und kostbarsten Gegenstände besaßen ohne Frage die reicheren Gesellschaftsschichten. Über deren Wohnverhältnisse wissen wir letztendlich auch am besten Bescheid. Fest steht, dass die Ägypter wesentlich weniger Möbelstücke ihr Eigen nannten als es heutzutage der Fall ist. Ohne Zweifel besaßen die Wohlhabenden auch mehr Mobiliar als die Arbeiter, Handwerker und Bauern. Zudem waren die Sachen, wie gesagt, aus edleren Materialien und in besserer Qualität gefertigt. Dennoch hatten auch die einfachen Leute einen gewissen persönlichen Besitz an Möbeln, Geschirr, Kleidung u.a., aber eben in einer einfacheren Ausführung. Derartige Unterschiede finden sich ja heute auch.

Zur "Wohnungseinrichtung"
Möbel waren hauptsächlich aus Holz gefertigt. Sie zeigten meist eine hohe handwerkliche Qualität und eine kunstvolle Gestaltung/Design. Im NR z.B. waren in Ägypten gefertigte Gegenstände eine begehrte Exportware. Beginnen wir mit den Sitz- und Liegemöbeln:  

Sitzmöbel
Wie auch heute noch, saß der einfache Ägypter auf dem Boden bzw. auf einer auf dem Boden liegenden Matte. In den vornehmeren Häusern gab es aus Lehmziegeln gemauerte Sitzbänke - Sie erinnern sich. Ferner saß man auf niedrigen Schemeln, Hockern oder Stühlen. Übrigens: von Grabdarstellungen wissen wir, dass auch Handwerker bei der Arbeit sowie Händler beim Warenverkauf auf einem Hocker saßen. Hocker und Schemel als Sitzmöbel waren in allen Bevölkerungsschichten anzutreffen, auch beim Pharao. Es gab neben drei- und vierbeinigen Schemeln oder Hockern auch Klapphocker. Stühle galten eigentlich als Statussymbol der Vornehmen. So sind die meisten erhaltenen Stühle auch aus kostbaren Hölzern und mit aufwändigen Schnitzereien oder Einlegearbeiten versehen. Dennoch wurden, wie wir von Ostraka wissen, z.B. auch in Deir el-Medine Stühle zum Verkauf angeboten, aber nur ganz schlichte, einfache Exemplare. Dennoch, so ein Stuhl kostete zwischen 4 und 8 deben. Wenn man bedenkt, dass der Monatslohn eines Vorarbeiters 9 1/2 deben betrug, so dürfte klar sein, dass auch ein simpler Stuhl zum Luxusgegenstand wurde. Ein Kupferdeben war ein genormtes Gewicht von 91 g (8 Kupferdeben = 1 Silberschatig (7,6 g)). Übrigens: die altägyptischen Stühle waren niedriger als unsere heutigen: 25 bis 30 cm im Gegensatz zu heute 45 cm. Wie gesagt, der König und die Oberschicht saßen auf kostbaren und kunstvoll gefertigen Sitzmöblen mit Intarsien, Beinen in Form von Löwenpranken, Armlehnen mit Löwenköpfen u.a. Ein gutes Beispiel ist hier wiederum Tutanchamun. Unter seiner Grabausstattung waren zwei Thronsessel unterschiedlicher Größe. Das bedeutet, dass sie zu Lebzeiten vom König benutzt wurden. Häufig legte man zusätzlich ein Kissen oder Polster auf den Stuhl/Sessel/Thron, zumindest in besser gestellten Haushalten. Ausserdem zeigen uns Abbildungen, dass vor den Stühlen häufig Fußbänke standen. Darstellungen in Plastik und Relief zeigen Ehepaare auf Bänken sitzend. Dass dies auch wirklich der Fall war, bestätigen einige erhaltene Exemplare derartiger Bänke, obwohl sie eher wie breite Stühle aussehen. Wenn wir davon ausgehen, dass die Ägypter in der Regel kleiner und schlanker waren als wir heutzutage, so haben zwei Personen auf solch einer Bank sicherlich Platz gefunden."

Fortsetzung folgt (ist zu lang für ein Posting)
> Antwort auf Beitrag vom: 15.05.2003 um 22:44:15  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Raumausstattung 
« Antwort #8, Datum: 15.05.2003 um 22:48:14 »     


"Schlafstätten
Die einfachen Leute schliefen meist auf am Boden liegenden Matten, Strohsäcken, Decken oder eventuell Fellen. Es gab für 2 deben zwar auch ganz einfache Liegen, aber im NR verdiente ein Arbeiter 6 bis 7 deben im Monat, also noch 2 bis 3 deben weniger als der schon erwähnte Vorarbeiter. Man musste wohl doch einige Zeit sparen, um sich eine Liege leisten zu können. In der Regel schlief wohl auch nur der Hausherr auf einer Liege bzw. in einem Bett. Ferner gab es ja auch noch die bereits erwähnten Ziegelbänke, die sowohl als Sitz- als auch als Schlafplatz dienen konnten. Richtige Betten waren mit 10 bis 20 deben auch sehr teuer: Männerbett ca. 20 deben, Frauenbett ca. 12 bis 15 deben. Als Bettwäsche nahm man Leinentücher. Da es zuweilen auch in Ägypten empfindlich kalt werden kann, benutzte man Decken und Felle zum Zudecken. Als Unterlage dienten teilweise auch Matratzen (5 deben). Es gab auch Bettlaken von unterschiedlicher Qualität, wie die Preise von 3 bis 33 deben zeigen. Das Bett der Hetep-heres I (4. Dynastie, Mutter von Cheops) mit Beinen in Form von Löwenfüßen, das sich in ihrem Grabschatz befand, kann als ihr Ruhelager im Jenseits angesehen werden. Bei der Auffindung lagen auch Leinendecken auf dem Bett. Ferner gehört ein Holzgestell dazu, welches einst ein Moskitonetz hielt. Also nicht an ein Himmelbett denken, wenn Sie dieses Gestell in der Literatur irgendwo finden. Wie bei Hetep-heres so gehörte zur Ausstattung eines Bettes oder Ruhelagers auch eine Kopfstütze. Die Modelle variierten in den verschiedenen Epochen in Gestalt und Material. Die Kopfstütze der Hetep-heres war z.B. gepolstert. Das Grab des Tutanchamun enthielt u.a. eine Kopfstütze in Form des Luftgottes Schu und eine andere z.B. in Form eines Klapphockers. Reiche konnten sich Modelle aus ausländischen Hölzern, Elfenbein o.ä. leisten. Die bescheideneren Modelle waren aus Holz oder auch Stein. Ob man durch eine Kopfstütze eine angenehme Schlafposition einnehmen konnte, weiß ich nicht. Die meisten Exemplare sind relativ hoch. Somit war auch der Kopf unnatürlich hoch gelagert und die Wirbelsäule abgeknickt. Auch wenn ein Polster dazu kam, stelle ich mir die ganze Angelegenheit relativ unbequem vor. Man lag wohl meist auf dem Rücken oder auf der Seite. Um nicht umzukippen, mußte man sicherlich sehr ruhig liegen. Die Ägypter werden die entsprechende Schlaftechnik schon beherrscht haben. Ausserdem: es gibt heute noch afrikanische Völker, die Kopfstützen verwenden.  Ich möchte hier noch darauf aufmerksam machen, dass Kopfstützen auch im funerären Bereich eingesetzt wurden. Die Kopfstütze hielt den Kopf der Mumie und verhinderte, dass er vom Körper abgetrennt wurde. Im Totenbuch, Spruch 166, lautet eine Beschwörungsformel: "Dein Kopf ruht auf einer Stütze, er kann dir nicht fortgenommen werden bis in die Ewigkeit".  Somit war die Kopfstütze also ein Garant für die Unversehrtheit dieses Mumienbereiches, denn zweifelsohne stellt die Halspartie eine Schwachstelle des Körpers dar.

Soweit zu den Sitz- und Liegemöbeln. Welche anderen Möbelstücke besaßen die Ägypter noch? Schrankwände und selbst Schränke waren unbekannt. Als Verwahrungsgegenstand wurden hauptsächlich Truhen, Kisten und Kästchen verwendet, wobei die größtenteils gut gearbeiteten Truhen wohl schon ein Luxusgegenstand waren. Die meisten Dinge des täglichen Lebens verstaute man in geflochtenen Körben und in Krügen unterschiedlicher Größe. Zudem gab es ja in den Häusern Nischen, die als Ablageplatz dienten. Es ist ja noch gar nicht so lang her, dass auch hier in unserem Breitengraden Kleidung, Wäsche u.ä. in Truhen aufbewahrt wurde. Wie bei anderen Gegenständen, so konnte sich nur die Oberschicht reich verzierte und mit Intarsien eingelegte Truhen leisten. Für die untere Bevölkerungsschicht war dies meist unerschwinglich und man mußte sich daher mit einfachen Ausführungen zufrieden geben. Auch hier wieder einige Zahlen zur Verdeutlichung: ein einfacher Holzkasten kostete je nach Größe zwischen 1 und 3 deben, eine kleinere Truhe im Durchschnitt 2 1/2 deben, eine große Kleidertruhe etwa 10 deben. Es ist sicherlich nicht falsch anzunehmen, dass derartige Stücke ein Leben lang halten mussten und wohl auch weitervererbt wurden, sofern sie nicht mit ins Grab gegeben wurden.  Zur Hausausstattung gehörten bestimmt auch einfache, niedrige Tische. Zwar gibt es in der Forschung dazu unterschiedliche Meinungen, aber wenn wir z.B. an die Speisetischszenen aus dem AR denken, so haben wir hier, meine ich, einen Beleg dafür.

Geschirr
Zu einem kompletten Haushalt gehört selbstverständlich auch Geschirr. Bereits seit der vordynastischen Zeit sind Keramik- und Steingefäße der unterschiedlichsten Art, wie Krüge, Becher, Schalen, Schüsseln usw. belegt. Da diese Gefäße nicht nur in Gräbern gefunden wurden, sondern auch im Siedlungsschutt, steht fest, dass es sich nicht nur um Grabausstattungsgegenstände handelt, sondern auch um ehche Haushaltswaren. Zur Aufbewahrung von Getreide, Wasser, Wein, Bier benutzte man große Gefäße mit einer bauchigen Form oder Amphoren mit spitz zulaufendem Boden. Diese wurden in den Sand oder in Gefäßständer gestellt. Speisen servierte man in Schalen, Näpfen und Schüsseln. Auch hier konnten Form und Material variieren. Getrunken wurde überwiegend aus Bechern oder Krügen, aber auch aus Schalen.

Küchengeräte
Wie wir wissen, befand sich die Küche meist in der Nähe des Wirtschaftshofes. Wegen der Feuergefahr war der Küchenraum nie großartig solide gebaut. Das Dach bestand aus Binsenstroh, also aus vergänglichem Material und teilweise die Wände auch. Zumindest deuten Fundspuren in Amarna darauf hin. Ich erwähnte bereits, dass z.T. auch auf dem Dach gekocht wurde. Die Kochstelle bestand aus einer Lehmmulde, die einen wellenförmige hochgezogenen Rand hatte. Darauf stelle man das sehr schlichte, meist aus Ton gefertigte Kochgeschirr. Bronzetöpfe kamen erst in der Spätzeit auf."

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 15.05.2003 um 22:47:48  Gehe zu Beitrag
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