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   FREUNDSCHAFT (17)
  Autor/in  Thema: FREUNDSCHAFT
Gast aus Wien  
Gast

  
FREUNDSCHAFT 
« Datum: 19.04.2005 um 16:47:36 »     

Also, mir ist aufgefallen, dass es in der Ägyptologie viele Aufsätze und Arbeiten über Familie und Ehe gibt, doch wie steht es mit Freundschaft?

Ich mein dabei aber nicht freundschaftliche Beziehungen auf politischer Ebene.
Irjnefer_d.J.  
Gast

  
Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #1, Datum: 19.04.2005 um 18:04:32 »     

Hallo Herr / Frau Wien,

was willst Du denn wissen ?
> Antwort auf Beitrag vom: 19.04.2005 um 16:47:36  Gehe zu Beitrag
Gast aus Wien  
Gast - Themenstarter

  
Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #2, Datum: 19.04.2005 um 20:41:29 »     

Frau Wien, danke!  

Also, wie wurde Freundschaft definiert?
Gab es auch Maximen für Freundschaft?
Briefe/Geschichten/Belege für Freundschaften?
Sowas in der Art.
> Antwort auf Beitrag vom: 19.04.2005 um 18:04:32  Gehe zu Beitrag
Irjnefer_d.J.  
Gast

  
Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #3, Datum: 20.04.2005 um 18:44:43 »     

Männer- und Frauenfreundschaften haben evtl. nicht
viel Stoff abgegeben (- vielleicht den Briefwechsel
des "Hori" mit einem Mitschüler [Papyrus Anastasi] -),

aber was hältst Du von der wunderbaren Liebeslyrik ?

Irjnefer d.J.
> Antwort auf Beitrag vom: 19.04.2005 um 20:41:29  Gehe zu Beitrag
Gast aus Wien  
Gast - Themenstarter

  
Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #4, Datum: 21.04.2005 um 00:06:21 »     

Das denk ich mir auch, trotzdem wollt ich mal nachfragen, weil es mich doch sehr verwundert, dass kaum freundschaftlicher Briefwechsel erhalten ist. Hatten die damals keine Brieffreunde!

Ohja die Liebeslyrik!!!
Glücklich bin ich
wenn sie mich küsst
und ihr Mund ist offen
auch ohne Bier....

ich liebe sie einfach die Liebeslyrik!
> Antwort auf Beitrag vom: 20.04.2005 um 18:44:43  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #5, Datum: 21.04.2005 um 10:06:08 »   

Hatten die damals (private) Briefe?

Ich schlage vor, etwas mehr Substanz beizubringen.

Gruss, Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 21.04.2005 um 00:06:21  Gehe zu Beitrag
JMK  
Gast

  
Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #6, Datum: 21.04.2005 um 10:36:17 »     

also, ähem, *räusper*  

lieber Iufaa, natürlich gibt es zahlreiche Beispiele für privaten Briefverkehr, voll von Alltags-Tralala und Belanglosigkeiten.

Dazu mußten die Menschen ja nicht mal selbst schreiben können, sondern konnten damit einen Berufsschreiber beauftragen und ihm den Brief diktieren.

Ob in den überlieferten Briefen (und Fragmenten) tatsächlich etwas Substanzielles über "Freundschaft" herauszuholen ist, vermag ich jedoch nicht zu sagen.

Tschüss

Crossinger
> Antwort auf Beitrag vom: 21.04.2005 um 10:06:08  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #7, Datum: 21.04.2005 um 11:16:06 »   

Hi Crossinger,

natürlich gibt es verschriftete private Mitteilungen (wahrscheinlich mit allem alttäglichen Kram, der so "anfällt"). Im Oxyrhynchus- Bezirk z.B. haben die Engländer ja einiges ausgegraben, neben Verwaltungsdokumente, pornographischen Romanen, Dichtung eben auch private Briefe - das meiste davon wohl unpubliziert, weil nur schwer oder gar nicht lesbar (siehe auch FAZ von heute).
Aber der Begriff "Brieffreundschaft" ist recht modern, ob man den so ohne weiteres ins aÄ transportieren darf? Möglicherweise wird der eine oder andere Papyrusfetzen Texte beeinhalten, die auf so etwas hindeuten, aber um eine anhaltende Pflege persönlicher Kontakte (Freundschaft) über eine größere räumliche und zeitliche Distanz nachweisen zu können, braucht es wohl mehr als ein paar Fetzen.

Schön, dass es Dich noch gibt.

Liebe Grüße, Iufaa
« Letzte Änderung: 21.04.2005 um 11:16:52 von Iufaa »
> Antwort auf Beitrag vom: 21.04.2005 um 10:36:17  Gehe zu Beitrag
JMK  
Gast

  
Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #8, Datum: 21.04.2005 um 12:12:39 »     

Hallo Iufaa,

ja ja, ich lebe noch... bin halt nur noch sporadisch zum Thema Ägypten/Ägyptologie im Netz unterwegs.

Im Bezug auf den Terminus "Brieffreundschaft" gebe ich Dir Recht! Das ist eher eine moderne Definition. Aber auf Deine recht allgemeine Frage


Zitat:
Hatten die damals (private) Briefe?


mußte ich einfach so reagieren!  

Viele Grüße

Crossinger
> Antwort auf Beitrag vom: 21.04.2005 um 11:16:06  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #9, Datum: 21.04.2005 um 12:30:19 »   

Hi Crossinger,

die Reaktion ist vöölig ok. Ich denke, an der Stelle muss man die Diskussion wohl anfangen, wenn man Aussagen darüber machen will, was an Information überhaupt vorliegt.

Gruss, Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 21.04.2005 um 12:12:39  Gehe zu Beitrag
Gast aus Wien  
Gast - Themenstarter

  
Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #10, Datum: 25.04.2005 um 12:32:55 »     

Dass der begriff Brieffreundschaft modern ist, ist mir schon  klar.
Deswegen will ich ja nicht nur auf Briefe beschränken, sondern vielleicht auch auf Erzählungen/Märchen usw, auch Inschriften.
Wurde zum Beispiel in irgendeinem Grab, in jenen schönen Biografie-Inschriften der oberen Zehntausend auch auf einen Freund hingewiesen? In irgendeiner Hinsicht.

Mir ist nur noch bekannt, dass in Ptahhoteps Maxime zur "Warnung vor der Frau" eben gesagt wird:
"Wenn du eintrittst in ein Haus, als Vorgesetzter, Bruder oder FREUND....." gibt es noch emhr solche Beispiele in Maximen?
> Antwort auf Beitrag vom: 21.04.2005 um 12:30:19  Gehe zu Beitrag
monja  weiblich
Member

  

Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #11, Datum: 25.04.2005 um 16:38:34 »   

Moin, Moin Gast aus Wien,

… es gibt ein Graffito, welches ich in meinem Referat über Butehamun kurz erwähnte, da wird der Begriff Freund erwähnt, wenn auch in einem anderen Zusammenhang, mehr als Vergleich.

Hier der kurze Absatz dazu:

In einem Grab, des Arbeiters Nakhte-Min, aus der 18. Dynastie, schrieb ein Sohn des Butheamun, Anch-ef-en amon, in etwa folgendes:
"Ich mag an ihn denken, als einen liebevollen und humorvollen Freund."
Er scheint sagen zu wollen, "wir machten zusammen unsere Zeichen (Graffiti), dies ist mein letztes Zeichen für Dich" … " Der Westen gehört Dir (wartet auf Dich?) es ist alles vorbereitet. Alles Gepriesene ist (darin) versteckt. Übeltäter werden es nicht betreten können, noch sonstige sündhaften (schuldigen) Personen."


Nachzulesen im Ägyptologieblatt hier im Forum.

Gruß Monja

PS.: Ich persönlich fände es schöner, wenn bei Anfragen ein Name dabei wäre, den man ansprechen kann, oder/auch ein Gruß – Unterschrift wäre auch nicht schlecht  
> Antwort auf Beitrag vom: 25.04.2005 um 12:32:55  Gehe zu Beitrag
JMK  
Gast

  
Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #12, Datum: 25.04.2005 um 18:25:27 »     

Also, Frau Wien...

Nicht nur der "Brieffreund" ist modern, sondern auch das Thema, das wir hier gerade erörtern. Erst seit wenigen Jahren halten soziologische Themen Einzug in die Ägyptologie  (und "Freundschaft" mit allem, was da dranhängt, gehört sicher dazu!). Ich wüßte daher auch keine Monographie zu dem Thema und man muß sich die spärlichen Hinweise mühsam zusammensuchen. Eine zufriedenstellende Aussage ist zu diesem Zeitpunkt nicht möglich und ich bin offen gestanden auch ein wenig skeptisch, ob da viel mehr herauszuholen ist, was über reine Spekulationen zu altägyptischen Befindlichekiten hinausgeht.

Wie Freundschaft im Alltag aussah, darüber können einige Einzelfunde Auskunft geben, etwa die Stele für Neferhotep, die nach dessen Tod von einem Freund gestiftet wurde, da es offenbar keine Familie gab. (JEA 63, 1977, S.63 ff.)

Der Thematik am nächsten kommt vielleicht ein Aufsatz von D. Sweeney "Friendship and Frustration: A Study in Papyri Deir el-Medina IV-VI" (JEA 84, 1998, S.101 ff.), in dem anhand des Inhaltes von Briefen (!) über einen Streit zwischen Freunden berichtet wird.

Das alles sind jedoch nur Einzelaspekte, die - zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt - noch kein vernünftiges Gesamtbild ergeben.


Tschüss

Crossinger
> Antwort auf Beitrag vom: 25.04.2005 um 12:32:55  Gehe zu Beitrag
Gast aus Wien  
Gast - Themenstarter

  
Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #13, Datum: 25.04.2005 um 19:16:33 »     

Hallo!

Danke, genau so Kleinigkeiten suche ich!
Irgendwelche Futzelchen, die auf Freundschaft hindeuten und wie Freundschaft, ein guter Freund, gesehen wurde....Super!

Mir ist durchaus bewusst, dass es noch keine Monografie darüber gibt, aber da ich gerade ein Thema für meine Magisterarbeit suche, und mir dieser Beriech während enes Seminar-Referates regelrecht ins Hirn sprang, wollte ich mal testen oder nachfragen oder vorfühlen, ob dieses Thema Sinn machen würde oder nicht.

Und bei all dieser Kleinigkeitssuche vergisst man(frau) doch glat ihren Namen!

lg, Ulli
> Antwort auf Beitrag vom: 25.04.2005 um 18:25:27  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: FREUNDSCHAFT 
« Antwort #14, Datum: 25.04.2005 um 20:06:35 »   

Hallo, Ulli aus Wien,

die Weisheitslehren bieten einige Hinweise zum Thema (die folgenden Zitate sind aus: Hellmut Brunner, Altägyptische Weisheit. Lehren für das Leben, Zürich und München, 1988):

Die Lehre des Ptahhotep

XX
"Wenn du die Freundschaft erhalten willst
in einem Haus, zu dem du Zutritt hast
als 'Sohn', als 'Bruder' oder als Freund
- in welchem Verhältnis du auch stehen magst -,
hüte dich, den Frauen nahezukommen!" (S. 120-121)

XXI
"Gib deinen Freunden ab von dem, was dir zuteil geworden ist,
es ist ja nur gekommen durch Gottes Gnade.
Von einem, der seinen Freunden nichts abgibt,
sagt man: 'Das ist ein egoistischer Mensch!' usw." (S. 121)

XXXIII
"Wenn du den Charakter eines Freundes prüfen willst,
dann hole nicht Auskünfte ein, sondern gehe selbst hin
und regle die Sache mit ihm allein,
bis du durch sein Wesen nicht mehr beunruhigt bist. usw." (S. 126)

XXXV
"Sei nicht schäbig gegen deine Freunde,
sie sind ein fruchtbarer Acker (für einen Mann), den er bewässern soll,
sie sind wichtiger für ihn als seine Schätze;
was dem einen gehört, gehört auch dem anderen." (S. 127)


Sprüche des Papyrus Ramesseum II

"Haltungen, die gegenüber einem Fernstehenden richtig sind,
sind schädlich gegenüber einem Freund." (S. 206)


Spruchsammlung des Anch-Scheschonki

"Kein Freund stirbt einsam." (S. 285)

"Nimm dir keinen Kaufmann zum Freund, der lebt nur, um sich sein Stück abzuschneiden." (S. 290)


Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 25.04.2005 um 19:16:33  Gehe zu Beitrag
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