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   Bierbrauen im Alten Reich (4)
  Autor/in  Thema: Bierbrauen im Alten Reich
Duplex  maennlich
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Bierbrauen im Alten Reich 
« Datum: 23.01.2009 um 14:04:23 »   

Für die Interessierten habe ich hier eine erste Zusammenfassung meiner Arbeit.

Zurzeit ist erst die Darstellungsanalyse über die Braumethodik im alten Ägypten fertig geschrieben(Darstellungen stammen aus der Mastaba des Ti's. Danke an dieser Stelle nochmals an Neb-Maat-Ra, der mir den Link zu den Bildern gegeben hat).

Jedoch habe ich auch bereits das Bier nachgebraut. Es schmeckt stark nach Hefe, ist bitter und schal (aufgrund fehlendem Gas). Wenn Interesse besteht kann ich auch das von mir erarbeitete Rezept euch mitteilen .

Nun mal eine erste Schrittanalyse (kursiv geschriebene Punkte weisen auf unsicherheiten in der Deutung hin):


- Vollbild -


1. Ein Arbeiter entnimmt einem Getreidesilo Gerste. Wir kennen die präzise Kornart, da bei der Beischrift von Schritt 3 von gekeimter Gerste gesprochen wird.

2. Dieses Szenenbild stellt die Vorlese dar, um Fremdkörper wie Steinchen herauszulesen. Zuerst wurde gesiebt und dann die Körner am Boden nochmals auf Mängel angeschaut.

Ab hier scheint die Reihenfolge vertauscht. Der Grund ist mir nicht bekannt aber, aus logischen Gründen muss der Ablauf nach meiner Nummerierung weiterlaufen.

3. Zwei Männer zerstampfen das Getreide. Wie noch heute in Afrika gängig, geschieht dies mit einem langen Holzstab, der in eine Schale, in der sich die Gerste befindet, hineingeschlagen wird. Ein nachgestellter Versuch hat gezeigt, dass dieser Schritt nicht reicht, um die Körner zu teilen. Es werden lediglich die Körner von den Spelzen 2 befreit.  

4. Leider fehlt hier ein grosses Stück der Abbildung. Die Figur unterscheidet sich aber deutlich von den Folgenden (von Schritt 5). Vermutlich handelte es sich um eine Frau, die das Getreide worfelt. Beim Worfeln wird das Getreide in einer flachen Schale hochgeworfen. Die leichteren Spelzen werden dann vom Wind weggetragen, während das Korn zurückfällt. Auch wenn nicht abgebildet, wurde vermutlich noch eine Nachlese von Hand vorgenommen.

5. Nun folgen drei Abbildungen von Mahl- und Siebvorgängen. Die Anzahl scheint mir mehr einen Hinweis auf häufiges Wiederholen, als auf eine Mengenangabe. Das Sieben war von immenser Bedeutung, da immer kleinste Steinchen vom Mahlstein abbröckelten und sich unter das Korn-mehl mischten. Die Zähne der ägyptischen Mumien zeigen an ihren Zäh-nen Abnutzungen von gerade diesen Steinchen. Sie wurden zwar aus dem Mehl heraus gesiebt und gelesen, doch es konnte nicht verhindert werden, dass trotzdem einzelne Kleinststeinchen übersehen wurden.

6. Die letzte Figur dieser Reihe zeigt schliesslich einen Mann der sich Notizen macht. Sehr wahrscheinlich vergleicht er die Mehlmenge mit der am Anfang verarbeiteten Körnermenge, die mit Standardeinheiten gemessen wurden. Müllerinnen standen an der untersten Stufe der ägyptischen Hie-rarchie und waren häufig auch Sklavinnen. Es wurde also nicht zuletzt versucht, den Diebstahl zu unterbinden.

7. Die Beischrift weisst auf Weizen hin. Es wird hier also die zweite Zutat hinzugefügt. Da danach kein Mahlen mehr angedeutet ist, kann man davon ausgehen, dass es sich bereits um Weizenmehl handelte.

8. Auf einer flachen Platte werden nun beide Substanzen vermischt. Nicht abgebildet, aber dringend nötig, ist Wasser. Vermutlich ist es hier in einem kleinen Verhältnis zugegeben worden, da man daraus einen Teig machen wollte.

9. Die Teige werden nun zu ovalen Körpern geformt.

10. Die einzelnen Teigstücke werden nun weggetragen. Dieser Schritt scheint nur dann wichtig, wenn sich der Arbeitsort auch verändert. Waren wir bis jetzt also in einer Art „Bierbrotbäckerei“, sind wir nun in der eigentlichen Brauerei angekommen.

11. Schritt 11 gibt für sich alleine wieder wenig Sinn. Da aber im nächsten Schritt etwas gegossen wird, ist es wahrscheinlich, dass hier der Teigling mit Wasser verdünnt durch ein Sieb gedrückt wird.

12. Der flüssige Teig wird nun in die Form geleert. Die Form ist ähnlich geformt, wie die einer heutigen länglichen Kuchenform. Sie hat eine rechteckige Grundform und wird nach oben hin breiter.

13. Die Formen werden nun zu einer Pyramide aufgestapelt. Dies lässt ver-muten, dass die Formen mit einem Deckel verschlossen werden konnten.

14. Im letzten Bild dieser Reihe wird nun ein Feuer, in der gerade gestapelten Pyramide, enzündet.
Duplex  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Bierbrauen im Alten Reich 
« Antwort #1, Datum: 23.01.2009 um 14:04:47 »   


- Vollbild -


15. Das Brot wird (vermutlich zerbröckelt) in einen grossen, geflochtenen Korb gelegt. Danach wird es vom Brauer links mit Flüssigkeit übergossen. Die Flüssigkeit scheint dieses Mal von besonderer Bedeutung zu sein, da sie abgebildet wird. Durch Quellen, wie zum Beispiel aus Papyrus Boulaq 18, wissen wir, dass dem Brauer auch regelmässig Datteln geschickt wurden. Es wird sich hierbei also um Dattelsaft handeln. Die Herstellung jenes Saftes werden wir später auf anderen Abbildungen dargestellt sehen, da sie nicht im Grab des Ti’s vorkommen.
Sicherlich wurde auch noch Wasser zugegen, da der Dattelsaft Men-genmässig nicht gereicht hätte. Das Wasser wurde anscheinend aus dem benachbarten Krug genommen und danach das Brot durch den Korb gedrückt.

16. Hier ist wieder eine bewegte Szene. Es spricht vieles für einen erneuten Ortswechsel. In der Zwischenzeit dürfte sich das Bier auch am gären be-finden.

17. Ein erneuter Siebvorgang. Viele Trubteile dürfte das Bier aber eigentlich nicht mehr enthalten haben, was den Schritt sinnlos erscheint.


18. Die Töpfe fürs Bier werden im Inneren mit Lehm verschmiert. Lehm hat die praktische Eigenschaft, dass sich die Flüssigkeit schneller klärt. Der Nachteil ist, dass sich dafür am Boden eine mit Hefe und Trubteilen ver-setzte, nicht geniessbare Schicht bildet.

19. Das Bier wird in die Töpfe abgefüllt und umgehend verschlossen.

20. Zu guter letzt wird ein Siegel auf das Gefäss gesetzt. Es wird wohl neben dem Abfülldatum, das aufgrund der schnellen Verderblichkeit ein Muss ist, auch den Namen des Brauers getragen haben. Da schon die Sumerer Bestrafungen für schlechtes Bier 3 kannten, ist dies in Ägypten auch nicht unwahrscheinlich, galt doch Bier als Grundnahrungsmittel.

Die Herstellung des Dattelsaft ist auch noch in Bearbeitung.


Das Bier gärt vor sich hin. Die Innenwände wurden mit Lehm verschmiert, dass sich die Trubteile besser setzen können.

Gruss
Duplex
> Antwort auf Beitrag vom: 23.01.2009 um 14:04:23  Gehe zu Beitrag
Duplex  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Bierbrauen im Alten Reich 
« Antwort #2, Datum: 09.08.2009 um 22:33:42 »   

So hier ist die gesammte Arbeit für Interessierte. Für den Download als PDF einfach das Bild anklicken.

Gruss


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Vollbild -


Kurz zusammengefasst:
Titel: Analyse und Rekonstruktion der Braumethodik im Alten Ägypten
Umfang: 51 Seiten (Ohne Anhang)
Art der Arbeit: Matura-Arbeit (Für die Schweizer Matur)
Abgeschlossen: Februar 09
Note: 1-
Nutzungsrechte: Bei Zitieren oder sonstiger Verwendung abseits von Lesen und Nachbrauen bitte anfragen. Je nachdem gibts auch eine Version ohne Wasserzeichen.
« Letzte Änderung: 28.09.2009 um 18:16:19 von Duplex »
> Antwort auf Beitrag vom: 23.01.2009 um 14:04:47  Gehe zu Beitrag
Sobeknefer  weiblich
Member

  

Re: Bierbrauen im Alten Reich 
« Antwort #3, Datum: 15.11.2010 um 15:09:14 »   

am Insitut für Ägyptologie in München ist ebenfalls eine Magisterarbeit mit dem Thema "Bier und Bierbrauen im Alten Ägypten. Von der Vorzeit bis zum Neuen Reich" entstanden (2010)
> Antwort auf Beitrag vom: 09.08.2009 um 22:33:42  Gehe zu Beitrag
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