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   Ägyptische Götterwelt (251)
   Sinn und Zweck der Pylonen (104)
  Autor/in  Thema: Sinn und Zweck der Pylonen
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Sinn und Zweck der Pylonen 
« Antwort #75, Datum: 26.10.2005 um 10:21:35 »   

Hallo Rolf,

gerne würde ich nochmal einen Punkt aus einem früheren Beitrag (#63) aufgreifen:

Zitat:
Der zweite P y l o n des Ptolemäus XIII. (51-47) mit seinen charakteristischen Vorrichtungen war nicht (wie noch der erste und das Geburtshaus, Ptolemäus' VII. Neos Philopator, 145-?) ins natürliche Weltenkreuz (nach Süden) ausgerichtet. Das mag mit den örtlichen Verhältnissen auf der Insel zusammenhängen, die den ursprünglichen Bau eines Isis-Tempels mit derart grossen Ausmassen in dieser Ausrichtung einfach nicht zuliess.

Zunächst ist anhand des beigelegten Planes erkennbar, dass keine der Anlagen "korrekt" nach Kardinalpunkten ausgerichtet ist. Der sehr detaillierte Beitrag von G. Haeny zur Baugeschichte der Philae-Tempels und der Entwicklung der diversen Kultachsen (A Short Architectural History of Philae, in: BIFAO 85 (1985), 197-233) zeigt, dass die Annahme, alleien die Platzprobleme hätten zu Achsenverschiebungen und der „unpräzisen“ Ausrichtung nach Kardinalpunkten auf Philae geführt, zu kurz greift. Tempelposition sowie Kultachsen der ptolem. Einrichtungen orientieren sich - wie so oft - an Vorgängerbauten (in diesem Fall ein Sanktuar des Amasis, der Kiosk des Psammetik II. und das Tor Nektanebos' I.) und bereits bestehenden Prozessionswegen. Wenn man wirklich die ramessidischen Blöcke von Philae einem lokalen Kultbau zuschreiben möchte (auch eine Verschleppung vom Ostufer ist möglich) muss mit weiteren räumlichen Fixpunkten gerechnet werden, die die Ausrichtung späterer Anlagen mitbestimmten.
Auf dem angehängten Bild #1 habe ich die Lage des Vorgängerbaus rot in den ptol. Grundriß eingetragen. Desweiteren sieht man in #2 die räumliche Entwicklung, die eben zeigt, dass die mangelnde Präzision in der Ausrichtung durchaus gewollt und keine Notlösung wegen räumlicher Enge war.

Gruß A.
> Antwort auf Beitrag vom: 25.10.2005 um 19:49:36  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Sinn und Zweck der Pylonen 
« Antwort #76, Datum: 26.10.2005 um 12:53:41 »   

Danke Gast_A,

m.W. der Achsenknick in der Gesamtanlage hat ähnliche lokale Gründe wie der ramsesche Achsenknick im Luxortempel - Rücksichtnahme auf alte Strukturen (z.B. Prozesssionsweg nach Karnak).

Der Plan ist sehr hilfreich.

Gruss, Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 26.10.2005 um 10:21:35  Gehe zu Beitrag
Rolf  
Gast

  
Re: Sinn und Zweck der Pylonen 
« Antwort #77, Datum: 28.10.2005 um 05:20:09 »     

Merci Gast_A, Iufaa.

Was meint Ihr zu den Aktivitäten auf dem Dach?

F. G. Rolf
« Letzte Änderung: 28.10.2005 um 06:10:37 von Rolf »
> Antwort auf Beitrag vom: 26.10.2005 um 12:53:41  Gehe zu Beitrag
Rolf  
Gast

  
Re: Sinn und Zweck der Pylonen 
« Antwort #78, Datum: 28.10.2005 um 23:38:56 »     

Hallo,

In "Alltagsleben der Ägypter" - Flaggen? - insbes. Antworten # 3 (neTe mer), 13 (manetho)
Zitat:
Flagge am Mast = Gott zu Hause
und 16 (heka-waset) - wurden schon gewisse Vermutungen zur Funktion der Fahnenstangen und Wimpel an den Pylonen gemacht.

Weiter ist etwas zu
Zitat:
Aktivitäten auf dem Dach
in Architektur & Kunst, Medinet Habu II (naunakthe) enthalten.
Stichworte: „Sternenbeobachtung“, „Sonnenheiligtum als Dachgarten“, königlicher „Sonnenschatten“...

Mit Gruss
Rolf
« Letzte Änderung: 16.02.2006 um 06:35:57 von Rolf »
> Antwort auf Beitrag vom: 28.10.2005 um 05:20:09  Gehe zu Beitrag
heka-waset  maennlich
Member

  

Re: Sinn und Zweck der Pylonen 
« Antwort #79, Datum: 29.10.2005 um 23:44:20 »   

Eine mögliche Erklärung der Wimpel bietet das Schriftzeichen für Gott selbst. Es ist gut möglich das dieser stoffumwickelte Fetisch (?) von den Ägyptern später selbst gar nicht mehr als solcher erkannt wurde und sie das Schriftzeichen als Flaggenmast interpretierten. Dies könnte bedeuten, die Flaggenmasten waren sozusagen überdimensionale Hieroglyphen mit der Bedeutung Gott
> Antwort auf Beitrag vom: 28.10.2005 um 23:38:56  Gehe zu Beitrag
Rolf  
Gast

  
Re: Sinn und Zweck der Pylonen 
« Antwort #80, Datum: 30.10.2005 um 00:00:26 »     

Ok - danke, heka-waset. Aber das solltest du noch genauer erklären was gemeint ist mit dem Fetisch und Schriftzeichen.

Mit Abendgruss Rolf
> Antwort auf Beitrag vom: 29.10.2005 um 23:44:20  Gehe zu Beitrag
heka-waset  maennlich
Member

  

Re: Sinn und Zweck der Pylonen 
« Antwort #81, Datum: 30.10.2005 um 00:43:20 »   

Nun das hieroglyphische Schriftzeichen für Gott entzieht sich eigentlich einer genaueren Deutung, aber immer wieder wurde und wird versucht dieses sehr alte Schriftzeichen zu deuten. Auf Grund einiger sehr detaillerter Inschriften wird es von vielen Ägyptologen, darunter von Erik Hornung, als ein mit Stoff umwickelter Holzstab gedeutet. Dieser könnte eine frühe Form des Kultbildes (also Fetisches) gewesen sein, der noch vor der Zeit der menschen- und tiergestaltigen Gottheiten oder auch parallel zu diesen verehrt wurde. Auf jedenfall muss dieser Fetisch den Menschen so deutlich als göttliches Symbol oder Verkörperung von Göttlichem gegolten haben, dass es als DAS Zeichen für Gott in die Schrift eingegangen ist.

Eine andere Möglichkeit ist, dass solche Stangen oder Masten schon sehr früh hl. Plätze markiert haben. So wäre dann ein Symbol eines hl. Ortes zm Symbol des Göttlichen dahinter geworden.
Schon in der Frühzeit finden sich bei Kultanlagen Pfostenlöcher vor den eigentlichen Kulthütten, so in Hierakonpolis. Diese werden von einigen Ägyptologen als sehr hohe, freistehende Flaggenmasten rekonstruiert, ihre Funktion ist natürlich ungeklärt.

Es ist nun möglich, dass die Flaggenmasten auf eben genau dieses Schriftzeichen zurückgehen, z.B. weil man im MR oder NR schon gar nicht mehr wusste, was eigentlich gemeint war oder aus ähnlichen Gründen
« Letzte Änderung: 30.10.2005 um 00:52:05 von heka-waset »
> Antwort auf Beitrag vom: 30.10.2005 um 00:00:26  Gehe zu Beitrag
Rolf  
Gast

  
Re: Sinn und Zweck der Pylonen 
« Antwort #82, Datum: 30.10.2005 um 01:48:07 »     

Ja?

...Immerhin - schon die alten Götter (noch in den einfachen Verhältnissen eines "primitiven" Volkes) sollen in Hütten gewohnt haben mit geflochtenen Wänden, deren Dach vorn mit hervorstehenden Stäben geschmückt war; ein paar kurze Pfähle und zwei lange Masten waren zu weiterem Schmucke davor aufgestellt. Daraus sollen sich also später (ganz analog, nur viel grösser, mächtiger) die Pylonen der Tempel entwickelt haben. Aber ihren ursprünglichen Sinn und Zweck hat man vergessen?
(Bildbeispiele: Anhang 1 und 2)

Leider klingt das alles in allem recht abenteuerlich, aber "he nu so de" (frei übersetzt: ja dann halt).

Mit bestem Gruss
Rolf
« Letzte Änderung: 16.02.2006 um 06:33:01 von Rolf »
> Antwort auf Beitrag vom: 30.10.2005 um 00:43:20  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Sinn und Zweck der Pylonen Siegel.jpg - 30,05 KB
« Antwort #83, Datum: 30.10.2005 um 08:49:03 »     

Hallo zusammen,

für die frühen Heiligtümer gibt es einen schönen Siegelabdruck aus Negade II (3500 - 3200 v.Chr.), eines der frühesten Schriftzeugnisse. Es zeigt einen Baum, ein Holz-Mattengebäude mit Götterzeichen und Fische. Dreyer dazu: "Die Gruppe Baum + Heiligtum lässt sich entsprechend den Gefäßaufschriften aus Grab U-j als Herkunftsangabe von einem zu einem Tempel gehörenden Gut verstehen. Die Fische ergeben aber nur einen Sinn als phonetische (auch unter Aha belegte) Schreibung für das Wort inu = Lieferung, die möglich ist, da Fisch (Singular in) im Plural zugleich inu heisst."

Der Text und die Dreyersche Umzeichnung stammen aus der SAS (Schriften aus der ägyptischen Sammlung) "Am Beginn der Zeit" zur gleichnamigen Ausstellung.

Pylonartige Aufbauten erkennt man übrigens auch auf den Schiffen in Grab 100 aus Hierakonpolis. Siehe hier auf der HP von Fra
ncesco Raffaele
.

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 30.10.2005 um 01:48:07  Gehe zu Beitrag
Rolf  
Gast

  
Re: Sinn und Zweck der Pylonen 
« Antwort #84, Datum: 02.11.2005 um 01:04:33 »     

Hallo,

Nochmals: Wozu dienten die Pylonen, was war ihr Sinn und Zweck?
(Bildbeispiel: Anhang 1-4).
Entschuldigt bitte mein Insistieren und Festhalten an der Frage - aber mich interessiert die Antwort wirklich! (sachdienliche Mitteilungen sind zu richten an das Forum).

Mit freundlichen Grüsse
Rolf
« Letzte Änderung: 16.02.2006 um 06:24:08 von Rolf »
> Antwort auf Beitrag vom: 30.10.2005 um 08:49:03  Gehe zu Beitrag
ta_ian.t  weiblich
Member

  

Re: Sinn und Zweck der Pylonen Philae_Plan_1.jpg - 97,00 KB
« Antwort #85, Datum: 02.11.2005 um 13:35:25 »   

Hallo Rolf, hallo Forum,
Nochmals: zu den Löchern, Schächten und Rinnen gab es bereits einige Antworten zu Sinn und Zweck (Beiträge 1, 4, 20, 21, 43 und 84 ).
Deine Frage
Zitat:
Warum hat man die Masten („Gutes importiertes Holz“) so nahe an die Wand gestellt, dass besagte bauliche Massnahme überhaupt notwendig wurde?
Ist das nicht etwas aufwendig - nur für Wimpel?
stellt sich wohl in Ägypten nicht. Findest Du eine Pyramide als Grabmal für einen König nicht auch ein wenig aufwendig?? Und so ein Baumstamm wiegt schon ordentlich.
Zu der Frage
Zitat:
Immerhin - schon die alten Götter (noch in den einfachen Verhältnissen eines "primitiven" Volkes sollen ja in Hütten gewohnt haben mit geflochtenen Wänden, deren Dach vorn mit hervorstehenden Stäben geschmückt war; ein paar kurze Pfähle und zwei lange Masten waren zu weiterem Schmucke davor aufgestellt. Daraus sollen sich also später (ganz analog, nur viel grösser) die Tempel mit Pylonen entwickelt haben, wobei man ihren ursprünglichen Sinn und Zweck vergass?
Das gibt es durchaus häufiger auf verschiedene Art und Weise. Die Rundstäbe an den Seiten/Kanten oder Hohlkehlen in altägyptischer Steinarchitektur sind typologisches Rudiment: Ihr ursprünglicher Zweck als tragendes/stützendes Bauelement ist "vergessen" und sie werden als (sinntragendes) Schmuckelement weitergeführt. Es ist anzunehmen, daß in pharaonischer Zeit hauptsächlich mit Lehmziegeln gebaut wurde, und Rundstäbe sind in dieser Bauweise unnötig. Es geht eher um den konservativen, sinnstiftenden Gedanken zur Rechtfertigung: So wie es ehedem (von Anbeginn an) war (nur noch schöner, höher, besser, ehrenvoller, allen inzwischen ausgebauten Riten angepaßt…) (und man noch nicht in Stein gebaut hat). Den ursprünglichen präsentativen Zweck hat wohl keiner vergessen.
Zur Symmetrie oder Achsverschiebung in Philae (nur kurz - trotz der Diskussion in den Beiträgen 53-61, da dies immer wieder gern zwischen die Zeilen rutscht): 1.Pylon: zunächst stand nur (N) das Mitteltor Nektanebos I. als Durchgang durch eine Ziegelumwallung, ohne baulicher Verbindung zu den späteren Pylontürmen (M) (Ptolemaios VI.), die offenbar auf eine bestehende Mauer Bezug nimmt. (Zu offensichtlichen Veränderungen siehe auch (O) das Tor Ptolemaios II.)
Die "bauliche Konzeption" Isistempel (A) (Ptolemaios II.), Pronaos und Peristyl (B) und 2. Pylon (C) (Ptolemaios V. und VI., Reliefs wohl Ptolemaios VIII.) wirkt nur heute einheitlich "wie aus einem Guß". Offen ist, ob dieses Detail so von vornherein geplant war.
Man bedenke: Alle größeren Tempel waren länger währende Baustellen mit tendentiell wechselndem Bauplan. Die Ursachen zur Ausrichtung von Prozessionswegen und deren architektonische “Einfassung” sind vielseitig, gern in der lokalen Topographie begründet und nicht so einfach unter Kardinalpunkte/Orientierung zum Nil zusammenzufassen, wie mancher es vielleicht gerne hätte.

Zum Sinn und Zweck von Pylonen lassen sich viele Sinn- und Zweckfragen anhängen. Lustigerweise werden die Fragen besonders gern für alte Kulturen diskutiert, nicht für die moderne Zeit (mehr Raum für phantasievolle Erklärungen).
Gebäude/Architektur in sakralem Kontext sind in erster Linie Ausdruck und Bühne des darin stattfindenden Kultes, d.h., sie monumentalisieren und fixieren Raum, in dem Riten für eine übergeordnete Instanz (Gott, König) stattfinden. Dies gilt auch für Übergangsbereiche/Torsituationen: Durchgänge markieren einen entscheidenden Punkt der Abgrenzung von profan/sakral. Für die Spätzeit Ägyptens kommt noch die (mehrfache) Sinngebung und mythische Überhöhung kultkonstituierender Riten hinzu, die nicht nur schriftlich sondern auch bildlich fixiert werden > Wandreliefs. Reliefinhalte werden nicht wahllos angebracht, sondern stehen häufig in Bezug zu dem sie “umfassenden” rituellen Raum (sakrale/sakramentale Gegenstände tragende Priester in den Treppenhäusern > für die “Aktivitäten auf dem Dach“; „ruhende“ Kultbilder in den Krypten).
Trotzdem: Wir wissen nicht genau, was sich alles “real” wo abgespielt hat, wie ein Fest im Tempel 1:1 ausgesehen hat. Wieviel “Repräsentatives” von “Kultischem” zu trennen ist.

Ein Pylon: Sinn: Wiedergabe der Berge am Horizont? Schwierig. Monumentales Tor? (je größer umso mehr Bilder passen drauf… Pech: Tempeldarstellungen aus NR zeigen einen geweißten Pylon – ohne Bildchen; andere Darstellungen mit Bildchen ums Tor siehe Luxor Amenophis III-Hof) Schwierige Spekulatius…

Das war’s von meiner Seite,

Gruß, t

P.S.: Plan aus Hölbl, Geschichte des Ptolemäerreiches, 229.
« Letzte Änderung: 02.11.2005 um 14:44:08 von ta_ian.t »
> Antwort auf Beitrag vom: 02.11.2005 um 01:04:33  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Sinn und Zweck der Pylonen Bietak_Tell_el-Daba-II.pdf - 1,23 MB
« Antwort #86, Datum: 02.11.2005 um 17:24:24 »   

Hallo!

die letzten Beiträge umfassen sehr viele Einzelpunkte und Fragestellungen, denen nachzugehen lohnen würde. Auch auf die Gefahr hin, dass es leicht vom Kernthema (wie lautete das nochmal?) abdrifte, möchte ich nur einen einzelnen Punkt aus der Darstellung von ta_ian.t aufgreifen:
Die altägyptische Orientierung am Nilverlauf (und damit an temporären, geographischen Punkten) wollte ich mit meiner Antwort zur Kulttopographie von Philae keineswegs grundsätzlich wegreden. So kann man z.B. umgekehrt auch aus der Beobachtung der Bauachsen von Siedlungen, Nekropolen und eben auch Tempeln auf antike Nilverläufe rückschließen. Diese bleiben i.d.R. hypothetisch und damit angreifbar, doch M. Bietak konnte in seinem 2. Band zu seinen Tell el-Dab'a-Forschungen für diese Methode sichere Beispiele aus dem Ostdelta anführen (vgl. Anhang).
Philae ist aber eben keine "normale" Tempelanlage einer Uferrandsiedlung, sondern aufgrund der Insellage weitgehend unabhängig von wechselnden Nilverläufen. Insofern kann diese Methode nur bedingt auf den Baubefund von Philae übertragen werden. Die Kulttopographie mit ihren gewachsenen Installationen ist ebenso wenig überzubetonen - wie diverse Beispiele (etwa die Südachse von Karnak) deutlich zeigen, hatten die Ägypter ja auch keine Skrupel vorgegebene Kultachsen aufzubrechen und frühere Bauten abzutragen bzw. zu verlegen.
Hinzuweisen ist vielleicht noch auf die Bedeutung von Verkehrswegen und Deichen für die Positionierung und Ausrichtung von Siedlungen/Tempeln (vgl. D. Kessler, Historische Topographie, Wiesbaden 1981 und F. Gomàa et.al., Mittelägypten, Wiesbaden 1991).

Gruß A.
> Antwort auf Beitrag vom: 02.11.2005 um 13:35:25  Gehe zu Beitrag
ta_ian.t  weiblich
Member

  

Re: Sinn und Zweck der Pylonen 
« Antwort #87, Datum: 02.11.2005 um 19:39:11 »   

Apropos "Nischen": noch einmal ein funktionaler Vorschlag, weshalb die Verklammerungen (und damit einhergehend die Nischen) der Flaggenmasten notwendig waren:

Die frühesten errichteten "Masten", die wir kennen, stammen aus Hierakonpolis und standen zur Stabilisierung in 1,60m tiefen Pfostenlöchern. An Pfostenlochtiefe zu sparen wäre doch eine nette Möglichkeit, die sichtbare Mastlänge zu erhöhen. Damit ist allerdings eine andere Sicherung vonnöten. Und: Je höher die Verklammerung angebracht werden kann und je geringer der Abstand des oberen Mastbereichs vom Turm ist, umso sicherer ist das Riesending aufzustellen.



t
> Antwort auf Beitrag vom: 02.11.2005 um 17:24:24  Gehe zu Beitrag
Rolf  
Gast

  
Re: Sinn und Zweck der Pylonen 
« Antwort #88, Datum: 15.11.2005 um 10:18:47 »     

Hallo,

gerne würde ich nochmals einen Punkt aus einem früheren Beitrag aufgreifen: Antwort #76. Dazu stütze ich mich auf zwei Informationen, auch wenn diese beileibe nicht mehr neu sind. Nämlich:

„Von den Tempeln der ältesten Epoche, die ja, wie wir oben gesehen haben (...), schlichte Hütten waren, ist uns begreiflicherweise nichts erhalten. Aber auch von den grossen Bauten der älteren historischen Zeit ist nur sehr weniges auf uns gekommen, denn in der langen Reihe der Jahrhunderte ist so viel an ihnen umgebaut, erneuert und erweitert worden, dass in der Regel nur einzelne Steine noch von dem ursprünglichen Bauwerke Kunde geben. Indessen schon die geringen Reste, die sich von den alten Tempeln hier und da erhalten haben - das Beste verdanken wir den deutschen Grabungen in Abusir - genügen, um den richtigen Begriff von ihnen zu gewinnen: sie sahen im wesentlichen schon ebenso aus wie die grossen Bauten, die später an ihre Stelle getreten sind. Die Form, die die alte Zeit dem Tempel gegeben hatte, ist eben für alle Zeit vorbildlich geblieben; galt sie doch als etwas Heiliges, von den Göttern selbst Geschaffenes. Ptah und Sefchet-abui (...) hatten ja einst selbst die Pflöcke eingeschlagen und den Strick gespannt, um den Grundriss des Heiligtumes anzugeben.“ (Adolf Erman, „Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum“, Berlin, 21. August 1885, Tübingen 1903, Seiten 50/52).

„Über Sefchet-abui berichtet uns Erman, der Begründer der modernen ägyptischen Sprachforschung:
„Aus der Göttersage stammt dann eine Vorstellung, wonach es auch  z w e i  W a h r h e i t e n  gibt. Es sind das ursprünglich nur Beinamen zweier anderer Göttinnen, die im Himmel einmal zu Gericht gesessen haben (Pyr. 317), später treten sie aber zuweilen auch da auf, wo wir nur die eine Wahrheitsgöttin erwarten würden.
Wie die Maat ein Erzeugnis der Beamtenschaft ist, so hat eine andere Göttin ihre Bedeutung unter den gelehrten Schreibern erhalten. Das ist S e f c h e t - a b u i , die Göttin des Schreibens, die „Herrin der Bibliothek“, die Genossin des Weisheitsgottes Thoth. Sie ist es, die die Taten des Königs verzeichnet, und sie schreibt auf einem Baume im Tempe1 zu Heliopolis die Namen der Herrscher auf (LD III 169).“ (ebd., Seite 26)

Aus beiden Informationen schliesse ich das Folgende:
1.      Die Göttin des Schreibens, die „Herrin der Bibliothek“ und Genossin des Thoth versteht auch was und hat auch was mit dem Kalender zu tun. Warum auf einem Baume? – dazu fällt mir nichts ein.
2.      Als Verbündete mit dem Weisheitsgott wird Sefchet-abui gewiss nicht nur eine simple Annalenliste geführt, sondern sich mit dem Sonnenjahr und allem, was so dazu gehört, intensiv beschäftigt haben.
3.      Wenn nun Ptah und Sefchet-abui ja einst
Zitat:
selbst die Pflöcke eingeschlagen und den Strick gespannt hatten, um den Grundriss des Heiligtums anzugeben
– dann wird dieser in aller Regel wohl ins Weltenkreuz gesetzt worden sein.
4.      Nun zum Einwand, dass
Zitat:
keine der Anlagen "korrekt" nach Kardinalpunkten ausgerichtet ist.
Die besonderen Verhältnisse auf Philae, die Gast_A verdankenswert formschön dokumentiert, sind  m. E. noch kein Gegenbeweis, der meine These falsifiziert.

Mit Gruss Rolf
« Letzte Änderung: 20.11.2005 um 11:17:24 von Rolf »
> Antwort auf Beitrag vom: 02.11.2005 um 19:39:11  Gehe zu Beitrag
ta_ian.t  weiblich
Member

  

Re: Sinn und Zweck der Pylonen 
« Antwort #89, Datum: 15.11.2005 um 11:49:33 »   

Daß Götter Stricke spannen soll die These bestätigen, Tempel seien auf das Weltenkreuz ausgerichtet??
Es ist übrigens Seschat, die mit dem König in den dargestellten Gründungsritualen die Pflöcke einschlägt.
sfx-Ab.w ist bei LD III, 169 nur eine von vielen anderen hier aufgelisteten Gottheiten. Thot schreibt mit Seschat den Namen des Königs auf die Blätter des Isched-Baumes. (Oder ist sfx-Ab.w ein anderer Name für Seschat?)
Und die Thot zugeordnete "Genossin" ist gewöhnlich Nechmet-Awai, wenn er nicht gerade als Einzelgänger unterwegs ist.

Tut mir leid, aber die Argumentation "eine Göttin des Schreibens als Verbündete des Weisheitsgottes hat wohl auch über das Sonnenjahr Bescheid gewußt" ist wohl bisl albern, oder?

Gruß, t
« Letzte Änderung: 15.11.2005 um 11:50:25 von ta_ian.t »
> Antwort auf Beitrag vom: 15.11.2005 um 10:18:47  Gehe zu Beitrag
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