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   Die Schrift (449)
   Übersetzungsübung: Inschrift an einem Grabeingang (9)
  Autor/in  Thema: Übersetzungsübung: Inschrift an einem Grabeingang
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Übersetzungsübung: Inschrift an einem Grabeingang Inschrift_an_einem_Grabeingang.pdf - 1,51 MB
« Datum: 07.01.2017 um 10:44:31 »   

Hallo,

diese Übung wendet sich an die "heimlichen" Mitleser mit gewissen Vorkenntnissen: Um wen handelt es sich hier? Was steht da? Hier geht es weniger um Grammatik. Vielleicht traut sich jemand, Vorschläge zu machen?

Viele Grüße,
Michael Tilgner
Haremhab  maennlich
Member

  

Re: Übersetzungsübung: Inschrift an einem Grabeingang 
« Antwort #1, Datum: 07.01.2017 um 12:11:56 »   

Na ja, keine Übersetzung aber ein noch funktionierendes Gedächtnis.
Es sind die Horussöhne dargestellt im Grab des Eje.
> Antwort auf Beitrag vom: 07.01.2017 um 10:44:31  Gehe zu Beitrag
monja  weiblich
Member

  

Re: Übersetzungsübung: Inschrift an einem Grabeingang 
« Antwort #2, Datum: 07.01.2017 um 13:34:13 »   

Wie Haremhab schreibt,  
es werden über der Tür zur Kanopenkammer,  die vier Horussöhne in Mumiengestalt des Osiris mit menschlichen Köpfen dargestellt, mit Geisel, aber ohne Zepter.
Die Gesichtszüge sind denen Tutanchamuns nicht unähnlich.

Es sind:
Duamutef, Kebehsenuef, beide mit der Krone von Oberägypten
sowie Amset und Hapi mit der Krone von Unterägypten

Sie sitzen vor einem reich gedeckten Opfertisch.

Monja.
> Antwort auf Beitrag vom: 07.01.2017 um 10:44:31  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzungsübung: Inschrift an einem Grabeingang 
« Antwort #3, Datum: 07.01.2017 um 16:54:56 »   

Hallo,

vor Euch kann man auch gar nichts geheim halten! Ja, es sind die vier Horussöhne aus dem Grab des Eje. Auch die Namen sind richtig!

Was jetzt noch fehlt, ist - die Inschrift ...

Ein Tipp: Am Ende der Spalten sitzt jemand mit Bart, das ist das Determinativ für einen Gott. Davor stehen die Namen; und zwar in welcher Spalte welcher Name?

Noch ein Tipp: Dort, wo das Gottesdeterminativ hinschaut, beginnt die Leserichtung. Gott schaut nach links: von links nach rechts - und umgekehrt. Und dann steht noch etwas in der mittleren Spalte ...

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 07.01.2017 um 13:34:13  Gehe zu Beitrag
sihala  maennlich
Member

  

Re: Übersetzungsübung: Inschrift an einem Grabeingang 
« Antwort #4, Datum: 08.01.2017 um 08:06:37 »   

Eine einfache Übersetzung könnte ich anbieten.

Zeile 1  Kebehsenuef
Zeile 2. Duamutef
Zeile 3. Imsti
Zeile 4. Hapi

In der Mitte :

Zu kennen die Namen dieser Götter.

Sihala
 
> Antwort auf Beitrag vom: 07.01.2017 um 16:54:56  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzungsübung: Inschrift an einem Grabeingang 
« Antwort #5, Datum: 08.01.2017 um 11:21:25 »   

Lieber Sihala,

die Zuordnung der hieroglyphischen Namen zu den Göttern stimmt! Beim mittleren Teil ist der Schluss ein wenig anders. Bitte prüfe Deine Übersetzung noch einmal daraufhin!

Für die Verwendung der Umschrift in diesem Forum gibt es eine kleine Anleitung.

Viele Grüße,
Michael Tilgner


> Antwort auf Beitrag vom: 08.01.2017 um 08:06:37  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzungsübung: Inschrift an einem Grabeingang 
« Antwort #6, Datum: 09.01.2017 um 11:59:57 »   

Hallo,

fangen wir mit der Inschrift in der Mitte an: Wie liest man diese Spalte? Alle Zeichen sind ziemlich symmetrisch - bis auf eins:

    R8 nTr  "Gott"

Das ist die "Standardversion", wenn man von links nach rechts schreibt (wie in Europa). Die Götterfahne zeigt in unserer Inschrift aber nach rechts, was heißt, dass von rechts nach links gelesen werden muss.

rx rn.w n.w nTr 4
"Zu kennen die Namen der vier Götter"

    W24 ist der sogenannte nw-Topf und wird daher nw gelesen.

Damit wird der sog. "indirekte Genitiv" angegeben. Das Genitivwörtchen  
   n verändert sich zu n.w, wenn das Bezugswort im Plural steht.
Das ist hier der Fall: rn.w "die Namen".

Götter? Da steht doch nur ein Ideogramm! Und auch keine Pluralzeichen! Die vier Striche bezeichnen ja nur die Zahl 4. Gardiner, Egyptian Grammar, § 261:

Zitat:
The numeral follows the noun, which as a general rule, exhibitis the singular form.

Auch im Deutschen kennen wir solche Ausdrücke, wenn wir z.B. von einer Schiffsbesatzung von "50 Mann" (nicht: Männer oder Leute) sprechen. Nur in der Übersetzung verwenden wir die übliche deutsche Sprechweise: "vier Götter".

Nun heißt es bei Gardiner: Die Zahl folgt dem Nomen. Das sieht hier doch anders aus, wenn wir von rechts nach links lesen sollen. Eigentlich müssten die vier Striche unterhalb des Gotteszeichen stehen. Aber da ist kein Platz mehr! Also werden die Zeichen zusammengeschoben. Auch wird der Platz gut ausgenutzt (Angst der alten Ägypter vor der "leeren Fläche").

Wie geht es weiter?

Gehen wir zunächst nach links: Da die Zeichen nach rechts schauen - wie die zugehörigen Götter! -, müssen wir die Spalten und auch innerhalb der Spalten von rechts nach links lesen. Daher kommt zunächst:

_wA-mw.t=f Duamutef (wörtlich: der seine Mutter preist)

Bei mw.t haben wir ein zusätzliches t; das ist eine "Lesehilfe" (phonetisches Komplement), das nicht extra gelesen wird. Zudem wurde es graphisch um-, d.h. vorangestellt, weil es sich optisch besser macht. Solche Umstellungen finden wir oft. Danach folgt:

QbH-sn.w=f Kebehsenuef (wörtlich: der seine Brüder labt ("kühlt", "erfrischt"))

Hier ist der Plural sn.w durch drei T22-Zeichen angegeben; es ist also nicht sn-sn-sn zu lesen! Das Gottesdeterminativ passte nicht mehr in die Spalte: Kein Problem. Dann geht es eben in der nächsten Spalte weiter!

Nun gehen wir von der Mitte nach rechts. Hier schauen die Zeichen - wie die zugehörigen Götter - nach links, d.h. wir müssen von links nach rechts lesen! Der erste Gott ist:

(J)ms.tj Amset

Wo kommt das j am Anfang her? Hierzu gab es schon mal in diesem Forum eine Diskussion.

Schließlich haben wir noch:

@py Hapi

Hier ist das p als "Lesehilfe" zu Aa5 Hp graphisch "optimiert" und damit die ganze Zeichengruppe in eine gefällige kompakte Form gebracht worden.

Der Name einer Person oder eines Gottes ist nach ägyptischer Vorstellung nicht nur ein "Etikett". Man kann schon am Namen erkennen, was die Namensträger ihrem Wesen nach bedeuten. Zugleich ist er Ansatzpunkt für mythische Praktiken, im Guten wie im Bösen. Daher ist das "Kennen der Namen" so wichtig, dass es der Pharao Eje an seinem Grabeingang anbringen ließ!

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 08.01.2017 um 11:21:25  Gehe zu Beitrag
Seschen  weiblich
Member

  

Re: Übersetzungsübung: Inschrift an einem Grabeingang 
« Antwort #7, Datum: 09.01.2017 um 21:35:03 »   

Hallo, Michael!

Wunderbar wieder mal, deine ausführliche Erläuterung zu dieser Inschrift!
Somit kann jeder der "heimlichen" Mitleser mit gewissen Vorkenntnissen die Übersetzung nachvollziehen, (mit dem eigenen Versuch vergleichen) und lernen.

Ich sehe eine Variante der Lesung der mittleren Spalte:

rx(=j) rn.w n.w nTr 4
(Ich) kenne die Namen der 4 Götter.

Das Suffix-Pronomen 1. Person Sing. wurde ja des Öfteren weggelassen.

Ich sehe dies als Aussage des Toten analog zu den Stellen "Ich kenne dich, ich kenne deinen Namen (ich kenne die Namen dieser 42 Götter") in Totenbüchern u.a..

Ein gutes Jahr 2017, allerseits!

Gruß, Seschen
> Antwort auf Beitrag vom: 09.01.2017 um 11:59:57  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzungsübung: Inschrift an einem Grabeingang 
« Antwort #8, Datum: 10.01.2017 um 10:07:15 »   

Hallo, Seschen,

ja, in den Königsgräbern wird oft die 1. Person Singular =j nicht angegeben. Dennoch tendiere ich in diesem speziellen Fall nicht dazu:

Gerade für rx "kennen, wissen" ist der Gebrauch des Pseudopartizips für die 1. Person Singular rx.kw oft belegt. Wir hatten das kürzlich in einer anderen Übersetzungsübung.

Man müsste die Beispiele durchgehen, aber im Moment habe ich nicht die Zeit dazu.

Wie auch immer: Leider wissen wir nicht, wie ein alter lesekundiger Ägypter diese Inschrift aufgefasst hat.

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 09.01.2017 um 21:35:03  Gehe zu Beitrag
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