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Ägyptologie Forum >> Schrift & Sprache


1) Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 29.08.2006 um 14:32:23 - Anhang: 2 Anhänge

Liebe Ägyptenfans,

im Thread Ende des Alten Ägypten1 wurde erwähnt, daß nach wie vor noch hieroglyphische Texte entstehen, z.T. sogar in Mittelägyptisch. Als ein "berüchtigtes Beispiel" wurde die Inschrift genannt, die Lepsius 1842 aus Anlaß des kaiserlichen Geburtstages in die Cheops-Pyramide einmeißeln ließ.

Hier noch einmal die Links, die Seschen nachgetragen hat:
Oberer Eingang der Cheops-Pyramide mit der hieroglyphischen Inschrift2
Lepsius Inschrift am Eingang zur Großen Pyramide, Goyon, Voyageurs, Les inscriptions et
graffiti des voyageurs sur la Grande Pyramide, Le Caire, 1954, Tafel CXVII
3

Wie es dazu gekommen ist, kann man in Richard Lepsius, Briefe aus Aegypten, Aethiopien und der Halbinsel des Sinai4, Berlin, 1852, S. 17-22 (Feier) und S. 30-32 (Inschrift und Übersetzung) nachlesen [Vorsicht: pdf-file mit 33 MB!].

Diese legendäre Feier auf der Spitze der Cheops-Pyramide wurde auch in einer Zeichnung festgehalten, die mit einem hieroglyphischen Schriftband umgeben ist, nämlich mit besagter Inschrift.

Solche selbst verfaßten hieroglyphischen Texte verraten auch etwas über die Sprachkenntnisse des Verfassers bzw. seiner Zeit. So resumierte ein gewisser Max Uhlemann, der als Anhänger Seyffarths zwar Champollions Ansätze weitestgehend für verfehlt hielt, aber sich den Spaß nicht verkniff, eben auf dieser Grundlage Lepsius zahlreiche Ungereimtheiten vorzuhalten:

Zitat:
... würde selbst die eben besprochene von Lepsius verfasste Inschrift gewiss anderen Aegyptologen in einzelnen Theilen unklar und unverständlich sein, hätte er nicht in seinen Briefen aus Aegypten die deutsche Uebersetzung danebengestellt, und wer weiss, ob sie nach hundert Jahren, wenn die Aegyptologie neue Resultate gewonnen und die Hieroglyphenentzifferung sich mehr und mehr entwickelt hat, noch für irgend einen Entzifferer verständlich sein wird? (Max Uhlemann, Handbuch der gesammten ägyptischen Alterthumskunde. Erster Theil: Geschichte der Aegyptologie, Leipzig, 1852, S. 120)

Viele Grüße,
Michael Tilgner


1: http://www.aegyptologie.com/forum/cgi-bin/YaBB/YaBB.pl?board=bum&action=display&num=1155936513&pnum=082506222605&start=11#9
2: http://aaew.bbaw.de/wbhome/LepsiusArchiv/doc/imgSparren.html
3: http://www.benben.de/Architektur/Cheops/Grafik/Lepsius.jpg
4: http://edoc3.bibliothek.uni-halle.de/lepsius/zusatz/literatur/Briefe/Briefe.pdf

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2) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 29.08.2006 um 15:16:28 - Anhang: GEO-Epoche_2000_Editorial-low.jpg

Hallo, Hieroglyphenfans,

in der Zeitschrift GEO Epoche 3 (April 2000) erschien beigefügtes Editorial:

Zitat:
Das Editorial auf Seite 3 ist der deutsche Text, gesetzt in altägyptischen Einkonsonantenzeichen (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Konjunktionen und Artikel sind nicht mit übertragen.

Vielleicht eine gute Übung für die Teilnehmer des Hieroglyphenkurses, die Zeichen zu identifizieren. Der Text beginnt mit: "Liebe Leserin, lieber Leser".

Viele Grüße,
Michael Tilgner

> Antwort auf Beitrag vom: 29.08.2006 um 14:32:23


3) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 30.08.2006 um 11:27:11 - Anhang: 2 Anhänge

Hallo,

bekanntlich hat Jean-François Champollion seine Entzifferung in dieser Schrift 1822 veröffentlicht:
Lettre à M. Dacier,... relative à l'alphabet des hiéroglyphes phonétiques...1
In dieser Arbeit sind 4 Falttafeln enthalten, die ich diesem Posting als Anhang beigefügt habe. Auf den Tafeln I - III sind Pharaonennamen, die Champollion untersucht hat. Tafel IV listet die Zeichen auf, für die er eine phonetische Entsprechung gefunden hat.

Interessant ist, daß alle Tafeln am unteren Rand mit dem Namen Champollions in hieroglyphischer oder demotischer Schreibweise versehen sind. Die Version von Tafel I habe ich noch einmal separat angehängt.

Mit Champollion beginnt also die Tradition, moderne Namen mit hieroglyphischen Zeichen, vor allem Einkonsonantenzeichen zu schreiben.

Champollions intellektuelle Spielerei verrät aber noch mehr, denn er verwendet dafür Zeichen, die in seiner Liste gar nicht vorkommen! Er zeigte damit, daß er zum Zeitpunkt, als er den Brief an Monsieur Dacier verfaßte, mit der Entzifferung schon viel weiter fortgeschritten war als er bereit war zu veröffentlichen!

Viele Grüße,
Michael Tilgner

PS Für die Teilnehmer des Anfängerkurses: Wie heißt der Pharao in der Kartusche?


> Antwort auf Beitrag vom: 29.08.2006 um 15:16:28


1: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k396352


4) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Haremhab am 30.08.2006 um 13:28:29

Hallo,
nachdem hier schon so viel von Champollion die Rede ist, nur ein kurzer Hinweis auf ein Buch über ihn:

Lesley & Roy Adkins

Der Code der Pharaonen

Der dramatische Wettlauf um die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen

Tosa-Verlag, ISBN 3-902478-27-6

Eine Art Biografie von Chapillion. Nicht schlecht und auch nicht teuer. Mir hat es bei den Lektionen geholfen.

Haremhab

> Antwort auf Beitrag vom: 30.08.2006 um 11:27:11


5) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Semenchkare am 30.08.2006 um 17:21:09

Hallo,

in der Kartusche ist der Name Ptolemaios zu lesen oder?

LG Semenchkare

> Antwort auf Beitrag vom: 30.08.2006 um 11:27:11


6) Re: Moderne hieroglyphische Texte
KleinerLotus am 31.08.2006 um 13:49:18

@ Michael Tilgner:
Das verfassen von Texten scheint wohl eins von Lepsius Hobbys gewesen zu sein .. siehe auch die Verzierung des Fremdenbuchs, womit du dich ja bestens auskennst.  
Ich frage mich nur, woher der Mann noch die Zeit für all diese Aktivitäten genommen hat.   Bewundernswert.  

Viele Grüße

PS: Jep, dass ist Ptolemaios.

> Antwort auf Beitrag vom: 30.08.2006 um 17:21:09


7) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 31.08.2006 um 23:36:50 - Anhang: 3 Anhänge

Hallo,

ja, der Name in der Kartusche ist der von Ptolemäus!

@KleinerLotus

Die Verzierung des "Fremdenbuches" ist übrigens die gleiche Inschrift wie auf der Zeichnung von der königlichen Geburtstagsfeier und auf der Cheops-Pyramide; "Mehrfachverwertung" würde ich sagen!

Champollion hat sich auch an längeren Texten versucht. So hat er eine Widmungsinschrift für eine Bibliothek in Nantes entworfen (Zeichnung und Übersetzung aus: Hermine Hartleben, Champollion. Sein Leben und sein Werk, Bd. II, Berlin, 1906, S. 503; weiteres dazu auf S. 459-460). Hartleben kommentiert:

Zitat:
Zwar liegt nur der am 1. Januar 1831 mit Blei flüchtig hingeworfene erste Entwurf vor, doch genügt er, um nachzuweisen, bis zu welchem Grade der Entzifferer die Sprache und Schrift der Pharaonen beherrschte. (S. 460)

Ein weiteres Beispiel sei aus Champollions Korrespondenz erwähnt (H. Hartleben, Lettres et journeaux de Champollion, Bd. II, Lettres et journeaux écrits pendant le voyage d'Égypte, Paris, 1909, S. 415-416). Am 29. Oktober 1828 schreibt er an einen Dr. Pariset, er möge nach Alexandria kommen, und schließt ab mit: "Ich bin immer Ihr - mit Herz und Seele - 'Geliebter des Amun'", wobei "Herz" (jb) und "Seele" (bA) mit Hieroglyphen geschrieben werden. Ebenso "Geliebter des Amun" (mrj Jmn).

Viele Grüße,
Michael Tilgner


> Antwort auf Beitrag vom: 31.08.2006 um 13:49:18

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8) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 31.08.2006 um 23:53:47 - Anhang: 2 Anhänge

... Fortsetzung

Übrigens hat sich auch Champollion in Ägypten verewigt, wenn auch deutlich dezenter!

Auf seiner Reise in Ägypten 1828-1829 kam er auch nach Beni Hassan und besuchte das Grab des Cheti (BH 17). Dort fand er eine verblaßte Inschrift des Dritten Dragonerregiments der französischen Expedition nach Ägypten vor. Er fühlte sich moralisch verpflichtet, sie mit einem Pinsel nachzuzeichnen. Er setzte darunter: "J.F.C. RST 1828" (= Jean-François Champollion restituit [= hat wiederhergestellt] 1828).

Während die Inschrift des Dragonerregiments zwar verblaßt, aber immer noch lesbar ist (siehe Foto aus: l'Egypte de Jean-François Champollion. Lettres et journeaux de voyage, 1998, S. 283), ist Champollions Ergänzung praktisch nicht mehr erkennbar (Georges Legrain, Un autographe de Champollion, in: ASAE, Bd. 1, S. 15-16 (1900); aus diesem Artikel stammt auch die Zeichnung).

Viele Grüße,
Michael Tilgner

> Antwort auf Beitrag vom: 31.08.2006 um 23:36:50

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9) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 01.09.2006 um 08:27:35 - Anhang: Kircher_Oedipus_Aegyptiacus.jpg

Hallo,

auch als die Hieroglyphen noch gar nicht entziffert waren - zumindest nach heutiger Auffassung - hat man versucht, einen hieroglyphischen Text zu verfassen. Im 17. Jahrhundert legte Athanasius Kircher (1602-1680) ein groß angelegtes Werk vor: "Oedipvs Aegyptiacvs", Rom 1652-1655, in dem er seine rein symbolische Deutung der Hieroglyphen darlegte. Zu Athanasius Kircher1 gab es kürzlich in diesem Forum eine ausführliche Diskussion; die brauchen wir nicht noch einmal aufleben zu lassen.

Der Band 1 (1652) beginnt mit einer langen Reihe von Lobreden an den Kaiser Ferdinand III, in 27 Sprachen! Die letzte stellt einen Obelisken mit einer von Kircher selbst verfaßten Inschrift dar; daneben seine Übersetzung in Latein. Die nachzuvollziehen überlasse ich mal Kundigen; mir gefällt aber die Anrede "Osiris Austriacus", die ich als "österreichischen Osiris" auffasse.

Viele Grüße,
Michael Tilgner

> Antwort auf Beitrag vom: 31.08.2006 um 23:53:47


1: http://www.aegyptologie.com/forum/cgi-bin/YaBB/YaBB.pl?board=bc&action=display&num=1134419025&pnum=121705111436


10) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 01.09.2006 um 10:31:24 - Anhang: 2 Anhänge

Guiseppe Passalacqua (1797-1865) verkaufte 1827 seine umfangreiche Sammlung ägyptischer Altertümer an das Berliner Ägyptische Museum und wurde schließlich 1828 Direktor dieses Museums, ein Amt, das er bis zu seinem Tode bekleidete. Da die Sammlung immer umfangreicher wurde, bat man Passalacqua, einen Entwurf für einen Museumsneubau vorzulegen, den er in der Schrift "Entwürfe zu einem neuen Gebäude für das Königliche Preussische Museum Aegyptischer Altertümer", Berlin, 1843 veröffentlichte. Auf einer der Tafeln ist der Fassadenentwurf abgebildet, die auch eine von Passalacqua verfaßte Inschrift enthalten sollte (Dietrich Wildung, Preußen am Nil, Berlin, 2002, S. 21; mit vielen weiteren Einzelheiten). Dieser Bauvorschlag wurde nicht verwirklicht.

Hat jemand eine Ahnung, was Passalacqua mit der Inschrift vermitteln wollte?

Viele Grüße,
Michael Tilgner




> Antwort auf Beitrag vom: 01.09.2006 um 08:27:35

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11) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Kemeti am 01.09.2006 um 13:14:24

In der oberen Zeile steht "Seine Majestät, der König Friedrich Wilhelm, der Kaiser (vielleicht meint das Passalacqua mit dem k..s?), in der zweiten Zeile lese ich "er machte...dieses Denkmal im Jahr 1842" Die letzte Lücke heißt vielleicht kA.t "Arbeit"? Nach dem heutigen Kenntnisstand hätte ich Teile dieser Inschrift wohl ein wenig anders formuliert

Schöne Grüße
Kemeti

> Antwort auf Beitrag vom: 01.09.2006 um 10:31:24


12) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Seschen am 01.09.2006 um 14:22:10

Hallo,
ich lese Folgendes:

1. Zeile:
Hm=f seine Majestät
nsw König
in der Kartusche: (Fridericus Wilhelmus) Friedrich Wilhelm mH 4 der IV.
2. Zeile:
jrj.n=f er hat gemacht
kA.t Ausführung, Werk, Herstellungsart, Stil u.ä., ich nehme an, auch im Sinne von Entwurf, Plan  
mnw pn dieses Denkmal
m rnp.t ... im Jahr 1842
Übersetzung:
Seine Majestät König Friedrich Wilhelm IV.,
er hat gemacht diese Denkmalausführung (?) im Jahr 1842.

Zitat:
Hat jemand eine Ahnung, was Passalacqua mit der Inschrift vermitteln wollte

Ich rate mal:
Passalacqua wollte vermitteln, dass der König persönlich am Entwurf (zumindest) mitgeplant hat, vielleicht um seinem Bauvorschlag mehr Gewicht zu verleihen (ist reine Spekulation!)  

Gruß, Seschen

> Antwort auf Beitrag vom: 01.09.2006 um 13:14:24


13) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 caliburn am 01.09.2006 um 20:11:09

@ Michael Tilgner
Ja, dieses Heft (GEO Epoche3) hab eich auch und werde mich auch noch damit beschäftigen. Die Worte sind aber auf Deutsch, oder?

> Antwort auf Beitrag vom: 29.08.2006 um 15:16:28


14) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 02.09.2006 um 22:54:51

Hallo, caliburn,

ja, der zugrundeliegende Text ist in Deutsch; siehe das Zitat im entsprechenden Beitrag.

Viele Grüße,
Michael Tilgner

> Antwort auf Beitrag vom: 01.09.2006 um 20:11:09


15) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 05.09.2006 um 08:59:38 - Anhang: Postkarte_Meyer_an_Ebers_1_Okt_1877.jpg

Hallo,

einer der bedeutendsten Althistoriker Deutschlands Eduard Meyer1 (1855-1930) schrieb am 1. Oktober 1877 eine Postkarte an Georg Ebers2 (1837-1898), als er zum Militärdienst eingezogen wurde. Leider habe ich eine Abbildung des Originals nicht gefunden.

Dieses Beispiel ist dem Briefwech
sel von Eduard Meyer
3 entnommen.

Viele Grüße,
Michael Tilgner


> Antwort auf Beitrag vom: 02.09.2006 um 22:54:51


1: http://www.geschichte.hu-berlin.de/galerie/texte/emeyer/emeyer.htm
2: http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Ebers
3: http://ag.geschichte.hu-berlin.de/site/lang__de/4084/Default.aspx


16) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 05.09.2006 um 10:42:40 - Anhang: Ebers_Schriftzeichen_Titel-low.jpg

Der erwähnte Georg Ebers veröffentlichte ein Buch: Die hieroglyphischen Schriftzeichen der Aegypter, Leipzig, 1890, dem er ein schön ausgearbeitetes Titelblatt voranstellte, die auf der gegenüberliegenden Seite ins Mittelägyptische übersetzt wurde.

Vielleicht versucht sich jemand daran, ihn zu transkribieren und zu überstezen?

Viele Grüße,
Michael Tilgner


> Antwort auf Beitrag vom: 05.09.2006 um 08:59:38


17) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Kemeti am 05.09.2006 um 11:00:49

Ich fange mal mit der Transkription & Übersetzung an:
1.rx.t Liste
2.n.t sSm(.w) n.w mdw.w-nTr der Verteilung (?) der "Gottesworte"
3.ntj.w m Dr.t nb.w die in der Hand der Herren sind
4.wab.t n.t Hmw.w n.w saSA zXA des Grabes (?) der Handwerker der Vervielfältigung der Schriften
5.jr.w.w dmD.wt und der Hersteller der Sammelwerke
6. jw rn=s m pr n Ihr Name ist "Das Haus von
7.brtkpf hrtrBreitkopf und Härtel."

Den Rest überlasse ich mal den anderen .

Grüße

> Antwort auf Beitrag vom: 05.09.2006 um 10:42:40


18) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 08.09.2006 um 13:06:11 - Anhang: Obelisk_Villa_Torlonia.jpg

Hallo, Leute,

in der allgemeinen Ägyptenbegeisterung im 19. Jahrhundert wurden auch altägyptische Denkmäler imitiert; so ließ z.B. der Fürst Alessandro Torlonia 1842 zwei Obelisken für seine Eltern errichten, die er in der Villa Torlonia1 aufstellen ließ.

Der Text gibt natürlich auch den damaligen Kenntnisstand wieder.

Zu diesen und anderen Fürsten gewidmeten modernen Obelisken in Rom: Sergio Donadoni, Principe e obelischi a Roma, in: Jürgen Osing, Erland Kolding Nielsen (Hrsg.), The Heritage of Ancient Egypt, Copenhagen, 1992 (Festschrift Iversen), S. 27-36. Die beigefügte Abbildung stellt den dem Vater Giovanni gewidmeten Obelisken dar.

Viele Grüße,
Michael Tilgner





> Antwort auf Beitrag vom: 05.09.2006 um 11:00:49


1: http://www.italycyberguide.com/Geography/cities/rome2000/F3.htm


19) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Kemeti am 08.09.2006 um 18:14:48

Da bisher niemand weiter übesetzt hat, kommt hier von mir der Rest:

jry.t n Gjrg Jbrz Gemacht von Georg Ebers
Sms.w n DHwt.j Gefolgsmann des Thot
m dmj n rpzg In der Stadt Leipzig
m rnp.t-zp 1890 m-sA ms.t nTr nHm(.w) im Jahr 1890 nach der Geburt des "Rettenden Gottes"
rnp.t-zp 2 xr Hm n HqA HqA.w n dtSrndJahr zwei unter der Majestät des Herrschers der Herrschers von Deutschland
wrhrm Wilhelm


> Antwort auf Beitrag vom: 05.09.2006 um 11:00:49


20) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 10.09.2006 um 10:54:18 - Anhang: Lehre_de_Buck-low.jpg

Liebe Leute,

man könnte die Beispiele für moderne hieroglyphische Textproduktion noch eine Weile fortsetzen, aber ich denke, sie belegen ausreichend, daß die letzte hieroglyphische Inschrift noch nicht geschrieben wurde!

Als letztes Beispiel sei die "Lehre de Bucks" angeführt. Adriaan de Buck (1892 - 1959) - bekannt auch als Herausgeber der siebenbändigen "Coffin Texts" (1935 - 1961) - hat in seinem Buch "Egyptisch Leesboek", Bd. I, Leiden, 1942, S. 53 - ohne Quelle die beigefügte Inschrift als Übungsstück angegeben. Jahre später hat R. Borger enthüllt, daß es sich um die mittelägyptische Übersetzung eines alten holländischen Gedichtes "Het geduld" von Hieronymus van Alphen (1746-1803) handelt! (R. Borger,  Die "Lehre" De Bucks, in: Göttinger Miszellen, Heft 40, S. 7-9 (1980))

Das Gedicht lautet:

Geduld is zulk een schone zaak
Om in een moeielijke taak
Zijn oogwit uittevoeren;
Dit zag ik laatst in onze kat,
Die uuren lang gedoken zat,
Om op een rat te loeren.
Zij ging niet heen voor zij de rat,
gevangen, in haar klauwen had.


Borger zitiert auch eine deutsche Übersetzung:

Geduld ist doch ein schönes Gut,
Giebt uns in schweren Lagen Muth,
Um standhaft auszudauern.
Die Katze hat mir dies gezeigt;
Still saß sie, Stunden lang gebeugt,
den Ratzen aufzulauern.
Nicht eher wich sie, bis ein Fang
Nach langem Warten ihr gelang.


Mit diesem Hinweis sollte es doch möglich sein, dieses schöne Stück zu übersetzen!

Übrigens wird in Maurice Pope, Die Rätsel alter Schriften, Bergisch Gladbach, 1978, S. 7 erwähnt:

Zitat:
Das früheste Beispiel [für seltsame, unsinnige Lösungen], das ich in der modernen Welt kenne, ist der Versuch des Amsterdamer Mediziners Goropius Becanus, der 1580 beweisen wollte, daß die heilige Sprache der ägyptischen Priester Holländisch gewesen sei.

und bezieht sich dabei auf: Goropius Becanus, Opera ... hactenus in lucem non edita, nempe Hermathena, Hieroglyphica, etc., Antwerpen, 1580. Es ist doch schön, daß de Buck dem alten Goropius Becanus letztlich recht gegeben hat!

Viele Grüße,
Michael Tilgner


> Antwort auf Beitrag vom: 08.09.2006 um 18:14:48


21) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Michael Tilgner am 25.09.2006 um 21:46:15 - Anhang: Bild-Artikel.jpg

Hallo, Leute,

das folgende kann ich Euch doch nicht ersparen, nämlich wie sich ein Bildredakteur die Hieroglyphenschrift vorstellt. (Bild, 04.08.1999) - Das erwähnte Buch ist vermutlich: Mark Collier, Bill Manley, How to read Egyptian hieroglyphs: a step-by-step guide to teach yourself, London, 1998.

Wer mehr als zwei-drei richtige Informationen in diesem Beitrag findet, sollte doch noch einmal ganz in Ruhe recherchieren, z.B. in diesem Forum!

Viele Grüße,
Michael Tilgner

> Antwort auf Beitrag vom: 10.09.2006 um 10:54:18


22) Re: Moderne hieroglyphische Texte
Mubarek am 26.09.2006 um 04:14:31

Nur gut, dass der Redakteur von BILD nicht auch noch eine zwei Vögel zeigende Hieroglyphe "übersetzt" hat...


> Antwort auf Beitrag vom: 25.09.2006 um 21:46:15


23) Re: Moderne hieroglyphische Texte
 Gast_A. am 26.09.2006 um 09:42:42 - Anhang: Peter_Rabbit_cover.jpg

Vielleicht sollte man dem Bildredakteur ein Exemplar von "The Tale of Peter Rabbit" schenken. Dann könnte er mal das "Deuten" perfektionieren. Ins Mittelägyptische übertragen von keinem Geringeren als R.B. Parkinson! Wer also genug von Sinuhe & Co. hat...

Gruß A.

> Antwort auf Beitrag vom: 25.09.2006 um 21:46:15


24) Re: Moderne hieroglyphische Texte
alvet am 26.09.2006 um 17:05:15 - Anhang: wilhelm01.jpg

@all
hier kommt noch ein Text.
Koenigliche Museen
Abtheilung Der Aegyptischen Alterthuemer
Die Wandgemaelde Der Verschiedenen Raeume
R. Lepsius
2. Auflage
Berlin 1870
Preis 2 Thlr

Viel Spaß
alvet

> Antwort auf Beitrag vom: 08.09.2006 um 13:06:11


25) Re: Moderne hieroglyphische Texte
Paul am 29.01.2026 um 13:06:25

Die 4 Zeichen über der alten Tür


Die sichtbare Symbolik
„ve = Φ“
v e links: wirkt wie Vollzug + Erkenntnis oder Verstehen im Entstehen
→ kein abgeschlossenes Wort, sondern Bewegung
Das e im Kreis mit Querstrich: erinnert an
– Grenze
– Horizont
– geteiltes Ganzes
→ Verstehen im Rahmen einer Trennung
= als Gleichsetzung, nicht als Ursache
Φ (Phi) rechts:
– Ganzheit
– Harmonie
– Proportion
– Selbstähnlichkeit
– lebendige Ordnung
Wichtig: Φ ist keine Zahl, sondern ein Verhältnis, das sich selbst trägt.

> Antwort auf Beitrag vom: 29.08.2006 um 14:32:23