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   Neues aus der Ägyptologie (107)
   Der Sarkophag des Tutanchamun (8)
  Autor/in  Thema: Der Sarkophag des Tutanchamun
Haremhab  maennlich
Member

  

Der Sarkophag des Tutanchamun 
« Datum: 15.01.2004 um 08:40:02 »   

An die "Vielwissenden" im Forum
(und davon gibt es, wie ich mich überzeugen konnte, recht viele)

Ich habe am Sonntag im Museum in Hamm einen Vortrag von Frau Dr. Marianne Eaton-Krauss zum Sarkophag des Tutanchamun gehört. Dabei wurde zum (bekanntermaßen umgearbeiteten) Sarkophag die These vertreten, dass dieser Sarkophag ursprünglich für Meretaton oder Semenchkare bestimmt gewesen sein soll. Mir war bisher nur die These bekannt, dass der Sarkophag von Tutanchaton in Tutanchamun umgearbeitet worden sei.

Als Beleg zeigte Frau Dr. Marianne Eaton-Kraus ein Dia von einem Teil eines Pektorals (gefunden im Grab), aus dem wohl zu lesen sein soll, dass es vorher Meretaton zuzuordnen war. Ein weiteres Dia zeigte (angeblich!) umgearbeitete Kanopenkrüge aus dem Grab Tutanchamuns.

Frau Dr. Marianne Eaton-Krauss hat allerdings darauf verwiesen, dass ihre These wohl von der herrschenden (?) Meinung nicht geteilt wird.

Meine Frage: Kennt jemand Informationen, die sich mit der geschilderten These kritisch oder zustimmend auseinandersetzen?

Haremhab
Ti  weiblich
Member

  

Re: Der Sarkophag des Tutanchamun 
« Antwort #1, Datum: 15.01.2004 um 10:29:45 »   

Hallo Haremhab,

zu den Kanopendeckeln habe ich in einem zugegebenermaßen alten Ausstellungskatalog (Tutanchamun in Köln, Kölnisches Stadtmuseum 21. Juni - 19. Oktober 1980, erschienen im Verlag Philipp von Zabern) folgenden Text gefunden:

Kanopendeckel, Kairo, Ägyptisches Museum, JE 60087
Fundnummer 266e

An die Stelle von vier einzelnen Gefäßen, den sog. Kanopen, in denen man die Eingeweide der Verstorbenen zu bestatten pflegte, tritt bei Tutanchamun ein steinerner Kasten mit vier senkrechten zylindrischen Hohlräumen, die einzeln mit Deckeln verschlossen sind: Hier sind die traditionellen und bislang eigenständigen Kanopenkrüge mit dem sonst meist hölzernen Kanopenkasten, in den der Vierersatz der Krüge gestellt werden kann, zu einem kombinierten Bestattungsmöbel verschmolzen. Aber auch die Art der hier ausgeführten Bestattung der einbalsamierten Eingeweide ist höchst ungewöhnlich: Sie erfolgte in vier Miniatursärgen (Kat.-Nr. 45), die ihrerseits in die vier Schächte des Eingeweideschreins versenkt wurden.
Wie die sonst üblichen Kanopen so sind auch die vier Eingeweideschächte Tutanchamuns mit dreidimensional gestalteten Deckeln gesichert. Hier nun sind es vier Königsköpfe, mit Kopftuch und Diadem der Wappentiere, Geier und Kobra versehen, die diese Funktion ausüben.

! Dem Gesicht mit den übergroßen Mandelförmigen Augen, den sorgsam aufgemalten, nach unten gezogenen Mundwinkeln, den noch jugendlich fülligen Formen von Wangen und Hals spricht man eine gewisse Porträtähnlichkeit zu: Nicht nur die Inschriften des Steinkastens und seines hölzernen Schreins, sondern auch die Bildniszüge der Kanopendeckel sichern die Identität und Individualität des verstorbenen Königs."


Christine El Mahdy (wie auch immer man zu ihr stehen mag) schreibt dazu:
"Die Gesichter der Deckel haben keine Ähnlichkeit mit Tutanchamun und wurden daher wohl entweder von jemand anders geborgt oder aus dem Vorrat (?) genommen.
Ähnlich waren auch die Miniatursärge nicht für Tutanchamun gedacht gewesen, sondern wieder verwendet, wofür die Kartuschen von Anch(et)cheprure in die von Nebcheprure geändert wurden.

Zum Sarkophag:
"Der Sarkophag (...) war aus einem einzigen Block aus gelbem Quarzit, dem härtesten Stein in Ägypten. Er gehört offenkundig nicht dem König - er war zu klein für die Särge, sodass man beim äußersten Fußende ein Stück abschlagen mußte, damit er hineinpaßte (Wohl die Särge?) Der Deckel war aus rötlichem Granit und passte nicht zum Sarg, zudem war er an einer Stelle quer von einer Seite zur anderen gesprungen. Dieser Deckel war, vermutlich zum Zeitpunkt der Beisetzung mit gelber Farbe bemalt worden, damit er besser zum Sarkophag passte. Da Farbe in den Sprung im Deckel hineingelaufen ist, war dieser vermutlich schon angebrochen, als er ins Grab gebracht wurde(...)"
weiter unten:
"Der Sarkophag war geliehen; den Deckel fand man beim Ausschuß und bemalte ihn notdürftig mit Farbe."


Hat Dr. Eaton-Kraus ihre These zu den Grabgegenständen in irgendeiner Form belegt?
> Antwort auf Beitrag vom: 15.01.2004 um 08:40:02  Gehe zu Beitrag
semataui  maennlich
Member

  

Re: Der Sarkophag des Tutanchamun 
« Antwort #2, Datum: 15.01.2004 um 11:22:48 »   

Hi,

Zitat:
Frau Dr. Marianne Eaton-Krauss hat allerdings darauf verwiesen, dass ihre These wohl von der herrschenden (?) Meinung nicht geteilt wird.


So allein steht Dr. Eaton-Krauss nicht: siehe Peter A. Clayton/Die Pharaonen S. 134, Reeves(logo!)/Wilkinson/Tal der Könige und andere mehr (muß ich erst suchen).

Es wurde sogar die These vertreten, dass außer den pers. Gegenständen alles von anderen Personen stammt und nach dem Motto "der ganze Amarna-Mist muß weg" als Grabbeigabe "entsorgt" wurde. Genau dies sei einer der Gründe für die übermäßig umfangreiche Grabausstattung für so einen unbedeutenden König. Aber wie so vieles in dieser Zeit: Spekulatius und nicht bewiesen.

Gruß
semataui
> Antwort auf Beitrag vom: 15.01.2004 um 08:40:02  Gehe zu Beitrag
heka-waset  maennlich
Member

  

Re: Der Sarkophag des Tutanchamun 
« Antwort #3, Datum: 15.01.2004 um 22:37:33 »   

ich
« Letzte Änderung: 20.10.2011 um 17:12:39 von heka-waset »
> Antwort auf Beitrag vom: 15.01.2004 um 11:22:48  Gehe zu Beitrag
Ti  weiblich
Member

  

Re: Der Sarkophag des Tutanchamun 
« Antwort #4, Datum: 16.01.2004 um 14:29:33 »   

Hallo heka,

könntest du deine Quellen nennen?

Liebe Grüße Ti
> Antwort auf Beitrag vom: 15.01.2004 um 22:37:33  Gehe zu Beitrag
Seqenenre  
Gast

  
Re: Der Sarkophag des Tutanchamun 
« Antwort #5, Datum: 16.01.2004 um 15:44:39 »     

Zum Sarkophag:
"Der Sarkophag (...) war aus einem einzigen Block aus gelbem Quarzit, dem härtesten Stein in Ägypten. Er gehört offenkundig nicht dem König - er war zu klein für die Särge, sodass man beim äußersten Fußende ein Stück abschlagen mußte, damit er hineinpaßte (Wohl die Särge?) Der Deckel war aus rötlichem Granit und passte nicht zum Sarg, zudem war er an einer Stelle quer von einer Seite zur anderen gesprungen. Dieser Deckel war, vermutlich zum Zeitpunkt der Beisetzung mit gelber Farbe bemalt worden, damit er besser zum Sarkophag passte. Da Farbe in den Sprung im Deckel hineingelaufen ist, war dieser vermutlich schon angebrochen, als er ins Grab gebracht wurde(...)"
weiter unten:
"Der Sarkophag war geliehen; den Deckel fand man beim Ausschuß und bemalte ihn notdürftig mit Farbe."

Ich habe vor einigen Jahren die Theorie gehört, daß der Sakophagdeckel nicht aus dem selben Stein ist, da es vielleicht nicht der ursprünglich vorgesehene Deckel war, welcher (evtl. beim Transport) kaputt gegangen ist. Da man schnell Ersatz brauchte (schließlich war ein derart früher Tod des Königs nicht vorauszusehen und danach blieben ja nur 70 Tage Zeit), hat man den fehlerhaften Deckel mit Sprung und aus anderem Stein genommen...

Frag` mich jetzt aber bloß niemand, wo ich das gelesen hab`, es ist etliche Jahre her!

Zur "übermäßig umfangreichen Grabausstattung": immerhin bekamen die "alten" Götter während der Herrschaft Tut-Anch-Amuns wieder ihre alte Macht zurück, die Priesterschaft der Tempel hatte also doch eigentlich einen guten Grund, dankbar zu sein.
Auch finde ich die Ausstattung gar nicht soooo übermäßig umfangreich, denn verglichen z.B. mit der im Juja/Tuja-Grab - die hatten auch eine ganze Menge, waren aber keine Herrscher.
Und: schließlich gibt es keine Möglichkeit zum Vergleich mit der Ausstattung anderer Könige der 18. Dynastie, aber ich würde anhand eines Vergleichs der Größe anderer Königsgräber vermuten, daß dort ursprünglich noch bedeutend mehr drin war. Wenn man die Ausstattung des Tut-Grabes in einem der großen Gräber im Tal verteilen würde, dann wären dort die Räume halb leer...
Ist natürlich nur Spekulatius, aber immer noch besser, etwas zu vermuten, als, um etwas zu erfahren, irgend welche okkulte Methoden wie Gläserrücken usw. zu brauchen...
> Antwort auf Beitrag vom: 16.01.2004 um 14:29:33  Gehe zu Beitrag
Ti  weiblich
Member

  

Re: Der Sarkophag des Tutanchamun 
« Antwort #6, Datum: 16.01.2004 um 18:02:14 »   

Hallo Seqenenre,

die Tatsache, daß Howard Carter bei der Öffnung des Grabes von Tutanchamun wohl das einzige vollständige Grab der 18. Dynastie entdeckt hat, (obwohl auch hier gefaßte Grabräuber eingedrungen waren) gibt in der Tat die Möglichkeit zu allerhand Spekulationen. Man könnte das beliebte Spiel "Was wäre, wenn?" spielen. Welche Reichtümer, Schätze, Artefakte und und und hätten gefunden werden können?

Meinst du wirklich, daß das hilft?

Ehrlich gesagt, habe ich manchmal schon überlegt, wieviele Schätze aus pharaonischer Zeit wohl auf den modernen Müllkippen Ägyptens verrotten, weil sie keiner für wertvoll hielt. Und wie viele Pektorale, Ketten, Ringe usw. schon vor dreitausend Jahren wieder eingeschmolzen worden sind, damit Grabräuber sie besser verkaufen konnten.

Vielleicht kommt ja noch die eine oder andere sensationelle Entdeckung, die uns weiterhilft.

Liebe Grüße Ti
> Antwort auf Beitrag vom: 16.01.2004 um 15:44:39  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Der Sarkophag des Tutanchamun 
« Antwort #7, Datum: 16.01.2004 um 18:09:44 »   

Hi Ti,

Vorsicht mit dieser Aussage:


Zitat:
obwohl auch hier gefaßte Grabräuber eingedrungen waren

Inzwischen gibt es ernsthafte Hinweise, daß Carter selber zu den relevanten Grabräubern in diesem Falle gehörte. Lies mal in
"Der goldene Pharao Tut-ench-Amun. Die erste authentische Darstellung der grössten archäologischen Entdeckung aller Zeiten"  von Thomas Hoving (1984; ISBN: 3811203983)
nach.
Zur Zeit der Entdeckung galt nur die Fundteilungsregel - aber nicht für ein unberaubtes Königsgrab. Carter und Co. hätten keine Schwerbe mitnehmen dürfen, wenn das Grab unberaubt gewesen wäre. Den Rest liest man bei Hoving nach.

Iufaa
« Letzte Änderung: 16.01.2004 um 18:11:13 von Iufaa »
> Antwort auf Beitrag vom: 16.01.2004 um 18:02:14  Gehe zu Beitrag
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