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   Architektur & Kunst (459)
   Medinet Habu / Gottesgemahlinnen (4)
  Autor/in  Thema: Medinet Habu / Gottesgemahlinnen
Haremhab  maennlich
Member

  

Medinet Habu / Gottesgemahlinnen Gottesgemahlin_Heilige_Kuehe.JPG - 409,45 KB
« Datum: 11.05.2004 um 20:43:43 »   

Hallo und guten Abend!

Darf ich denn die Experten unter Euch nochmals belästigen? Ich tus einfach!

Ich habe in Medinet Habu in den Grabkapellen der Gottesgemahlinnen die beigefügte Aufnahme gemacht. Soll mit der "Opferung" (?) der Kühe die Versorgung im Jenseits sichergestellt werden (ähnlich wie die Abbildung der Kühe im Grab der Nefertari?).

Oder gibt es einen anderen Hintergrund?

Im ersten Augenblick sah es außerdem so aus, als ob die untere Kuh am Schwanz gezogen würde. Bei entsprechender Vegrößerung kann man erkennen, dass dies nicht der Fall ist. Aber dazu dann natürlich auch die Frage, ob das ein gewöhnlicher Hirtenstock ist.

Und wenn schon belästigen, dann richtig: Kann jemand erkennen, welche Gottheit hinter Ptah steht? Das ist doch Ptah, der vor den Kühen steht?

Genug, ich werden den/die eine(n) oder andere(n) schon genug gequält haben.

Einen schönen Abend

Haremhab
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Medinet Habu / Gottesgemahlinnen 
« Antwort #1, Datum: 11.05.2004 um 21:03:42 »   

Es handelt sich um die Gottesgemahlin Schepenupe II, die Nachfolgerin der Gottesgemahlin Amenirdis, der diese Grabkapelle geweiht ist.
Links steht Schepenupe II mit einem Stab (linke Hand) und treibt mit einem Stock (rechte Hand) 4 angeleinte Kälber vor Osiris, Horus, und die verstorbene Amenirdis (nicht im Bild).

Quelle: Porter&Moss, II, S. 476 - ich dachte, den hättest Du

Iufaa
« Letzte Änderung: 11.05.2004 um 21:10:26 von Iufaa »
> Antwort auf Beitrag vom: 11.05.2004 um 20:43:43  Gehe zu Beitrag
Haremhab  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Medinet Habu / Gottesgemahlinnen 
« Antwort #2, Datum: 11.05.2004 um 21:38:12 »   

Danke Iufaa,

hab ich auch, aber ich wusste nicht genau, in welcher Kapelle ich die Aufnahme gemacht hatte. Und dann war mir die Darstellung von Osiris so unbekannt, dass ich dann doch dachte, ich hätte die falsche Stelle bei P&M.

Und was ist der Sinn der Szene? Doch die Versorgung?

Nochmals dankeschön

Haremhab
> Antwort auf Beitrag vom: 11.05.2004 um 21:03:42  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Re: Medinet Habu / Gottesgemahlinnen 
« Antwort #3, Datum: 14.01.2007 um 19:04:32 »   

Hallo Haremhab,

möchte einen Uralt-Thread zum Abschluss (?) bringen (vielleicht lesen ja noch andere so alten Themen)

Die Szene bezeichnet man als "Treiben der 4 Kälber", eine Ritualhandlung die vom AR bis in die griech.-röm. Epoche belegt ist.
Der König (hier die Gottesgemahlin) treibt 4 Kälber, stets ein weißes, rotes, schwarzes und ein buntes, vor einen Gott.

LÄ VI, Sp. 749 ff unterteilt die dazugehörigen Texte in 2 Kategorien.

Agrarische Thematik: die Kälber werden über die Tenne des Gottes getrieben und sollen dabei das Korn dreschen. Im Gegenzug erhält der König vom Gott reiche Ernt und zahlreichen Nachwuchs. Die Texte erwähnen auch ein Töten von Schlangen, die den Kälbern gefährlich werden können. So werden Stab und Stock, die der König in den Händen hält als zwei Hälften einer zerschnittenen Schlange angesehen. Damit entschärft man das Negative (die Schlange) und verwandelt es in etwas Postives (Gegenstände zum Hüten des Viehs).

osirianische Thematik: hiernach lässt der König die Kälber auf das Grab des Osiris um dieses vor seinen Feinden zu verstecken. Im folgenden gebe ich einen Auszug von Dieter Kurth aus der oben genannten Quelle wieder:

Zitat:
Bedenkt man, daß eben diese Szenen zugleich auch die agraische Thematik enthalten, der König Sohn des Nilgottes genannt wird und die Texte außerdem noch die Gliedervereinigung des Osiris ansprechen, dann liegt die Vermutung nahe, daß die Tenne mit dem Grab und das Korn mit dem Leib des Osiris gleichgesetzt wurde, daß das Dreschen und das nachfolgend anzusetzende Einstampfen des Kornes durch die vier Kälber als Verbergen des Osirisleibes und als Voraussetzung für die Auferstehung des Osiris in der Vegetation (Kornosiris) gedeutet wurde.


Zudem hat die Darstellung noch einen legitimatorischen Akzent. Der König als Horus begräbt seinen Vater indem die Kälber die Erde mit dem Leib des Osiris feststampfen. Das Dreschen kann hier auch als ein Niedertrampeln der Feinde gedeutet werden.

So findet man die Darstellung des Treiben der 4 Kälber auch oft im Kontext zu Sedfestdarstellungen, bei Königskrönungen oder der sog. "Taufe Pharaos" (so Kurth). Die Gegengabe des Gottes an den König besteht (im NR) hier dann aus der Verleihung von Gesundheit, dem ewigen Königtum und dem Sieg über alle Länder.

Gruß
nauna

PS: die sich nach diesem Post dran machen könnte einen entsprechenden Lexikoneintrag zu verfassen
> Antwort auf Beitrag vom: 11.05.2004 um 21:38:12  Gehe zu Beitrag
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