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   Architektur & Kunst (459)
   Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? (12)
  Autor/in  Thema: Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel?
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? 
« Datum: 10.06.2004 um 12:07:56 »   

Manchmal bringt eine harmlose Bemerkung einen zu interessanten Überlegungen.
Ein Forumsmitglied wurde gebeten in Luxor den Sachmet Tempel zu grüßen – den Sachmet Tempel?
Wo bitte ist in Luxor ein Sachmet Tempel?

Grübel – was könnte gemeint sein? Im Ptah Tempel in Karnak steht eine Sachmet Statue, der Mut Tempel ist immerhin einer Katzengöttin geweiht und beherbergte unzählige Sachmetstatuen.
Aber sie als Sachmet Tempel zu bezeichnen?

Rückfragen beim „Grüße Besteller“ ergaben: er meint tatsächlich den Ptahtempel.
Stimmt seine Angabe – Ptah Tempel als Sachmet Tempel?

Ich muss gestehen, damit habe ich mich noch nie auseinandergesetzt.

Versuchen wir also zu klären wem der Tempel geweiht ist.
Der Kern des Tempels (Halle/Sanktuarien) stammt von Thutmosis III.. Die vorgebauten Pylone stammen aus der Ptolemäerzeit.
Konzentrieren wir uns also auf die Wanddekoration des thutmosidischen Tempelkernes. Es gibt Veränderungen aus der Ptolemäerzeit. Der Rest zeigt Thutmosis III. beim Opfer vor Göttern. Diese sind in der Vorhalle: Ptah; Amun – Ptah – Chons – Mut – Hathor (vor einem Restaurierungstext Haremhabs); Ptah; Amun – Ptah;  drei Nilgötter.
Eindeutig dominiert hier Ptah.
Die thebanische Triade – Amun mit Gattin Mut und Sohn Chons – versteht sich als Huldigung an die „Tempeleigentümer“ von Karnak. Hathor findet sich auf der Wand, da sie als Gefährtin des Ptah gilt.
In der zentralen Kapelle des  Sanktuariums finden wir Thutmosis III. beim Weinopfer vor Amun, Ptah, Hathor und Mut. Eine Szene in der der König vor Ptah von Amun umarmt wird.
Die nördliche Kapelle enthält Szenen des Königsopfers vor Ptah, die südliche dieselben Opfer vor Hathor.

In der Wanddekoration ist damit nirgendwo ein Bezug zu Sachmet herzustellen.

Somit wäre es abwegig den Tempel als Sachmet Tempel zu bezeichnen.
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? Schwaller_Bild_313.jpg - 108,75 KB
« Antwort #1, Datum: 10.06.2004 um 12:08:53 »   

Allerdings steht unbestreitbar in der südlichen Kapelle eine Löwenköpfige Statue.

Warum?
Wenn wir nun das entsprechende Stichwort im LÄ aufschlagen, Bonnet oder Wilkinson zu Rate ziehen, immer finden wir dort den Hinweis das die Sachmet auch ein Aspekt der Göttin Hathor sei. Zudem avanciert Sachmet im Laufe des NR immer mehr zur Gefährtin des Gottes Ptah.
Somit ist eine später aufgestellte Sachmetstatue im Ptah Tempel nicht weiter verwunderlich.

Wer hat sie aufstellen lassen?
Sicherlich nicht Thutmosis III., es sei denn es wäre etwas an einer Bemerkung von Bonnet. Er bezeichnet diese Statue, entgegen aller anderen Autoren, nicht als Sachmetstatue sondern als Löwenköpfige Hathor.
Leider habe ich keine Inschriften der Statue publiziert gefunden. Man sollte seine Aussage wohl vor Ort überprüfen und nachschauen ob sich auf der Statue Inschriften befinden die Hathor oder Sachmet nennen.
Da es bis zur nächsten Ägyptenreise noch dauert, freue ich mich über Abschriften eventuell auf der Statue vorhandener Inschriften.
Beim betrachten eines Bildes der Statue datierte jemand diese spontan in die Zeit Amenophis III..  Diese Datierung würde nicht verwundern, hat A. III. doch ca. 600 Sachmetstatuen im Mut Tempel aufstellen lassen. Und zu seiner Zeit war Sachmet schon weit stärker zur Gefährtin des Ptah avanciert.
Allerdings scheint es keine weiteren Hinweise auf Aktivitäten A. III. im Ptah Tempel zu geben. Wohingegen Haremhab sich mit einer Restaurierungsinschrift verewigt hat.

Wann wurde sie aufgestellt?
Die Literatur ist sich uneins ob die Staue dort in situ steht oder nicht.
Die große Anzahl der von A. III. in Auftrag gegebenen und im Großraum Karnak aufgestellten Sachmetstatuen macht eine Aufstellung zu seiner Zeit zwar durchaus möglich. Eine erst spätere sekundäre Aufstellung dieser Statue an diesem Ort kann aber ohne weitere Angaben auch nicht ausgeschlossen werden.

Mir fehlt der Zugang zu entsprechender Literatur um dieses Thema weiter zu vertiefen.

Ich bitte Euch hier um Mithilfe.
> Antwort auf Beitrag vom: 10.06.2004 um 12:07:56  Gehe zu Beitrag
Eva  
Gast

  
Re: Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? 
« Antwort #2, Datum: 11.06.2004 um 19:26:54 »     

hi nauna,

sehr interessanter gedanke. ich habe mal ein wenig gestoebert und im "british museum dictionary of ancient egypt" folgendes gefunden. nach dem letzten absatz muesste also die statue im neuen reich aufgestellt worden sein, ev. sogar von amenhotep III. !?
vlg.
eva

Sekhmet
Lioness-goddess whose name simply meant ‘she who is powerful’. She personified the aggressive aspects of female deities and acted as the consort of PTAH and probably the mother of NEFERTEM in the Memphite triad. She was usually portrayed as a woman with a lioness’s head, but as the daughter of the sun god RA, she was also closely kinked with the royal uraeus in her role as the fire-breathing ‘Eye of RA’. The Pyramid Texts twice mention that the king was conceived by Sekhmet.
Because of the rise to power of the Theban rulers of the New Kingdom, the Theban triad (AMUN, MUT and KHONS) became correspondingly more important and began to ‘absorb’ the attributes of other deities. This meant that Sekhmet was increasingly represented as an aggressive manifestation of the goddess MUT, and large numbers of statues of the lioness-goddess were therefore erected by AMENHOTEP III both in the temple of MUT at KARNAK and in his mortuary temple in western THEBES.


> Antwort auf Beitrag vom: 10.06.2004 um 12:08:53  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? 
« Antwort #3, Datum: 11.06.2004 um 19:44:34 »   

Jo,

aber die Statue hier steht im Ptah-Tempel des Karnak-Bezirkes und nicht im Mut-Tempel, also fraglich, ob sie mit von dort stammenden Sakhmet-Statuen in einen Topf werfen werden kann.

Neben Bonnet spricht auch Schwaller de Lubicz in "The Temples of Karnak" (aus dem auch die Abbildung stammt) von einer "Sakhmet", die hier eher als Aspekt der Hathor verstanden werden soll.

Iufaa
« Letzte Änderung: 11.06.2004 um 19:57:18 von Iufaa »
> Antwort auf Beitrag vom: 11.06.2004 um 19:26:54  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? 
« Antwort #4, Datum: 12.06.2004 um 17:54:21 »   

Eine Vermutung dass die Statue von Amenophis III in Auftrag gegeben wurde ist wohl sehr wahrscheinlich.
Trotzdem müßte es geprüft werden. Nur weil er ein Faible für Sachmetstatuen hatte, und zweifellos eine riesige Anzahl in Auftrag gab, darf man sich nicht allein davon dazu hinreisen lassen die Statue in diese Zeit zu datieren.

Zuerst müßte man klären, ist es Sachmet oder ist es eine Löwenköpfige Hathor. Dies scheint nur über Inschriften möglich zu sein. Ich habe weiterhin keinen Hinweis auf publizierte Inschriften der Statue gefunden. Es wird demnach beim nächsten Karnak Besuch zu klären sein.

Eine ganz andere Überlegung ist WANN ist die Statue in den Tempel gekommen? Ihre Aufstellung ist meiner Erinnerung nach im Raum recht zentral. Wenn man aber beim Ausgraben des Tempels im Sanktuar noch einen Hathorkopf gefunden hat, wo kommt dieser dann her? Eine in der Antike zerstörte Hathor wäre wohl komplett aus dem sanktuar entfernt und  in einer Cachette begraben worden. Dann hätte man sie durch eine andere Statue (ev. auch durch eine der Hathor nahestehende Sachmet) ersetzen können. NUR, dann hätten die Ausgräber keinen Hathorkopf finden können. Wenn also noch Reste einer Hathorstatue im Sanktuar vorhanden waren, dann doch wohl aus der Zeit wo der Tempel aufgegeben wurde. Neben der dominierenden Sachmetstatue kann man sich aber keine Hathorstatue im Raum mehr vorstellen. Es würde wohl auch die Göttin Hathor etwas beleidigen, ihre Statue zugunsten der Sachmet in die Ecke zu drängen.
Aus diesem Gedanken heraus müßte man dann aber für eine späte, ev. neuzeitliche, Aufstellung der Sachmetstatue im südlichen Sanktuar plädieren.

Gruß
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 11.06.2004 um 19:44:34  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? 
« Antwort #5, Datum: 13.06.2004 um 08:02:58 »   

zum Aufstellungsort der Statue habe ich in der Dissertation von  Sigrid-Eike Hoenes: Untersuchungen zu Wesen und Kult der Göttin Sachmet, Bonn 1976 S. 43 folgende Bemerkung gefunden:


Zitat:
In diesem Zusammenhang ist eine Beobachtung LEGRAINs zu sehen, die er im Tempel von Karnak machte.
Er schreibt, die Statuen des Ptah und der Sachmet zeigten in ihren Sanktuaren Spuren von Polierung an ihrer Oberfläche. Besonders deutlich war dies an den Füßen und der linken Hand der Sachmet zu sehen. LEGRAIN meint, diese Polierungen rühren von Berührungen von Gläubigen, ähnlich wie beim Fuß von St. Peter in Rom her. Auch bei Statuen von Amenophis, dem Sohn des Hapu, und Ramses I. ließen sich solche Spuren feststellen. Er folgert daraus, den Verehrenden sei es möglich gewesen, zu den Schreinen zu gelangen, in denen die Statuen standen. Wahrscheinlicher sind aber die Vorhöfe, zu denen Besucher gelangen konnten, als Standplätze anzunehmen.


Beschrieben wird dies in dem Kapitel wo es um "Sachmet und Krankheiten" geht. Dies impliziert die Vorstellung Sachmet sei hier zum Schutz vor Krankheiten berührt worden.
Leider nimmt es mir die Grundlage zu der Überlegung Legrain hätte die Statue ev. in das Sanktuar gestellt. Scheinbar muß sie, wenn sie dort sekundär steht, bereits vorher dorthin gebracht worden sein.

Auch wenn ich euch mit diesen Überlegungen langweile, werde ich euch auf dem laufenden halten  

Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 12.06.2004 um 17:54:21  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? 
« Antwort #6, Datum: 29.06.2004 um 18:40:53 »   

Hallo Naunakhte.

In der jüngeren Literatur finden sich leider kaum Hinweise auf das Statuenprogramm des Ptah-Tempels. Hier eine kleine Ausnahme:

„A l’interieur de la chapelle sud du temple de Ptah, les fouilles firent découvrir les vestiges d’une statue de Sakhmis qui terrfia les ouvriers et que l’on nomma „l’ogresse de Karnak“. Aujourd’hui, éclairée par une lucarne percée percée dans le plafond, la puissante Sakhmis, parèdre de Ptah, a repris sa place.“
(S. Aufère, J.-Cl. Golvin und J.-Cl. Goyon, L’Égypte Restituée, Paris 1991, S. 120)

Interessant ist der beiläufige Kommentar M. Abd el-Raziqs (Der Tempel von Ptah in Karnak, in: ASAE 76 (2001), S. 105), dass 19 Statuen im Tempel von Rifaud (im Auftrag Drovettis) im Tempel gefunden und abtransportiert wurden. Hier gibt Abd el-Raziq einen Verweis auf P. Barguet, Le Temple d’Amon-Rê à Karnak, Kairo 1962, S. 13 Anm. 6 wo dieser schreibt: „Rifaud découvrit dans ce temple 19 statues en granit noir et une en calcaire (Rapport de la Commission nommée pour l’examen de la collection des dessins de M. Rifaud sur l’Egypte et la Nubie [1829]“.
Für unser Problem entscheidend ist nun aber der weitere Text (S. 14):
„Il (der Ptah-Tempel) est célèbre par sa statue de Sekhmet trouvée in situ dans la chapelle Sud.“
Entscheidend ist hier die Angabe in situ . Die Statue scheint tatsächlich im Sanktuar des Ptahtempel aufgefunden worden zu sein. Obwohl scheinbar eine ganze Anzahl Statuenfragmente geborgen wurden (nicht katalogisiert – und damit verschollen), ließ man die Sachmet-Statue neben der Ptahstatue als einzige im Tempelbereich. Eine Erklärung hierfür habe ich trotz Durchsicht aller Grabungspublikationen Legrains und Chevriers nicht gefunden. Allerdings gibt das „in situ“ des obigen Zitats keine Hinweise WIE die Statue aufgefunden wurde (aufrecht stehend? am heutigen Platz? vergraben? später verschleppt...). Allein aus den vagen Angaben der genannten Autoren ist es nicht möglich hier abschließend ein Urteil zu fällen. Die Bezeichnung in situ ist somit für diese Diskussion mehr oder weniger wertlos!

Da keiner der Texte im Tempel die Göttin Sachmet erwähnt, ist eine Bezeichnung der Anlage als „Sachmet-Tempel“ sicher unzutreffend. Diesen Namen allein aus dem Fund der Statue zu schliessen wäre völlig willkürlich und mißachtet die Textbefunde wie auch die kultische Funktion des Tempels. Wir kämen ja auch nicht auf den Gedanken, den Amun-Tempel von Karnak als Min-Tempel zu bezeichnen (obwohl dieser Gott dort in den Reliefs zahlreich vertreten ist und in der Theologie des Karnak-Tempels eine wichtige Rolle spielt).

Eine recht gute Möglichkeit zu „Gegenkontrolle“ der Rekonstruktion des Sanktuarkultes bietet der „Gegentempel“ des Ptahtempels. Wie hier im Forum bereits im Zusammenhang mit dem Deir el-Medineh-Tempel angsprochen, entspricht die Götterkonstellation eines Gegentempels i.d.R. derjenigen des Sanktuarkultes. Und auch im Gegentempel des Ptahtempels (D. Wildung, Imhotep und Amenhotep, MÄS 36, München-Berlin 1977, S. 201-
finden sich ausschließlich die Gottheiten Ptah, Hathor (an der Spitze von Theben), Harsomtus, Imhotep und Amenophis Sa Hapu. Auch hier von Sachmet keine Spur!

Im Tempel selbst befindet sich eine Priesterliste (G. Legrain, Temple de Ptah ris-anbou-f dans Thebes, in: ASAE 3 (1902), S. 100), die offenbar den Personenhaushalt des Tempels darstellt. In dieser Liste wird ausschließlich Hathor als Berufsgottheit der Priester genannt.
Das Argument es handle sich um ein populäres Heiligtum am Rande des Karnak-Tempels, das durch seine exzentrische Lage auch niederen Bevölkerunggruppen den Zugang und die Anrufung eines Gottes erlaube ist schlichtweg hypothetisch. Zum einen wissen wir über die Zugangsberechtigung bestimmter sozialer Gruppen so gut wie nichts. Auch die massenhaften Graffiti die im Bereich zwischen dem Ptah-Tempel und dem Amun-Tempel zu finden sind lassen keine breite soziale Streuung vermuten. Nach Aussage von Traunecker, in: BSFE 85 (1979), S. 24 lassen sich die Graffiti folgenden Berufen zuordnen:
Von 109 ramessidischen Graffiti sind 25 ohne Titelangabe, 54 gehören Schreibern und 15 Wab-Priestern, 9 Graffiti sind mit mittleren und hohen Titeln in Verbindung zu bringen. 6 Graffiti sind Handwerkern zuzuordnen. Berücksichtigt man die enge Verbindung von Schreibern und Wab-Priestern, die ja beide derselben sozialen Gruppe zuzurechnen sind und ähnliche Aufgaben im Tempel ausgeübt haben dürften kommen wir auf eine signifikante Mehrzahl von mittelpositionierten Tempelbediensteten. Die Behauptung der Sachmet-Tempel sei also v.a. von einfachen Gläubigen oder von Soldaten als „Berufs-/Pilgerheiligtum“ genutzt worden ist nicht haltbar.

Wenn wir weiter die Texte aus dem Ptah-Tempel zu Rate ziehen stellt sich heraus, dass bei den frühesten Belegen aus dem Tempel (Thutmosis III.) kein einziger Hinweis auf einen Sachmet-Kult existierte. Die sog. Ptah-Stele Thutmosis’ III. (Kairo, CG 34013; A. Klug, Königliche Stelen, Brepols 2000, S. 137ff.) nennt als „Tempeleigentümer“ ausschliesslich Ptah. Sachmet wird mit keinem Wort erwähnt. Auch hier findet sich Hathor als Empfängerin von Stiftungen (Z. 24f.) wieder, die als „Mutter (des Pharao)“ bezeichnet wird. Auch Amun ist prominent in dem Stelentext als Empfänger eines Kultes im Tempel vertreten.
Auch die Haremhab-Stele die in die innere Umfassungsmauer vermauert war nennt neben Amun(-Re) und Ptah die Göttin Hathor. In einer Genealogie-Passage wird auch die Göttin Mut erwähnt, die auch in der sogenannten Ptah-Stele (Legrain, S. 113) neben Amun-Re und Chons als Kultempfänger und Teil der thebanische Triade genannt ist.

...
> Antwort auf Beitrag vom: 13.06.2004 um 08:02:58  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? 
« Antwort #7, Datum: 29.06.2004 um 18:41:41 »   

...
Die kultische Rolle der Hathor im Tempel entspricht völlig dem Bild, das wir von der Konstellation Ptah (südlich seiner Mauer) und Hathor aus anderen (v.a. späteren) Tempeln kennen (vgl. die Zusammenstellung bei H. Sternberg-Hotabi, Ein Hymnus an die Göttin Hathor, Bruxelles 1992). Die Funktion Ptahs in Bezug zu Hathor ist im sogenannten Augenmythos zu suchen. Hier tritt Ptah in seiner Funktion des memphitischen Schöpfungs- und königlichen Schutzgottes als derjenige auf, der die ferne Göttin heimführt und sie (befriedet) empfängt. Nach der vollzogenen Ehe mit dem König krönt Ptah die Göttin.
Wie auch das bekannte Ptahheiligtum bei Deir el-Medineh steht auch der Karnak-Ptah-Tempel in engster Verbindung zu königlichen Erneuerungs- und Krönunugsritualen, die als Feste v.a. am Neujahrstag und dem Sedfest (so ja bei Deir el-Medineg als zentrales Thema) begangen werden.

Warum nun die Sachmet-Statue im Ptah-Tempel aufgefunden wurde könnte eben darüber erklärt werden, dass Ptah in Karnak und v.a. im memphitisch-unterägyptischen Raum derjenige war, der die wilde und löwengestaltige ferne Göttin (u.a. (Hathor-)Tefnut oder Sachmet genannt) nach Ägypten heimführte und dort als Hathor (oder Bastet) mit dem König vermählte. In dieser Rolle entspricht er dem Gott Onuris / Schu, der als Schu / Onuris-Schu im Augenmythos der meisten oberägyptischen Tempel diese Aufgabe erfüllt. Die engen mythologisch-genealogischen Verknüpfungen von Ptah und den zahlreichen Formen der Isis/Hathor/Mut/Sachmet... kann man bei J. Bergman, Ich bin Isis, Uppsala 1968, S. 263-72 bequem nachlesen. Das würde hier sicher den Rahmen sprengen. Die Titel der Hathor (Auge des Re, Herrin des Himmels, Tochter des Re...) sowie die Bildszenen im Tempel, die ausschliesslich die Erneuerung der Königsherrschaft sowie die Herrschaftslegitimation zum Thema haben, lassen aber an der mythologischen Rolle der Göttin keinen Zweifel (zu den ptolemäischen Texten und den einzelnen Bildszenen vgl. Urkunden VIII, S. 128-51).

Die Löwinnenstatue, die sich durch die Sonnenscheibe als eine Manifestation einer solaren Gottheit zu erkennen gibt (die ferne Göttin ist ja DIE solare Hochgöttin schlechthin und als „Tochter des Re“ die zentrale Figur des Sonnen-/Augenmythos) könnte also die Hathor darstellen, die als (noch) wilde löwengestaltige Gottheit von Ptah beruhigt wird. Den Tempel trotz dieser kultischen Situation als eigenen Sachmet-Tempel zu bezeichnen ist dennoch verfehlt, da Sachmet ja nicht das eigentliche Ziel der königlichen Erneuerungsthematik war, sondern die beruhigte und schöne Göttin Hathor/Isis/Bastet (entsprechend wurde ja auch in Bubastis die befriedete Form Bastet verehrt nicht die wilde, gefährliche Sachmet). Eben diese friedvolle Gottheit und nicht Sachmet begegnet auch im Tempelrelief bzw. den Texten des Ptahtempels. Andererseist könnte m.E. die Statue auch als Hathor bezeichnet werden, da ihre Identität im Tempel klar dominiert und eine ganz strikte Trennung von Sachmet vielleicht auch garnicht Absicht des Kultes im Ptah-Tempel war, der ja die Doppelnatur der Göttin immer berücksichtigen musste.

Die oben gegebene Interpretation der Reliefs und Titel wird weiter durch den langen Hathor-Hymnus im Ptah-Tempel (Urkunden VIII, 134,1-136,18) gestützt. Dieser Hymnus wurde unter Prolemaios X. am ersten Tor am Torpfosten angebracht und findet sich in Parallele auch in Dendera, Philae und Kom Ombo. Der Hymnus kann bei H. Sternberg-Hotabi, op.cit. in Übersetzung und Kommentar nachgelesen werden. In mehreren Kultliedern und Hymnen wird geschildert wie der Pharao der wilden Göttin den Rauschtrank mischt und ihr kredenzt. Der König tritt dabei wieder als Schu bzw. Ihi, bzw. „Sohn des Re“ auf um die Göttin (Hathor-)Tefnut bzw. Sachmet zu beruhigen. Diese Rolle kennen wir aus zahllosen anderen Tempeln und auch wieder aus den Sonnen- und Augenmythen. Der Ptah-Hymnus nennt allerdings (wie in allen anderen Parallelversionen) niemals Sachmet, sondern ausschließlich Hathor mit verschiedensten Titeln und Epitheta. Thematisch angesprochen wird in weiten Teilen des Textes aber Hathor als die wilde und gefähliche Gottheit. Auch dies zeigt, dass unsere moderne Nomenklatur i.d.R. zu starr ist, um den vielschichtigen und situationsabhängigen Charakter mythologischer Figuren zu erklären/bezeichnen.

Die vehement geführte Debatte, ob denn nun ein Doppelheiligtum Hathor-Sachmet vorliege oder gar ein reines Sachmet-Heiligtum und ob die Statue Sachmet oder Hathor (oder Mut?) zeige, ist also m.E. sinnlos. Diese Debatte geht zu analytisch an ägyptische Götterbezeichnungen bzw. –epitheta heran. Es werden Grenzen gezogen, wo eigentlich keine sind (Sachmet und Hathor sind ja eigentlich keine selbständigen Göttinen, sondern Phasenidentitäten einer kosmischen Hochgottheit). Auch wird hier über Tempelnamen gestritten obwohl die ägyptischen Quellen uns für diesen Tempel klar die Bezeichnung „Haus des Ptah-südlich-seiner-Mauer“ (vgl. Legrain, in: ASAE 3, S. 109 Z. 2) vorgeben. Eine Bezeichnung Sachmet-Tempel wäre (solange wir keinen Beleg haben, der dies unterstützt) rein künstlich und ein modernes Konstrukt.

Schuld an diesem dokumentarischen Chaos und der hier geführten Diskussion ist sicherlich Legrains „Lustlosigkeit“ (so Abd el-Raziq, S. 105 Anm. 28) den Ptahtempel vollständig aufzunehmen. Er beschreibt in ASAE 3 zwar detailliert die einzelnen Texte. Je mehr er sich den Sanktuaren nähert, desto weniger Informationen liefert er allerdings, was im Falle der Statuenaufstellung eben für Verwirrung sorgte. Trotzdem wohl zu verzeihen: damals war die archäologische Dokumentation generell noch in den Kinderschuhen...
Für alle die Geduld haben und weiterhin dem Tempel ihr Interesse entgegen bringen wollen sei auf die geplante ADAIK-Publikation der Anlage von M. Abd el-Raziq verwiesen. Wann diese erscheint ist allerdings unklar (angekündigt bereits 1992).

Gruss A.
> Antwort auf Beitrag vom: 29.06.2004 um 18:40:53  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? 
« Antwort #8, Datum: 30.06.2004 um 11:37:19 »   

Hallo Gast A,

vielen dank für Deine ausführliche Schilderung dieser Problematik zum Ptahtempel.

Was wäre die Beschäftigung in der Ägyptologie ohne Geduld  

Harren wir also ferneren Publikationen und hoffen ihre Veröffentlichung noch zu erleben.

Danke
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 29.06.2004 um 18:41:41  Gehe zu Beitrag
monja  weiblich
Member

  

Re: Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? 
« Antwort #9, Datum: 30.06.2004 um 12:57:24 »   

Moin, Moin Gast A,
auch ich möchte mich bedanken für die wirklich informative und ausführliche Recherche über diesen Tempel.

DANKEEEEEEE

lieben Gruß Monja.
> Antwort auf Beitrag vom: 29.06.2004 um 18:41:41  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? 
« Antwort #10, Datum: 13.12.2004 um 12:18:25 »   

Der letzte Luxoraufenthalt wurde natürlich auch genutzt um der hier genannten Fragestellung nachzugehen.

Die fragliche Statue trägt keine Inschriften. Eine eindeutige Zuweisung: Bastet oder löwenköpfige Hathor erscheint mit unseren Möglichkeiten aussichtslos.

Die Inschriften des Raumes und des Tempels berichten, wie schon erwähnt, nur von Hathor.

Ein Bild der Reliefs des Gegentempels, den Gast A angesprochen hat, hängt diesem Post an.

Zum ehemaligen Erhaltungzustand dieses Tempelteiles füge ich ein aktuelles Bild der beiden Aussenwände der Hathoerkapelle an.

Man sieht, dass hier große Teile rekonstruiert und ergänzt wurden. Das Dach wurde modern erneuert.
Es boten sich scheinbar in frühen Jahren viele und gute Möglichkeiten hier eine Statue abzuladen.

Gruß
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 30.06.2004 um 11:37:19  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Karnak – Ptahtempel oder Sachmettempel? 
« Antwort #11, Datum: 14.10.2007 um 13:42:24 »   

Hierzu


Zitat:
Für unser Problem entscheidend ist nun aber der weitere Text (S. 14):
„Il (der Ptah-Tempel) est célèbre par sa statue de Sekhmet trouvée in situ dans la chapelle Sud.“
Entscheidend ist hier die Angabe in situ . Die Statue scheint tatsächlich im Sanktuar des Ptahtempel aufgefunden worden zu sein. Obwohl scheinbar eine ganze Anzahl Statuenfragmente geborgen wurden (nicht katalogisiert – und damit verschollen), ließ man die Sachmet-Statue neben der Ptahstatue als einzige im Tempelbereich.


stolpere ich gerade über eine Kataloginschrift (Michel Azim: Karnak dans l'objektif de Georges Legrain; Paris 2004 S. 351) die zu der Statue folgendes anmerkt:

Zitat:
Sekhmet, l'ogresse de la tradition orale, fut retrouve brisée en une cinquantaine de fragments et patiement reconstituée par Legrain.

Als Quelle wird in der Fußnote angegeben: Legrain: Louqsor sans les pharaons, Brüssel 1914 p. 111-112

Bei diesen zahlreichen Fragmenten stellt sich dann die Frage nach der Bedeutung von "in situ"  

Leider habe ich den angegebenen Legrain zur Zeit nicht im Zugriff.

nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 29.06.2004 um 18:40:53  Gehe zu Beitrag
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