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   Schlagen der Bälle (37)
  Autor/in  Thema: Schlagen der Bälle
Geistsucher  maennlich
Member

  

Re: Schlagen des Balles 
« Antwort #30, Datum: 28.01.2009 um 20:07:41 »   

Hallo.
Nach dem Lexikon stellt sich vielleicht die Frage, ob
hier das Auge mit dem bösen Blick auf die Götter geschlagen
wird.  

Viele Grüße
Geistsucher
> Antwort auf Beitrag vom: 28.01.2009 um 19:58:39  Gehe zu Beitrag
Hemet  weiblich
Member

  

Re: Schlagen des Balles 
« Antwort #31, Datum: 28.01.2009 um 21:21:37 »   

Hallo, was bedeuten also 4 Bälle? In Ägypten symbolisiert die "vier"  die vier Himmelsrichtungen. Ich könnte mir vorstellen, entweder bedeutet die Darstellung ..mit dem Stock und Ball die "Feinde verteiben" in alle vier Himmelsrichtungen oder vielleicht symbolisiert das Schlagen des Balles ein Schutzsymbol. Liebe Grüße Irmi
> Antwort auf Beitrag vom: 28.01.2009 um 20:07:41  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Schlagen des Balles 
« Antwort #32, Datum: 28.01.2009 um 21:43:05 »   

Hallo Irmi,

ich würde beide Rituale getrennt voneinander betrachten. Angesichts der Tatsache, dass die Taharqa-Szene singulär ist, ist die Interpretation eher schwierig, wenn nicht spekulativ.

LG, Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 28.01.2009 um 21:21:37  Gehe zu Beitrag
Lutz  maennlich
Member

  

Re: Schlagen des Balles 
« Antwort #33, Datum: 30.01.2009 um 10:04:21 »   

Hallo Irmi !
Hallo zusammen !

Zitat - Hemet:
... was bedeuten also 4 Bälle? In Ägypten symbolisiert die "vier" die vier Himmelsrichtungen. Ich könnte mir vorstellen, entweder bedeutet die Darstellung ..mit dem Stock und Ball die "Feinde verteiben" in alle vier Himmelsrichtungen oder vielleicht symbolisiert das Schlagen des Balles ein Schutzsymbol.

Wie Iufaa bereits anmerkte sind die Rituale getrennt zu betrachten.

Taharqa wirft vier Tonkugeln (?), er schlägt sie nicht. Gleichzeitig ist die Gottesgemahlin mit dem Abfeuern von vier Pfeilen in die vier Himmelsrichtungen beschäftigt. Die Szenen sind rechts und links von einer Darstellung des Osirisgrabes zu finden, haben also wohl irgendwie mit diesem Gott und seinen Mysterien zu tun.

Nach Alexandra von Lieven : Bemerkungen zum Dekorationsprogramm des Osireion in Abydos (Wiesbaden: Harrassowitz, 2007. - 6.Ägyptologische Tempeltagung - Leiden 2002 - 3 [2007] S.: 185) ist Deine Vermutung bezüglich Feindabwehr wohl gar nicht so verkehrt ...

Das Ritual " Schlagen des Balls " findet vor oder zumindest in Anwesenheit einer Göttin statt die auch " Auge des Ra " sein kann. Dies dürfte der Schlüssel für seine Interpretation sein.

Liebe Grüße, Lutz.
« Letzte Änderung: 30.01.2009 um 10:15:43 von Lutz »
> Antwort auf Beitrag vom: 28.01.2009 um 21:21:37  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Re: Schlagen des Balles 
« Antwort #34, Datum: 02.02.2009 um 08:39:19 »   

In dem von Lutz angesprochenen Artikel von A. v. Lieven wird die singuläre Taharqa-Szene in Verbindung gesetzt zu (einem bestimmten Typ von) Darstellungen des aufgebahrten Osiris.
So schreibt sie S. 184-185

Zitat:
Neben den Kronen und anderen Regalia tauchen unter der Bahre auch gerade in der "abedynischen" Vollversion Vierersets von Pfeilen und Bögen sowie kleine rundliche Pakete auf, die kaum sinnvoll als Herrschaftsinsignien gedeutet werden können. Zur Ausstattung mit Waffen würde ja auch ein einziger Bogen genügen. Gerade das Ensemble aus vierfachen Bögen und Pfeilen und einigen undefinierbaren Objekten war aber schon in den Szenen auf der Rückwand der Haupthalle des Osireion aufgetaucht, und zwar unter den Thronen der Osirisgestalten im unteren Register. Eine mögliche Interpretation hierfür bietet eine Darstellung im Taharqabau am Heiligen See in Karnak.


Die Verbindung Bahre und Pfeile zeigt sich auch auf einem Naos aus Saft el-Henne (CG 70021) und einem Doppelbahrenuschebti der Prinzen Ramses und Chaemwaset.

Ihre Beschreibung der Szene von Taharqa sieht dann wie folgt aus (S. 185)

Zitat:
Dort ist in der Mitte das Osirisgrab im baumbestandenen Heiligen Hügel zu sehen. Daneben ist zur Linken die Gottesgemahlin damit beschäftigt, Pfeile in die vier Himmelsrichtungen zu schießen, während zur Rechten der König vier Tonkugeln ebenfalls in die vier Himmelsrichtungen wirft.


Im Anschluss ihre Deutung der Szene in Verbindung mit den Bahrendarstellungen:

Zitat:
Daß die vier Pfeile und Bögen unter dem Thron bzw. der Bahre des Osiris einem ähnlichen Zweck dienen, ist wahrscheinlich. Weniger klar ist der Fall für die vier runden Objekte, die teilweise wie kleine Stoffbeutel aussehen. Ein Zusammenhang mit dem Werfen der vier Tonkugeln ist jedoch zumindest nicht auszuschließen. Immerhin spricht der zugehörige Ritualtext davon, daß die Kugeln neben der Bahre (r gs nmi.t) des Osiris ihre Wirksamkeit entfalten. Archäologische Belege für solche Kugeln bestätigen dies durch ihre Fundsituation. [Anm.: sie verweist hier auf einen Artikel von Goyon über die vier Kugeln, in BIFAO 75 ]
Beide Handlungen dienten nach Ausweis der Textquellen der Abwehr von Feinden, die gerade im Falle der Pfeile auch ganz realistisch als Fremdvölker konzipiert waren. Dies gibt dem religiösen Geschehen zusätzlich einen politischen Unterton.
Die Riten dienen also auf verschiedenen Ebenen der Legitimation und Sicherung der Herrschaft, die Osiris von seinem Vater erbt und selbst an seinen Sohn weitergibt. Indem sich der König in dieses Geschehen einbindet, wird seine Macht ebenfalls erneuert und bestätigt.


Eine interessante Ansicht der Szene(n). Mich hat sie dazu veranlasst in Zukunft bei den Bahrendarstellungen mal unter die Bahre zu schauen, was dort dargestellt ist. Aber auch auf die Bahre, beschreibt sie in diesem Artikel doch auch Aufbahrungen wo Osiris mit dem Bauch auf der Bahre liegt - eine Darstellung die ich noch nie bewusst wahrgenommen habe.

Gruß
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 30.01.2009 um 10:04:21  Gehe zu Beitrag
Lutz  maennlich
Member

  

Re: Schlagen des Balles 
« Antwort #35, Datum: 02.02.2009 um 10:40:16 »   

Hallo zusammen !

Hier eine Aufnahme aus dem Osireion. Der Gott, thronend im Schrein, vor ihm Anubis oder einer der Horussöhne ( Foto aus März 2005 ) :



- Vollbild -


In der Ausschnitts-Vergrößerung sind im Sockel unter dem Thron links die Kugeln, rechts Pfeile und Bögen zu erkennen :



- Vollbild -



Gruß, Lutz.
> Antwort auf Beitrag vom: 02.02.2009 um 08:39:19  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Re: Schlagen des Balles 
« Antwort #36, Datum: 05.03.2009 um 16:16:16 »   

ja, bleiben wir etwas allgemeiner und werten den Artikel von Borghouts (Borghouts, J.F., The Evil Eye of Apophis, JEA 59, 1973, 114-150) aus, den Iufaa bereits genannt hat. Demnach finden sich bei diesem Ballspiel als "Gegenüber" des Königs:

13 x Hathor (davon 5 x mit Ihy, Harsomtus oder Horus von Behedet zusammen)
1 x Tefnut
3 x Sachmet (hierzu rechnet er die beiden Darstellungen in der Mutkapelle des LT  -  bitte vor Ort mal die Beischrift prüfen)
2 x ist das Gegenüber zu zerstört um eine Aussage zu machen.

Berechtigterweise darf man nach dieser Auflistung davon ausgehen, dass die beiden zerstörten "Gegenüber" weiblich waren.

Was verbindet die genannten Göttinnen?
Hathor und Tefnut werden als Töchter des Re bezeichnet. Tefnut beschützt ihren Vater Re, ein Aspekt den sie mit Sachmet teilt. Seit dem Neuen Reich verbinden sich Hathor und Tefnut zu Hathor-Tefnut. Wobei Tefnut die Wilde ist und Hathor die friedliche Gestalt. In den Reigen der "Augen des Re" und somit seiner Beschützer reiht sich auch Sachmet ein, die doch gerade unter Amenophis III. so sehr mit Mut eine Einheit bildet. Die Hunderte von löwenköpfigen Göttinnenstatuen im Muttempel sind ikonographisch der Sachmet näher als der Mut und sollen wohl doch Mut darstellen.
Damit wären wohl alle Damen Hypostasen des göttlichen Auges (des Re) und hätten eine Beschützerrolle gegenüber Re.

Gegenspieler des Re ist Apophis, der dem Re sein Auge raubt und Re auf seiner Fahrt auf der Sonnenbarke angreift. Das Böse Auge des Apophis hypnotisiert die Barkenmannschaft und setzt sie somit ausser Gefecht.

Die Literatur setzt nun das ballähnliche Gebilde in den Abbildungen mit dem bösen Auge des Apophis gleich, das der König mit seinem Schlagstock zerstört oder in die Ferne verbannt. Der Kampf wird in Gegenwart des göttlichen Auge des Re durchgeführt, welches in Form der weiblichen Göttinnen vertreten ist.

Dem Auge des Re entsprang einst ein Baum (bAk). Aus seinem Holz wurde der Schlagstock gefertigt, wie wohl mehreren Beischriften zu entnehmen ist. Das Material des ballähnlichen Gebildes wird mit HmA, HmAt, Hm, Hmt, Hmw oder Hmmw angegeben. In ptol. Zeit steht der Begriff Hmm wohl für Ball. Ein Hmm-Busch steht für den Gott Seth, Gegenspieler des Horus, dessen Auge er raubte. Womit das Material von Ball und Stock dann seine eigene Geschichte erzählen würde.

Gruß
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 28.01.2009 um 15:13:11  Gehe zu Beitrag
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