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   Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin (16)
  Autor/in  Thema: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin
Neb-Maat-Ra  
Gast

  
Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Datum: 10.06.2009 um 09:40:02 »     

Am 25.05.2009 wurde in der Spiegel Ausgabe Nr. 22 auf Seite 134 von Matthias Schulz ein Artikel mit dem Titel „Krimi um die Königin“ veröffentlicht. Dieser Beitrag ist jetzt auf der Homepage des Verlages abrufbar.
Im Artikel wird behauptet, dass es sich bei der im Museum von Kairo befindliche Altarplatte möglicherweise um eine Fälschung handelt.

Der Klappaltar würde, so der Text, folgende Auffälligkeiten aufweisen:

  1. Es handelt sich um den einzigen ägyptischen Klappaltar dieser Art.
  2. An vier Stellen wurde die Hieroglyphe „Maat/Wahrheit“ falsch geschrieben.
  3. Der Echnaton ist Linkshänder, ein Verstoß gegen die ägyptische Ikonografie.
  4. Die Töchter erhalten goldene Halskragen. Diese wurden nur an hohe Beamte als Auszeichnung verliehen.
  5. Die gelbe Verwitterung sei laut Farbanalysen nur vorgetäuscht.
  6. In der Amarna-Zeit wurden überformatige Köpfe stiltypisch. Hier sind sie normal groß.
  7. Nofretete schützt mit ihrer rechten Hand die älteste Prinzessin, statt das auf ihren Knien stehende Kind zu halten.
  8. Nur auf diesem Relief ist das Fußkissen der Frau niedriger als beim Mann.
  9. Die „Was/Heils“-Hieroglyphe war in der Amarna-Periode verboten.


Gerne würde ich im Form über diese „Merkmale“ diskutieren. Könnte es sich tatsächlich bei dem Altarbild in Kairo um eine „Fälschung“ handeln? Chemische und Mikroskopische Analysen stehen natürlich nicht zur Verfügung. Dennoch kann anhand der Stilistik einige Aussagen erarbeitet werden. Vielleicht hat der ein oder andere das Altarbild in Kairo im Original gesehen oder sich eventuell näher damit beschäftigt.

Gruß, Neb-Maat-Ra



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« Letzte Änderung: 11.06.2009 um 11:10:43 von Neb-Maat-Ra »
Lutz  maennlich
Member

  

Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Antwort #1, Datum: 10.06.2009 um 11:50:58 »   

Hallo !

Zitat:
Der Klappaltar würde, so der Text, folgende Auffälligkeiten aufweisen:

1. Es handelt sich um den einzigen ägyptischen Klappaltar dieser Art.

Ist dann der Goldsarg des Tutanchamun auch eine Fälschung ?  

Um den einzigen bisher in diesem Erhaltungszustand gefundenen wäre wohl treffender ?! Der Berliner Altar (Inv.-Nr.: 14145) könnte ursprünglich durchaus ähnlich ausgesehen haben :


- Vollbild -



Zitat:
2. An vier Stellen wurde die Hieroglyphe „Maat/Wahrheit“ falsch geschrieben.

Eigentlich nicht mein Thema ... aber : Verwendung und Schreibweise speziell von Zeichen und Worten die in irgendeiner Form mit Göttern verbunden waren unterlagen in der Amarna-Zeit mehrfach diversen Veränderungen. Immer wieder wurden Inschriften korrigiert - scheinbar bedingt (u.a.) durch sich wandelnde religöse Ansichten am Königshof.

Kann da nicht auch der profilierteste Schreiber irgendwann durcheinander kommen ?!      

Zitat:
3. Der Echnaton ist Linkshänder, ein Verstoß gegen die ägyptische Ikonografie.

Wäre er dann doch wohl auf dem Berliner Altar ebenfalls (wenn man so vermessen sein möchte, anhand dieser Darstellungen eine derartige Aussage zu treffen ...) ?    

Im Übrigen hat sich der Kunsthandwerker der Amarna-Zeit bekanntermaßen des öfteren wenig um die althergebrachte Ikonografie gekümmert.

Zitat:
4. Die Töchter erhalten goldene Halskragen. Diese wurden nur an hohe Beamte als Auszeichnung verliehen.

Echnaton überreicht einen Ohrring, keinen Halskragen.

Letztere werden nicht nur von Beamten sondern auch von Angehörigen des Königshauses, sogar von Königin und König selbst, getragen (siehe : Kleiner Goldener Schrein - Tutanchamun - JE 61481) :




Zitat:
5. Die gelbe Verwitterung sei laut Farbanalysen nur vorgetäuscht.

Welche Analysen ? Wann, wo und von wem erstellt ? Wenn ich recht erinnere lt. Hawass doch erst geplant (?)

und :

Zitat - Falck im Spiegel-Artikel:
"... Falck empfiehlt, das berühmte Tausch-Gegenstück zur Nofretete (das heute im Nationalmuseum von Kairo steht) sofort einer "Analyse der Farben und des Grundmaterials" zu unterziehen. "Die Wahrheit muss ans Licht. ..."


   


Zitat:
6. In der Amarna-Zeit wurden überformatige Köpfe stiltypisch. Hier sind sie normal groß.

Sorry, aber ich sehe keinen Größenunterschied im Vergleich mit anderen Darstellungen (speziell bei den drei Prinzessinnen).  

Zitat:
7. Nofretete schützt mit ihrer rechten Hand die älteste Prinzessin, statt das auf ihren Knien stehende Kind zu halten.

Also wirklich, jetz wird`s albern ... Rabenmutter = Fälschung ?      

Zitat:
8. Nur auf diesem Relief ist das Fußkissen der Frau niedriger als beim Mann.

Ja und ? Nur auf dem Berliner Altar sitzt die Königin auf dem Sessel mit Semataui-Symbol, der König auf einem nicht dekorierten Sessel (Fälschung ?    ). Wie schon gesagt, mit althergebrachter Ikonografie nahm man es wohl des öfteren nicht so genau.

Zitat:
9. Die „Was/Heils“-Hieroglyphe war in der Amarna-Periode verboten.

Ach was, tatsächlich ?! : Cambridge - Fitzwilliam Museum - E.GA.2300.1943  



Zitat - Prof. Wildung, Ägyptisches Museum Berlin :
" Nur gut, dass die Geschichte der Bildhauerei von Künstlern geschrieben wird und nicht von schlaumeiernden Kunstgeschichtlern. "

... oder nachtragenden Ex-Mitarbeitern !      


Gruß, Lutz.
« Letzte Änderung: 11.06.2009 um 13:26:05 von Lutz »
> Antwort auf Beitrag vom: 10.06.2009 um 09:40:02  Gehe zu Beitrag
homer  
Gast

  
Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Antwort #2, Datum: 10.06.2009 um 19:44:17 »     

Hallo,


Zitat:
3. Der Echnaton ist Linkshänder, ein Verstoß gegen die ägyptische Ikonografie.

Wäre er dann doch wohl auf dem Berliner Altar ebenfalls (wenn man so vermessen sein möchte, anhand dieser Darstellungen eine derartige Aussage zu treffen ...) ?    

Im Übrigen hat sich der Kunsthandwerker der Amarna-Zeit wohl des öfteren wenig um die althergebrachte Ikonografie gekümmert.


Kommt aber häufiger vor:
z.B. Echnaton als Sphinx: Boston, MFA 64.1944
auf der Elfenbein / Ebenholz-Truhe empfängt Tut-anch-Amun Blumen von Anchesen-pa-Amun, leider auch mit links (weil er sich mit seiner rechten auf einen Stock stützt) … auch Echnaton stützt sich hier nur auf und natürlich mit seiner Rechten… wenn er es mit seiner linken getan hätte … würde es schon 10 Aufsätze zum „Einarmigen König“ geben bzw. „wann verlor Echnaton seinen Arm … und ist das der Grund für Nofretetes verschwinden“…


Zitat:
Zitat:9. Die „Was/Heils“-Hieroglyphe war in der Amarna-Periode verboten.

Wer sagt bzw. wo steht das ?


Im Grab des Ramose gibt es die Dinger nun leider auch und dummerweise genau in der Darstellung des Erscheinungsfensters der kgl. Familie… aber vielleicht ist das Grab ja auch gefälscht

Die anderen Punkte sind auch Unfug, den man genauso schnell wie Lutz bereits geschrieben hat vom Tisch wischen kann ... aber um diese Diskussion fortzuführen ... "warum ist die Nofretete denn wieder plötzlich echt?" nach Stierlin soll Borchardt ja so meisterhaft gewesen sein, dass er selbst alte Pigmente etc. für seine "Fälschungen" verwendet hat ... und ausgerechnet beim Klappaltarbild in Kairo nicht? Ich denke man dreht die Sachen gerade so wie man es braucht ... aber vielleicht geht es hier gar nicht um die ägyptischen Originale, sondern um ganz andere Dinge für die dann nur wieder Aegyptiaka ihren "Kopf" hinhalten müssen... eigentlich ein Thema ohne Diskussion, solange es auf einer solchen Ebene geführt wird. Im Großen und Ganzen ist es schade, dass Ägyptologen die leider viel zu lange tot sind, um sich noch wehren zu können auf diese Weise diffamiert werden. Vielleicht bedenkt man so etwas auch mal bevor man solche Artikel bzw. Zeitungsartikel schreibt und auch kommentiert und sich an Laien-Leser wendet, die es nicht beurteilen können und so polarisiert werden.
Aber vielleicht liegt darin ja der wahre Grund derartiger Publikationen...!?

Beste Grüße
Homer

> Antwort auf Beitrag vom: 10.06.2009 um 11:50:58  Gehe zu Beitrag
Neb-Maat-Ra  
Gast - Themenstarter

  
Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Antwort #3, Datum: 10.06.2009 um 23:20:06 »     

Hallo Homer,

die Vermutungen ob der Altar in Kairo eine Fälschung sein könnte wurden nicht von dem Autor des Spiegelartikels aufgestellt. Vielmehr wurde die Theorie von dem renommierten Ägyptologen Rolf Krauss in die Welt gesetzt und von dem Kurator der Ägyptischen Sammlung des Kestner Museum Hannover – Christian Loeben – gestützt. Ein weiterer international anerkannter Ägyptologe, nämlich Martin von Falck gibt an: „Krauss nennt überzeugende Gründe, um das Altarbild stark in Zweifel zu ziehen.
Aus diesem Grund handelt es sich sicher bei dem Artikel nicht nur um eine reine populistische Inszenierung der Medien, sondern um eine erstzunehmende Diskussion, welche in seriösen Wissenschaftskreisen ja durchaus gewünscht ist. Jedoch muss ich gestehen, dass die Geschichte im Gesamten betrachtet auch für mich einige Auffälligkeiten aufweist.

Gruß, Neb-Maat-Ra
> Antwort auf Beitrag vom: 10.06.2009 um 19:44:17  Gehe zu Beitrag
Neb-Maat-Ra  
Gast - Themenstarter

  
Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Antwort #4, Datum: 10.06.2009 um 23:55:39 »     

Hallo Zusammen,

auch ich bin der Meinung, dass in der Amarna Zeit viel Neues – vor allem in der Kunst – ausprobiert wurde. Texte wurden oftmals neu gestaltet und verändert, wobei „Fehler“ bzw. „Falschschreibungen“ entstanden.

Ein direkter Vergleich zwischen der Berlin (Inv.-Nr. 14145) und der Tafel in Kairo (Inv.-Nr. JE 44865) weist jedoch eindeutige Unterschiede auf. So fehlt im Vergleich dem Altarbild in Kairo ein gewisser künstlerischer Schwung. Die Figuren wirken etwas unbeholfen plump und unbeholfen. Dies ist vor allem an den Gesichtern, den Köpfen und Haltung der Hände deutlich erkennbar.
Das Berlin stück ist eine schlichte Tafel, während das Gegenstück in Kairo einen kompletten Altar darstellt, welcher wohl durch zwei Holzflügeltüren verdeckt werden konnte. Dies ist einmalig!

Zu dem weiteren, im Spiegle Artikel aufgeführten Punke ist folgendes festzustellen:

Punkt 3) „Der Echnaton ist Linkshänder, ein Verstoß gegen die ägyptische Ikonografie.
Die rechte Hand von Echnaton ist seltsam durchgebogen. Es gibt hierzu meines Wissens nur eine Parallele, der sogenannte „Spaziergang im Garten“ (Ägyptisches Museum, Berlin Inv. 15000). Auf den ersten Blick wird auch die Szene unägyptisch, ist jedoch mit dem neuen Kunststil von Amarna plausibel zu erklären.

Punkt 4) „Die Töchter erhalten goldene Halskragen. Diese wurden nur an hohe Beamte als Auszeichnung verliehen.
Mir sind hierzu keine Parallelen bekannt. Die Ehrengoldketten wurden meines Wissens in der Tat nur an hohe Beamte verliehen. In dieser Szene scheint der König, zusammen mit einer seiner Töchter, mit dieser kostbaren Auszeichnung zu spielen. Auch hier liegt wohl eine Besonderheit der Amarna Kunst vor. Es wird eine besonders intime und private Szene der Königsfamilie wiedergegeben.

Zu Punkt 6) „In der Amarna-Zeit wurden überformatige Köpfe stiltypisch. Hier sind sie normal groß.
Betrachtet man die Köpfe der Prinzessinnen genauer, so ist doch die für die Amarna-Zeit typische längliche – etwas unnatürliche – Kopfform erkennbar. Von einer normale Kopfgröße kann hier nicht die Rede sein.

Zu Punkt 7) „Nofretete schützt mit ihrer rechten Hand die älteste Prinzessin, statt das auf ihren Knien stehende Kind zu halten.
Die stehende Prinzessin wird doch von der linken, halb ausgestreckten Arm der Nofretete gestützt und bedarf so keiner weitern Hilfe.

Zu Punkt 8) „Nur auf diesem Relief ist das Fußkissen der Frau niedriger als beim Mann.
Auch dies finde ich zunächst nicht besonders Auffällig, wird doch so die Stellung des Königs hervorgehoben. Eine durchweg Altägyptische Auffassung, welche auch in Amarna ihre Gültigkeit besaß. Vielleicht kennt jemand entsprechende Belege die diese Aussage stützt.

Zu Punkt 9) „Was/Heils-Hieroglyphe war in der Amarna-Periode verboten.
Das die Was-Hieroglyphe in der Amarna-Zeit verboten sein, sollte ist mir absolut neu! Aber spontan ist mir kein Beleg dafür bekannt, dass ein Arm des Aton eine „Was“ dem König bzw. der Königin spendet. Homer gibt an, dass dies im Grab des Ramose (TT55) jedoch so ist. Kann dies jemand mit einem Bild belegen? Auch weitere Belege für „Was“-Zepter in der Amarna-Zeit fände ich interessant.

Den original Artikel, welchen Rolf Krauss in dem populärwissenschaftlichen Magazin KMT über den Altar veröffentlich hat, kenne ich leider nicht. Hat jemand diesen hier im Form gelesen und kann dazu was sagen?

Gruß, Neb-Maat-Ra

> Antwort auf Beitrag vom: 10.06.2009 um 11:50:58  Gehe zu Beitrag
Homer  
Gast

  
Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Antwort #5, Datum: 11.06.2009 um 07:39:34 »     

Lieber Neb-Maat-Re und verehrte Kollegen,

mir ist/war durchaus bewusst, dass der Spiegel nur reißerisch umsetzt, was Rolf Krauss in der letzten KMT postuliert. Aber auch darauf bezog sich mein Kommentar, denn man sollte wirklich mal hinterfragen, ob es hier wirklich NUR um die "Objekte" geht oder nicht ganz andere Hintergründe vorliegen könnten. In dieser vorgestellten Form ist das nicht nur nicht in Ordnung, sondern inakzeptabel.
Borchardt ist sicherlich keine einfache Persönlichkeit gewesen, was man durchaus zum Großteil aus der leider (vielfach noch) nicht publizierten Korrespondenz  mit Kollegen herauslesen kann, ihn aber als "durchtriebenen Fälscher" darzustellen ist eine Diffamierung. Probleme mit der Person Borchardts existieren aber leider nicht erst seit gestern, sondern sind schon sehr alt bzw. zeitgenössisch. Aber auch da sollte man sich Hinterfragen bevor man auf in Gang gesetzte Züge aufspringt, woher solche "Resentiments" von Borchardt-Kollegen kamen ... und da ist man schon ganz schnell wieder bei einem noch unliebsameren Thema in der Ägyptologie, nämlich der Frage nach den "Nazi-Ägyptolgen in der deutschen Ägyptologie", die meines Wissens noch nie im Fach aufgearbeitet wurde... aber das ist hier nicht das Thema.
Ich finde es wie gesagt nur Schade, dass seit Jahren tote Ägyptologen, von denen auch kein Berufs-Kollege mehr lebt, um sich derartiger Behauptungen wehren zu können, diffamiert werden... und das oftmals jenseits der Kenntnis alter Korrespondenzen, Aufzeichnungen etc.

Bilder des Ramose findet man übrigens auf der vielfach im Forum zitierten Website von Thierry Benderitter und natürlich auch in diversen Publikationen...

Beste Grüße
Homer
> Antwort auf Beitrag vom: 10.06.2009 um 23:55:39  Gehe zu Beitrag
snormi  weiblich
Member

  

Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Antwort #6, Datum: 11.06.2009 um 08:33:13 »   

Hallo,

die Darstellung des Erscheinungsfensters in TT 55 ist auch im Fotoalbum des Forums zu finden.

Gruß
> Antwort auf Beitrag vom: 10.06.2009 um 23:55:39  Gehe zu Beitrag
Neb-Maat-Ra  
Gast - Themenstarter

  
Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin Windowofappearances.gif - 141,87 KB
« Antwort #7, Datum: 11.06.2009 um 10:14:35 »     

In der Umzeichung aus dem Grab TT55 des Wesirs Ramose ist das Was-Zepter in einer Hand des Sonnenstrahls deutlich erkennbar.

Bildquelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/66/Windowofappearances.gif
> Antwort auf Beitrag vom: 11.06.2009 um 08:33:13  Gehe zu Beitrag
Neb-Maat-Ra  
Gast - Themenstarter

  
Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Antwort #8, Datum: 11.06.2009 um 10:38:54 »     

Lieber Homer,

ohne Zweifel hast Du recht - es ist nicht akzeptabel wie in dem Spiegelartikel bzw. von einigen Ägyptologen mit der Person Borchardt umgegangen wird. Sicherlich ist Borchardt eine nicht unproblematische Persönlichkeit mit vielen Ecken und Kanten, und diesbezüglich in weiten Zügen ein Kind seiner Zeit. Er hat Großes für die Ägyptologie im Gesamten und für die deutsche Forschung im Besonderen geleistet. Diesem Erbe muss man meiner Meinung nach mit Anerkennung, Respekt und Achtung begegnen.
Dennoch geht es hier schlicht um die Frage, ob das Altarbild in Kairo eine Fälschung sein kann. Halten die Argumente von Krauss, Loeben und v. Falck – immerhin international anerkannte Ägyptologen – einer genaueren Betrachtung stand. Eine Diskussion mit Lösungen kann nur auf der Sachebene gefunden werden, Emotionen sind hier weniger förderlich.

Herzliche Grüße, Neb-Maat-Ra
> Antwort auf Beitrag vom: 10.06.2009 um 23:20:06  Gehe zu Beitrag
Neb-Maat-Ra  
Gast - Themenstarter

  
Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin Ay_Tombe.jpg - 121,71 KB
« Antwort #9, Datum: 11.06.2009 um 11:25:44 »     

Im Felsengrab des Eje in Amarna-Süd (No. 25) ist bei der Verleihung des 'Ehrengoldes' gut zu erkennen, wie die Prinzessinnen am Erscheinungsfenster mit den kostbaren Schmuckstücken „herumspielen“. Auch dieser Punkt stellt somit auf dem Altarbild in Kairo kein Novum dar!

Gruß, Neb-Maat-Ra
> Antwort auf Beitrag vom: 10.06.2009 um 23:55:39  Gehe zu Beitrag
semataui  maennlich
Member

  

Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Antwort #10, Datum: 11.06.2009 um 17:43:49 »   

...und der "Linkshänder" Echnaton überreicht das Gold mit der Rechten...

Sorry, das ist mir zu viel Spekulatius, der da gebacken wird.
> Antwort auf Beitrag vom: 11.06.2009 um 11:25:44  Gehe zu Beitrag
Lutz  maennlich
Member

  

Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Antwort #11, Datum: 14.06.2009 um 04:35:12 »   

Der Tagesspiegel - 14.06.2009 - Berlin

Sonntagsinterview : Zahi Hawass

"Ich wäre gern Cheops, der Pharao" :

Zitat:
...

Wäre es nicht auch sehr verlockend, Echnaton zu sein? Dann hätten Sie Nofretete zur Gemahlin, die schönste Frau Ägyptens.

Wieso Ägyptens? Wie Sie wissen, ist die Büste seit fast 100 Jahren in Berlin. Wir hätten sie natürlich gern zurück.

Nicht nur die Nofretete. Erst kürzlich haben Sie geschrieben, dass Sie 5000 alte Kunstschätze für Ägypten zurückfordern.

Selbst wenn sich diese Gegenstände im Ausland befinden, so gehören sie doch zu Ägypten. Das bedeutet nicht, dass sie alle zurückkommen müssen. Zurück soll, was uns gestohlen wurde, und dazu fünf Stücke, die einmalig sind für unsere Kultur. Zu letzteren zählt die Büste der Nofretete. Ich habe den Deutschen einen Brief geschrieben, dass ich sie wenigstens gern als Leihgabe hätte zur Eröffnung des neuen Museums in Minia, wo Nofretete lebte. Wir verleihen unsere Kunstschätze ja auch.

Die Antwort lautete, dass die Büste zu zerbrechlich sei, um auf Reisen gehen zu können.

Nun hat sich die Lage wieder verändert. Es geht darum, ob das Verfahren rechtens war, nach dem der Archäologe Ludwig Borchardt seinen Fund von 1912 aufgeteilt hat.
Ein Briefwechsel und der Bericht der Fundteilung belegen, dass Borchardt seine Ausgrabungen der ägyptischen Altertümerverwaltung vorgelegt hat.
Die Frage ist, ob er versucht hat die Behörde zu täuschen. Wir sammeln noch Informationen, aber ich erwarte, dass wir in Kürze alles beisammen haben, um im Berliner Museum einen formalen Antrag auf Rückkehr der Büste zu stellen. Es scheint keine Dokumente zu geben, die schlüssig beweisen, dass Nofretete Ägypten auf eine Weise verlassen hat, die legal war und ethisch einwandfrei. Ich glaube, dass wir gute Argumente für ihre Rückkehr haben.
...


Siehe auch Ägyptologie-Blatt :

Neues zum Fall " Nofretete " - 26.05.2009

Büste der Nofretete eine Fälschung - 09.05.2009


Gruß, Lutz.
« Letzte Änderung: 14.06.2009 um 14:50:32 von Lutz »
> Antwort auf Beitrag vom: 11.06.2009 um 17:43:49  Gehe zu Beitrag
Sinuhe20  maennlich
Member

  

Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Antwort #12, Datum: 14.06.2009 um 08:26:49 »   

Hallo,

kann man anhand der Stilistik überhaupt irgendwelche Aussagen über die Echtheit des Klappaltars gewinnen?

Ich bin kein großer Kunstexperte, aber das einzige was man weiss ist doch, dass "die Amarna-Kunst" nur eine kurze Zeitepoche andauerte und viele Neuerungen gegenüber dem traditionellen ägyptischen Kunststil hervorbrachte.

Was bei den obigen Argumenten auffällt ist, dass einige stilistische Merkmale mit der traditionellen und andere mit der Amarna-Kunst verglichen werden.

Könnte es nicht auch sein, dass dieses Objekt Teile des Amarna-Stils einfach neu definiert? ( mitunter ein philosophisches Problem )

Was ich mich ausserdem noch frage ist, falls es sich wirklich um eine Fälschung handeln sollte, warum einem erfahrenem Ägyptologen wie Borchardt Fehler wie die angebliche Falschschreibung der Hieroglyphe „Maat/Wahrheit“ unterlaufen sollten?


Viele Grüße
Sinuhe20
« Letzte Änderung: 14.06.2009 um 08:53:54 von Sinuhe20 »
> Antwort auf Beitrag vom: 14.06.2009 um 04:35:12  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Antwort #13, Datum: 15.06.2009 um 10:46:02 »   

Hallo Sinuhe,

neben Materialuntersuchungen sind stilistische Vergleiche beim Kunstobjekten unbekannter Herkunft das übliche Verfahren zur Einordnung - und, wie in der Geschichte des Menschen üblich, voller Irrtümer.
In Umbruchszeiten, oder wenn Objekte aus Werkstätten stammen, in denen viele "Künstler" tätig waren, wird es, da hast Du recht, schwierig.

Und so sollte man das Ganze auch einordnen.

Gruss, Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 14.06.2009 um 08:26:49  Gehe zu Beitrag
Lutz  maennlich
Member

  

Re: Der Klappaltar von Kairo - Krimi um die Königin 
« Antwort #14, Datum: 15.06.2009 um 20:41:22 »   

Hallo zusammen !

Über die Diskussionsplattform des Egyptologists' Electronic Forum (EEF) kam am 14.06.09 ein, wie ich finde, sehr guter Beitrag von Maya Müller (Basel, Schweiz) zum Thema.

Nach einleitendem Statement,

Zitat:
" ... Do you also feel annoyed by authors who declare highly important works of Egyptian art as being fakes, works which are well documented and world-famous for their artistic merit? Suspicion arises that such authors aim more at publicity than at new scientific insight. ... "

welches meine volle Zustimmung findet, betrachtet sie fünf der angeblichen " Fehler " auf Stele Cairo JE 44865 näher.

Sehr interessant fand ich ihre Erklärung für die unterschiedliche Höhe der Fußkissen (" Wrong size of Nefertiti's foot cushion (p.25) ") :

Die Kissen sind nicht nur verschieden Hoch sondern auch ungleich in ihrer Form. Das Kissen der Königin ist unter ihrer linken Ferse erhöht wodurch das linke Bein, auf dem das Baby sitzt, leicht angehoben wird. Gleichzeitig erscheinen Kopf und Oberkörper der Königin leicht nach vorn geneigt.

Die Haltung der Königin entspräche einer durch stillende Mütter eingenommenen Position die wir von Darstellungen aus der Zeit der 19. Dynastie kennen (Siehe u.a. Hathor-Stele aus Deir el Medineh ---> Stillende Frau mit keilförmigem Kissen unter linkem Fuß ---> Bruyere,B.: Fouilles de Deir el Medineh 1935-40. - FIFAO 20 (ii). - Le Caire 1952, Fig. 156).

Sollte Maya Müller mit ihrer Interpretation recht haben so wäre dies wohl ein Hinweis auf eine relativ frühe Entstehungszeit der Stele (da die dritte Tochter Anchesenpaaton noch gestillt wird).

Gruß, Lutz.
> Antwort auf Beitrag vom: 14.06.2009 um 08:26:49  Gehe zu Beitrag
Seiten: 1 2 »           

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