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   Pharao & Hofstaat (290)
   Sarg KV 55 - Ausstellung München (14)
  Autor/in  Thema: Sarg KV 55 - Ausstellung München
Lutz (Gast)  
Gast

  
Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Datum: 17.10.2001 um 06:05:52 »     

Hallo zusammen,

gestern wurde sie ja nun endlich eröffnet ...

Habe ein Kurzinterview mit der Direktorin des Ägyptischen
Museums zur Ausstellungseröffnung in der Mittagsausgabe
der Heute-Nachrichten gesehen. Sie sprach in diesem Inter-
view vom "Sarg des Echnaton" (!!!).

Prof. Wildung schreibt in "Amun" Nr.11 (10/2001) auf Seite 12 :

"Im letzten Jahrzehnt ist kaum ein Objekt so kontrovers
diskutiert worden wie der Goldsarg aus KV 55.
Die Fachleute haben sich jedoch kaum darum bemüht, den
Sargdeckel in Kairo am Original zu untersuchen. Am Rande
der Transportvorbereitungen konnte nun beispielsweise fest-
gestellt werden, dass die Uräusschlange an der Perrücke
des Sargdeckels mit Sicherheit nicht nachträglich ange-
bracht wurde; der Sarg ist also nicht, wie meisst angenom-
men, erst sekundär für die Bestattung eines Königs her-
gerichtet worden."

An anderer Stelle bezeichnet er den Sarg als "aus dem
engsten Umfeld Echnatons" stammend.

War schon jemand in der Ausstellung ? Gibt es nach
der Restaurierung der Sargwanne eindeutige
Beweise für welchen König er bestimmt war ?

Grüsse,

Lutz
semataui  maennlich
Member

  

Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #1, Datum: 17.10.2001 um 15:04:48 »   

Hi Lutz,

da ich ein Anhänger der These bin Semechkarê=Nofretete
passen die Aussagen gut in mein Weltbild.

Die röntg. Untersuchungen der Mumie aus KV55, die auf einen jungen Mann um die 25 schliessen, halte ich genau so für falsch wie die gleichen Untersuchungen, die Ramses II ein Sterbealter von ca. 66 Jahren attestieren.

Bin gespannt, was da noch alles rauskommt.

semataui
Lutz (Gast)  
Gast - Themenstarter

  
Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #2, Datum: 17.10.2001 um 15:34:58 »     

Hi Semataui,

> da ich ein Anhänger der These bin Semechkarê=Nofretete  
> passen die Aussagen gut in mein Weltbild.

nun, da sind wir ja schon mal mindestens Zwei !

Wahrscheinlich wird Gitta gleich Einspruch erheben ...

Ich halte KV 55 für das Versteck Echnatons, welcher nach der Aufgabe von Achetaton zum Schutz vor Plünderern aus der dortigen Königsgruft ins Tal überführt wurde.

Möglicherweise wurde seine Mutter Teje ebenfalls kurzzeitig dort untergebracht (vergoldeter Schrein) und später erneut umgebettet (mehrmaliges Öffnunen und Wiederverschliessen von KV 55).

Grüsse,

Lutz

Gitta  
Gast

  
Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #3, Datum: 17.10.2001 um 21:46:44 »     

Nicht doch. Ich bin halt davon überzeugt, dass Semenchkare existierte - ohne es beweisen zu können. Aber ich habe hier noch ein Papier (Fleißarbeit von semataui), das ich noch nicht durchgearbeitet habe aus Zeitmangel. Falls ich das demnächst mal schaffen sollte, bin ich vielleicht eines Besseren belehrt. Bis dahin halte ich mich erstmal zurück. Ausserdem warte ich auf Ergebnisse der Grabungen von Reeves, der ja schon wieder ein ganzes Stück weiter sein soll. Wenn auch von spektakulären Funden nichts publiziert wurde bisher. Vielleicht habe ich Glück und kann im November mal irgendjemanden von der Mannschaft wieder mit Fragen löchern. Aber - selbst wenn, wie ich gehört habe, ein Schmuckstück von Semenchkare gefunden worden sein sollte, ist das immer noch kein Beweis, dass er existierte. Folgt man Eurer Theorie, kann es sich ja auch um ein Stück der modifizierten Nofretete handeln.

Hier übrigens ein Link zur Ausstellungseröffnung - inhaltlich nicht gerade sensationell:

http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel87567.php


Lutz (Gast)  
Gast - Themenstarter

  
Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #4, Datum: 18.10.2001 um 09:21:31 »     

Hi Gitta,

danke für den Link.

Komisch, jeder spricht plötzlich vom Sarg Echnatons (ausser Wildung). Bisher habe ich aber noch nirgends eine Begründung für die eindeutige Zuordnung finden können.

Bin ja wirklich auf die Doku zur Restaurierung gespannt...

Grüsse,

Lutz



semataui  maennlich
Member

  

Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #5, Datum: 18.10.2001 um 10:46:48 »   


Zitat - Lutz:
Hi Semataui,

Ich halte KV 55 für das Versteck Echnatons, welcher nach der Aufgabe von Achetaton zum Schutz vor Plünderern aus der dortigen Königsgruft ins Tal überführt wurde.

Möglicherweise wurde seine Mutter Teje ebenfalls kurzzeitig dort untergebracht (vergoldeter Schrein) und später erneut umgebettet (mehrmaliges Öffnunen und Wiederverschliessen von KV 55).

Sehe ich auch so.

semataui
Ancksun (Gast)  
Gast

  
Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #6, Datum: 18.10.2001 um 20:48:24 »     

Hallo !

Ich habe eine ganz große Bitte an Euch!!!!!!!!!!!!
Klärt mich mal bitte auf, auf welche Gedanken sich die These stützt: Semenchkare = Nofretete.
Von der habe ich noch nie gehört, obwohl ich mich mehr oder weniger (wie es scheint eher weniger) intensiv mit der Armanazeit und der danach beschäftigt habe.
Ich dachte, es wäre noch nicht mal das Geschlecht Semenchkares eindeutig klar.

vielen dank im voraus für Eure Aufklärungsarbeit

mfg Ancksun
Gitta  
Gast

  
Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #7, Datum: 18.10.2001 um 22:39:39 »     

Ich habe eine ganz große Bitte an Euch!!!!!!!!!!!!
Klärt mich mal bitte auf, auf welche Gedanken sich die These stützt: Semenchkare = Nofretete.
Von der habe ich noch nie gehört, obwohl ich mich mehr oder weniger (wie es scheint eher weniger) intensiv mit der Armanazeit und der danach beschäftigt habe.
Ich dachte, es wäre noch nicht mal das Geschlecht Semenchkares eindeutig klar.


Diese Theorie resultiert aus einem heillosen Namensdurcheinander. Ich versuchs mal in Kürze:

Name der Nofretete: Nefer-nefru-aten Nofret-ete

Möglicher Name des Semenchkare: Anch-chepru-re
(hiervon gibt es nur sehr wenig Inschriften)

Ein weiterer königlicher männlicher Name: Anch-chepru-re mit dem Eigennamen Nefer-nefru-aten

Ein weiterer königlicher weiblicher Name (einer regierenden Königin): Anchet-chepru-re
(auch dieser Name ist nur dürftig belegt)

Die Theorie, von der hier gesprochen wurde, besagt nun, dass all diese Namen Nofretete zuzuschreiben sind, die nach dem Tod von Echnaton die Regierungsgeschäfte übernahm und als Semenchkare, also strikt nach der Maat als männlicher Pharao, den ägyptischen Thron einnahm.

Ich hoffe, das hat Dir ein bisschen geholfen. Falls irgendwas falsch ist an meiner Erklärung (ich weiß nicht, ob ich jetzt alle Fäden richtig zusammengekriegt habe), wirst Du es merken (Lutz und Semataui: Eure Kommentare sind erwünscht )

Zum Schluss noch zwei Links zur Münchener Ausstellung (die Welt schreibt allerdings zum Teil ziemlichen Stuß):

http://www.welt.de/daten/2001/10/17/1017bx289404.htx

http://www.aegyptisches-museum.de/de/flano/d/d02_in.htm
Lutz (Gast)  
Gast - Themenstarter

  
Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #8, Datum: 18.10.2001 um 23:54:02 »     

Hallo zusammen,

Gitta schrieb ...
------------------------------
Diese Theorie resultiert aus einem heillosen Namensdurcheinander. Ich versuchs mal in Kürze:

Name der Nofretete: Nefer-nefru-aten Nofret-ete

Möglicher Name des Semenchkare: Anch-chepru-re
(hiervon gibt es nur sehr wenig Inschriften)

Ein weiterer königlicher männlicher Name: Anch-chepru-re mit dem Eigennamen Nefer-nefru-aten

Ein weiterer königlicher weiblicher Name (einer regierenden Königin): Anchet-chepru-re
(auch dieser Name ist nur dürftig belegt)

Die Theorie, von der hier gesprochen wurde, besagt nun, dass all diese Namen Nofretete zuzuschreiben sind, die nach dem Tod von Echnaton die Regierungsgeschäfte übernahm und als Semenchkare, also strikt nach der Maat als männlicher Pharao, den ägyptischen Thron einnahm.
------------------------------

auch aber nicht nur.

Weitere Gründe die dafür sprechen :

- Nofretete wird schon sehr früh (Talatat-Blöcke, Aton Tempel in Karnak) mit Cheperesch-Krone in der Geste des "Erschlagens der Feinde" - beides, Krone und Symbolik, sind regierenden Pharaonen/Pharaoninnen vorbehalten - dargestellt

- es existiert keine bildliche Darstellung welche eindeutig einen männlichen Pharao Semenchkare zeigt

- die "Verbannungsthoerie" (Nofretete fällt in Ungnade, ihr Name wird per Palimpest in div. Inschriften in Achetaton durch den ihrer Tochter Meritaton ersetzt) wurde durch die Entzifferung des bisher als Nofretetes Name betrachteten (und ersetzten) als den der Kija auf Fragmenten aus Achetaton durch die Ägyptologin Christine El Mahdy entkräftet
- die Fragmente wurden in den zwanziger und dreissiger Jahren in den "Sonnenschatten" beim Maruoton gefunden und lagerten sehr lange völlig unbeachtet und unauffindbar für nach ihnen suchende Ägyptologen in Bolton, England

- es wäre nichts Ungewöhnliches wenn Nofretete aus kultischen Gründen ihre Tochter Meritaton zur Grossen Königlichen Gemahlin erhoben hätte (siehe Hatschepsut)

- Teile des Grabschatzes des Tutanchamun scheinen, auch laut Reeves, für einen weiblichen Pharao hergestellt worden zu sein

Die bereits genannte Ägyptologin El Mahdy hat ein sehr interessantes Buch, auch dieses Thema behandelnd, zu Tutanchamun veröffentlicht. "Tutanchamun - Leben und Sterben des jungen Pharao". Also ich fands hochspannend und recht überzeugend. Sie geht vieleicht ein bisschen weit wenn sie Nofretete die Absicht der Begründung einer Linie weiblicher Pharaonen unterstellt.

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Zum Schluss noch zwei Links zur Münchener Ausstellung (die Welt schreibt allerdings zum Teil ziemlichen Stuß):

http://www.welt.de/daten/2001/10/17/1017bx289404.htx

http://www.aegyptisches-museum.de/de/flano/d/d02_in.htm------------------------------

Danke für die Links, Gitta !

Grüsse,

Lutz
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #9, Datum: 19.10.2001 um 13:46:45 »   

Hi Lutz,

liegt hier eine Verwechselung vor?

Hatschepsut hat (lt. Grimm und Schoske) ihre Tochter Neferura zur Gottesgemahlin des Amun erhoben und dieses Amt, daßß sie selbst vorher innehatte, an sie weitergegeben (übrigens nach Sander-Hansen, 1940!, ist der Titel für Neferura nicht belegt). Der Titel einer Großen Königlichen Gemahlin hatte Neferura meiner Erinnerung nach nicht, es ist ja kein königlicher Gemahl belegt (hätte wohl Thutmosis III. werden sollen). Insofern ist der Vergleich mit Nofretete und Meritaton nicht tragfähig.

Gruss, Iufaa
semataui  maennlich
Member

  

Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #10, Datum: 19.10.2001 um 15:09:21 »   

vielen dank im voraus für Eure Aufklärungsarbeit

mfg Ancksun

Hi Ancksun,

gib mir mal Deine e-mail-Adresse. Artikel ist fürs Forum zu gross.

Gruss
Lutz (Gast)  
Gast - Themenstarter

  
Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #11, Datum: 20.10.2001 um 00:40:23 »     

Hallo Karl,

> Hatschepsut hat (lt. Grimm und Schoske) ihre Tochter
> Neferura zur Gottesgemahlin des Amun erhoben und
> dieses Amt, daßß sie selbst vorher innehatte, an sie
> weitergegeben

stimmt, hast recht.

Da bin ich mit den Titeln von den Mädels im Eifer des Gefechts doch ein bisschen durcheinander gekommen.

Grüsse,

Lutz
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #12, Datum: 20.10.2001 um 01:13:48 »   

Hi Lutz,

geht mir bei so vielen Mädels mit so vielen Titeln genauso .
Meine Anmerkung bzgl. Sander-Hansen isz auch nicht ganz zutrefffend, der Titel "Gottesgemahlin des Amun in Ipet-Isut" ist für Neferura belegt, aber eine Kombination mit einem weiteren Titeltext (der bei anderen Gottesgemahlinnen mehrheitlich auftaucht) nicht.  

Gruss, Iufaa
« Letzte Änderung: 20.10.2001 um 14:36:51 von Iufaa »
Ancksun (Gast)  
Gast

  
Re: Sarg KV 55 - Ausstellung München 
« Antwort #13, Datum: 20.10.2001 um 14:27:47 »     

Hallo alle miteinander,

vielen herzlichen Dank an Euch für die recht ausführlichen
Antworten.
plausibler finde ich diese These aber auch nicht, als die anderen bereits bekannten...
Naja, vielleicht wird ja irgendwann dieses Rätsel gelöst.
Semataui, wäre Dir dankbar, wenn Du mir den erwähnten Artikel zukommen lassen könntest, meine E-mail adresse:


besten dank im voraus

eure ancksun
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