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   Konstruktionsidee zum Pyramidenbau (1)
  Autor/in  Thema: Konstruktionsidee zum Pyramidenbau
Obelisk  maennlich
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Konstruktionsidee zum Pyramidenbau pyramidenbau.jpg - 23,88 KB
« Datum: 22.03.2020 um 14:08:57 »   

Gerade gestern habe ich mich hier registriert – ein extra optimistisches Hallo an die Community, gerade Corona zum Trotz!
Ich hoffe, ich finde hier Leute , die sich auch Gedanken machen, wie die ägyptischen Baumeister mit den Steinblöcken die Pyramiden aufgebaut haben. Ich will nur kurz erwähnen, dass ich keinen Ägyptologie-Background habe, sondern von der Landschaftsarchitektur her komme, mich dort mit Arbeitsorganisation auf der Baustelle und mit Realisation von Konstruktionen befasse.

Die Idee mit einer riesigen, kilometerlangen Rampe wurde zurecht bald verworfen, auch eine Rampe, die sich um die Pyramide schlängelt, gilt als ebenso unrealistisch. Von daher herrscht Erklärungsmangel. Vielleicht kann man aus meiner Idee was machen.

Voraussetzung für die Umsetzung dieser Idee ist, dass den alten Ägyptern zur Zeit des Pyramidenbaus die Funktion des Hebels und der Waage bekannt war. Ich habe altägyptische Zeichnungen gesehen, wo Steinblöcke auf Schlitten vom Nil hin zu den Pyramiden gezogen wurden. Vorn hat eine Person aus einem Krug eine Flüssigkeit auf die Kufen geschüttet. Das sollte vermutlich die Reibung herabsetzen. Wenn das alles eine eingeführte Technik war, dann lag es nahe, sie auch beim eigentlichen Pyramidenbau einzusetzen.

Zum Bau der ersten Steinlage reichte es vermutlich zunächst aus, die Blöcke mit dem Schlitten einfach an ihren Ort auf dem Felsplateau zu ziehen (Offen bleibt, inwieweit der Innenraum mit behauenen Steinquadern gefüllt wurde, und wie viel Bruchmaterial zum Einsatz kam). Bei der zweiten Lage war es dann notwendig, per Hebelkonstruktion die Blöcke auf die erste Steinlage zu hieven. Für die Wegedistanz zum Einbauort oben auf dem Block-Plateau könnte wiederum der Schlitten zum Einsatz gekommen sein. Auch die dritte Lage könnte noch per Hebel bewältigt worden sein, eventuell mit Einsatz von stufigen Hilfsplateaus, von wo aus die Steinblöcke dann Stufe um Stufe hochgehebelt wurden. Es wird aber bald klar, dass bei dieser Vorgehensweise der Bau immer langsamer und aufwändiger vonstatten geht. Deshalb halte ich es für wahrscheinlich, dass vielleicht ab der vierten Steinlage eine andere Transportmethode zum Einsatz kam. Und zwar hat man nach dem Prinzip der Waage zwei Schlitten mit Seilen verbunden. Der erste Schlitten lehnt mit den Kufen an einer Seitenfläche an. Er wird einen Steinblock transportieren. Der zweite Schlitten steht an der oberen Kante der gegenüberliegenden Seitenfläche und soll als Gegengewicht Ballastmaterial aufnehmen. Nun sind diese Seitenflächen ja noch sehr oberflächenrauh, und stark stufig ausgebildet. Darauf gleiten die Kufen eines Schlittens sehr unbefriedigend. Also werden die Konstrukteure sicher auf die Idee gekommen sein, den Gleitweg der Kufen mit Brettern zu belegen. Eventuell sogar so etwas wie Schienen, oder Rillen für die Führung der Kufen. Dann kann auch gut Schmiermaterial (Wasser oder Öl) vorneweg eingegossen werden, um wiederum die Reibung zu mindern. Die Steilheit der Seitenflächen ist durchaus von Vorteil, denn viel Gewicht hängt an den Seilen, und weniger Druck lastet auf den Kufen, was weniger Reibung bedeutet. Jetzt muß der zweite Schlitten, der oben noch leer steht, befüllt werden. Dazu müssen z.B. Arbeiter Material hochtragen. Damit die Arbeiter zügig und sicher aufsteigen können, wäre eine Treppe parallel neben den Schlittenrillen sehr vorteilhaft.

Um welche Massen es geht, dazu ein kleines Rechenbeispiel: Hätte ein Steinwürfel eine Kantenlänge von 93 cm, würde er in etwa 2 Tonnen wiegen. Wenn 100 Arbeiter jeweils 20 Kilogramm Sand oder Bruchsteine hochtragen, dann könnten sie den oberen Schlitten auch mit  2 Tonnen Material befüllen. Damit wäre theoretisch die "Schlittenwaage" im Gleichgewicht. Leider werden aber 2 Tonnen als Gegengewicht nicht ausreichen, denn es gilt die Reibung der Kufen und die Reibung des Seiles, dort wo es zweimal über die Plateau-Kante abknickt (eine Laufrolle wäre an dieser Stelle optimal), zu überwinden. Also sollten es vielleicht 120 Arbeiter sein, die dann 2,4 Tonnen Material hochtragen können.

Die Bauleiter werden auch damals schon aufgepaßt haben, dass im Arbeitsprozeß kein Leerlauf auftritt. Und der würde vorliegen, wenn das Personal ohne Arbeit zu verrichten, einfach so wieder absteigen würde. Deshalb kann es gut so gewesen sein, dass die Arbeiter beim Absteigen zusätzlich den Ballastschlitten nach unten geschoben, oder vermittels Seilen gezogen haben. Das hätte den Transportprozess noch einmal beschleunigt. Die Frage stellt sich, wurden die Blöcke nur bis oben zur Kante befördert, oder wurden sie noch ein Stück weiter, bis an den Einbauort auf den Schlitten transportiert? Ich vermute letzteres trifft zu, ein Umpacken wäre sicherlich sehr umständlich gewesen. Hätten die Bauleiter damals schon ein Handy gehabt, hätten sie dem Transportteam unten am Ballastschlitten einfach ein "Stopp" durchgegeben, wenn der Steinblock sein Ziel erreicht hatte. So mußten sie wahrscheinlich einmal kräftig an einem Signalseil ziehen.

Jemand hat einmal ausgerechnet, dass im Schnitt alle zwei Minuten ein Steinblock eingebaut werden müßte, damit bei den großen Pyramiden die Bauzeit nicht länger als zwanzig Jahre dauerte. Für die hier vorgestellte Konstruktionsidee würde das bedeuten, dass eine einzelne "Waage" mit je zwei Schlitten natürlich nicht ausreichte. Es ist vorest aber auch genug Platz vorhanden, 10 oder auch zwanzig "Waagen" parallel zu betreiben. Erst oben zur Spitze hin wird es später eng, aber dann ist die meiste Arbeit auch schon getan. Zusätzlich könnten an jeder "Waage" gleichzeitig zwei Teams arbeiten. Das Niveau der Arbeitsorganisation dürfte anspruchsvoll gewesen sein, denkt man einmal daran, dass wahrscheinlich oben auf dem Pyramidenplateau, wo gebaut wurde, zusätzlich  auch viele Seile bewegt wurden. Steinblöcke quer zu den Seilen zu bewegen, dürfte nahezu unmöglich gewesen sein. Also liegt es nahe zu vermuten, dass Steine nur parallel zum Verlauf der Seile bewegt wurden. Das hieße auch, kein Arbeiter durfte eigenständig irgendwo in der Gegend herumlaufen, jeder Schritt dürfte vorgegeben worden sein.

Eine große Herausforderung war sicherlich der Transport der großen Granitblöcke. 50 Tonnen sollte einer wiegen. Hat man diese Blöcke eventuell quer auf mehrere Schlitten gelegt, um die Lasten zu verteilen?

Ob die ganze Konstruktionsidee in der Praxis funktioniert, könnte am Modell nachgewiesen werden, vielleicht erst einmal im Maßstab 1:10, später durchaus 1:1.
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