Ägyptologie-Blatt

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Virtual Reality Mummy
Briten führten Computer-Tomographie an einer Mumie im Urzustand durch
Von Gitta am 17.03.2002 um 14:54:53 

Der Ägyptologe John Taylor ließ einen versiegelten Sarg aus dem Britischen Museum einer CT unterziehen. Aus den daraus resultierenden 1.500 Aufnahmen wurde nun mit Hilfe einer entsprechend entwickelten Software die erste interaktive Virtual Reality Mumie zusammengesetzt. Der User kann sich die Beschaffenheit der Mumie, es handelt sich um den Leichnam von Nesperennub, eines Priesters von Karnak um 800 v.Chr., unter den Binden bis in letzte Detail heranzoomen.

Eine frühere Röntgen-Untersuchung aus dem 60ern hatte so etwas wie eine Kappe auf Nesperennubs Kopf gezeigt, von der angenommen worden war, es handele sich um seine Placenta, die als Glücksbringer seit seiner Geburt aufbewahrt worden war. Nach der neuen Methode scheint es sich um eine Tonschüssel zu handeln, eine Entdeckung, an der noch gerätselt wird. Wenn man sich in den Schädel zoomt, findet man ein kleines Loch an der Schläfe, das mit der Todesursache zusammenhängen könnte.

Bisher konnte man, wollte man eine Mumie eingehend untersuchen, dies nur tun, indem man die Bindenumhüllung entfernte, was zu Zerstörung und dem Verlust wichtiger Hinweise führte. Einfaches Röntgen erwies sich wegen der z.T. undurchdringlichen Harzschichten als nur wenig aufschlussreich. Durch die neue Technik können Archäologen jeden Teil des mumifizierten Körpers zerstörungsfrei untersuchen und rekonstruieren im Hinblick auf Aussehen und Gesundheitszustand. Taylor plant ein Modell von Nesperennubs Schädel herzustellen, seine Gesichtszüge zu rekonstruieren und dieses Modell im British Museum und auch in anderen Museen weltweit auszustellen.

Nesperennub war ein guter Kandidat für die Entdeckungsreise durch den Körper, denn die Ägyptologen wußten schon viel über ihn. Inschriften und Malerei auf seinem Sarg identifizieren ihn als einen Priester von Karnak um 800 v.Chr. Er war in der Nähe des Tales der Könige beigesetzt worden. 1899 brachten ihn wahrscheinlich Reisende oder Diplomaten ins Britisch Museum. Seit der Export von Mumien aus Ägypten verboten ist, steht den Museen nur eine begrenzte Anzahl von Mumien zur Verfügung.

Während des 70 Tage dauernden Mumifizierungsprozesses wurden dem Verstorbenen die inneren Organe entnommen. Bei Nesperennub bedeckt eine rechteckige Platte den Einschnitt, durch den dies seinerzeit geschehen war. Wie auch bei anderen Mumien, schaut Nesperennub durch gläserne Ersatzaugen, die ihm die Balsamierer eingesetzt hatten, um ihm das Sehen er auch im jenseitigen Leben zu ermöglichen.

Quelle (englischer Text und Fotos - leider keine virtuelle Fahrt durch Nesperennubs Körper)
http://www.nature.com/nsu/020304/020304-11.html

Anmerkung:
Man fragt sich nun, ob diese neue Technik nicht auch ergänzende Aufschlüsse an anderen Mumien ermöglicht, auf die die Fach- und Ägyptomanenwelt lange wartet. So z.B. an der Mumie von Tut-anch-Amun. Mir ist immer noch schleierhaft, weshalb sie wieder an Ort und Stelle verbracht worden ist und nicht wie viele andere an einen klimatisch ausgewogenen Ort, der zumindest noch weitere Untersuchungen zulassen würde - so reizvoll auch ein Besuch im Grab des Tut-anch-Amun sein mag in dem Wissen, dass der König anwesend ist.

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