Ägyptologie-Blatt

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Die Suche nach Memphis
Weitere Details zur russischen Expedition
Von Gitta am 01.04.2002 um 14:24:55 

Memphis, die alte Hauptstadt des Pharaonenreiches, umgab immer so etwas wie das Geheimnis der Geschichte; sie ist der ewige Traum fast aller Ägyptologen. Die Legende sagt, Memphis wurde von König Menes erbaut, dem vermutlich ersten Einiger des ägyptischen Reiches und Gründer der 1. Dynastie. Wegen ihrer Lage an der Grenze zwischen Ober- und Unterägypten war die Stadt von größter politischer und wirtschaftlicher Bedeutung.

Russische Archäologen erforschen zur Zeit das Territorium, auf dem Memphis ursprünglich erbaut worden sein soll. Die derzeitige Expedition, begonnen Ende 2001, erbrachte bereits einzigartige Ergebnisse, die auf eine baldige Entdeckung der einstigen Metropole hoffen lassen.

Galina Belova, Leiterin des Zentrums für ägyptologische Forschung am Institut für orientalische Studien der russischen Wissenschaftsakademie, glaubt, dass diese Hoffnungen nicht unbegründet sind. Das Areal der Ausgrabungen, bekannt als Kom Tuman, war einst das Herz der alten Hauptstadt. Es handelt sich um einen einzigartigen Flecken mit einer Kulturschicht von mehreren Metern Tiefe, der niemals von den Fluten des Nil heimgesucht wurde. Die russischen Archäologen haben das Glück, eine Stück Land der Größe von fast 20 Hektar untersuchen zu dürfen, wo die Kulturschicht bis zu 12 m tief ist. "Ein wahres Geschenk für die russischen Wissenschaftler", wie Belova es bezeichnet.

Das "Geschenk" wurde sofort in Angriff genommen. Die ersten zweit Monate verbrachte man mit geophysikalischen Untersuchungen und magnetometrischem und topografischem Kartografieren. Daraus entstanden detaillierte Beschreibungen der geophysikalischen Strukturen und entsprechende Karten. Geotechnologen und das Institut für Geologie an der russischen Wissenschafsakademie identifizierten die Konturen großer Gebäude, vielleicht Paläste oder Privatgebäude. Die Ausgrabungen brachten u.a. 2 m lange Kalksteinschwellen hervor, die als Straßenpflaster dienten. Ebenso eine Anzahl von Säulensockeln, diverse Artefakte religiöser Riten, Brennöfen und eine Menge an Keramikscherben. Letztere scheinen darauf hinzudeuten, dass die Bewohner dieser Gegend glasierte Keramik herstellten, etwas sehr Seltenes zur fraglichen Zeit.

Das wertvollste Stück, das die Russen bisher fanden, ist der Kopf einer Pharaonenskulptur mit typischer Kopfbedeckung. Der Kopf könnte zu einer Königsstatue aus der 26. Dynastie gehören, aber man ist sich nicht sicher, sagt Belova, die schon Stunden mit der Suche nach Referenzstücken im Kairener Museum und im Louvre zugebracht hat. Bisher leider ergebnislos. Der Kopf wurde sofort nach Entdeckung und Freilegung von der ägyptischen Antikenbehörde übernommen. Skulpturen von Pharaonen der 26. Dynastie haben Seltenheitswert. Aber auch alle anderen von den russischen Archäologen bisher freigelegten Artefakte sind historisch überaus wertvoll.

Die Freilegungsarbeiten werden während der nächsten Grabungskampagne in Kom Tuman im November/Dezember 2002 fortgesetzt. "Wir hoffen, oder besser wie sind überzeugt, dass die Arbeit unserer jungen Forscher noch mehr Entdeckungen bringen wird", sagt Belova.

Die Eröffnung der Abteilung für Ägyptologie am Institut für orientalische Studien Mitte der 90er Jahre versetzte russische Spezialisten nach hundertjähriger Unterbrechung wieder in die Lage, unabhängige Expeditionen ins Land der Pharaonen zu entsenden. So konnten sie die Fachwelt bereits durch die Entdeckung des ältesten bisher entdeckten ägyptischen Tempels in Tell Ibrahim Awad beeindrucken. Die russischen Archäologen engagieren sich außerdem bei Ausgrabungen an der königlichen Cachette in Luxor und in Pi-Ramesse, sie legen Gräber frei in der Nekropole von Theben und Tempel im antiken Königreich von Kusch im Sudan.

Quelle (englisch)
http://www.news24.co.za/News24/Africa/Features/0,1113,2-11-37_1161126,00.htm

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