Ägyptologie-Blatt

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Lasst die Lieder klingen.....
Vielleicht können wir bald das Harfnerlied im Originalsound hören
Von Gitta am 10.05.2002 um 23:13:46 

Die Fakultät für Musik der Universität Heluan und das "Antiquities Institute" in Berlin (?) haben ein Projekt aus der Taufe gehoben, um die steingewordenen Lieder der alten Ägypter hörbar zu machen.

"Wer die Musik versteht, versteht den Kosmos". So lautet ein alter ägyptischer Spruch. Musik war für die Ägypter mehr als nur Unterhaltung. Musik existierte von Anbeginn, sie strömte aus der Bewegung des Urkosmos, melodiös und harmonisch. Die kosmische Bewegung bestimmte das Tempo, die Melodie entsprang dem Zusammenspiel von göttlichem Geist und Materie. Beides zusammen war Harmonie. Musik war eine heilige Wissenschaft und wurde von hochrangingen, astronomisch und medizinisch gebildeten Priestern studiert und gelehrt. Um ihre Kinder in Mäßigung und Gefühlskontrolle zu erziehen, nutzten die Könige Musik und Lieder der Tugend. Musik und der Kosmos wurden als Zwillinge angesehen, die die Gefühle der Menschen aufwühlten und den Geist belebten und somit zum Glück der Gesellschaft beitrugen.

Der Komponist und Musiker Hani Shinouda meint, die modernen Musikinstrumente, mit Ausnahme der elektronischen, seien Weiterentwicklungen der Antike, so z.B. Oud (orientalisches Zupfinstrument), Violine, Harfe, Simsimiya (orientalisches Streichinstrument), Nay (Flöte) und Mizmar (Panflöte). Während der ersten Dynastie hatte die Harfe fünf Saiten und die Nay-Flöte fünf Löcher. Es liegt nahe, dass zunächst eine Fünf-, später eine Sechs- und schließlich eine Siebentonleiter verwendet wurde. Shinouda meint, die heutigen Kirchenlieder dürften ähnlich klingen wie die antiken ägyptischen.

Bei Ausgrabungen wurde eine große Zahl an Musikinstrumenten gefunden und es gibt zahlreiche Darstellungen von Musikern, z.B. mit Streich- und Blasinstrumenten im Grab des Nacht. Durch das Studieren der Instrumente und der Zeichnungen glauben sich die Wissenschaftler nun in der Lage, die alte Musik wieder zum Klingen zu bringen. Mit einem Kostenaufwand von 500.000 LE, finanziert durch die EU und gutachterlich unterstützt durch das Goethe-Insitut, soll das Projekt in 24 bis 30 Monaten soweit sein, das Künstler die pharaonische Musik interpretieren können. Dies, so sagt Musikprofessor Khairi El-Mult, könne man fast gleichsetzen mit der Entzifferung der Hieroglyphen durch Champollion.

Quelle (englisch)
http://www.antiquitynews.com/news/archives/000229.html

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