Ägyptologie-Blatt

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Die Klimaveränderung bedroht Ägyptens Schätze
Wie Bodenfeuchtigkeit den Archäologen die Arbeit erschwert
Von Gitta am 10.05.2002 um 23:15:14 

Erlebnisbericht von Malcolm Billings von der Ausgrabungsstätte des Meritneith-Grabes - augenscheinlich vor der Identifizierung des darunterliegenden Grabes aus der 2. Dynastie (siehe Artikel vom 14.04.2002).

Das Klima im Niltal scheint knochentrocken zu sein. Eine gute Voraussetzung, die antiken Schätze zu konservieren. Die Archäologen jedoch glauben, dass sich das Klima verändert und dass Objekte und Gebäude, die Tausende von Jahren überdauert haben, numehr von Zerstörung bedroht sind. Malcolm Billings begleitete eine Gruppe holländischer Archäologen bei einer Ausgrabung in der Wüste von Sakkara.

Der Archäologe wollte nichts riskieren auf der senkrechten Leiter im Grabschacht. So streifte ich mir einen Gurt über und folge Dr. Maartin Raven vom Leiden Museum hinunter in die Hauptgrabkammer, ca. 20 Fuß unter der Erdoberfläche. Eine Gruppe ägyptischer Arbeiter sammelte Sand in Eimern und hievte diese hinauf an die Oberfläche. "Diese Szene hat sich in den 150 Jahren, seit man mit Ausgrabungen auf der Suche nach Schätzen begann, nicht geändert" erklärte Dr. Raven "Wir graben noch immer mit unseren Händen. Nur so wird nichts übersehen oder beschädigt".

Um uns herum standen 20 bis 30 Kisten mit Skeletten und Knochenteilen von weiteren Begräbnisstätten aus dem Labyrinth von Gängen, die am Boden des Schachtes münden. Die Wüste hier ist ein bemerkenswertes Gebiet. Es ist eine Landschaft mit Buckeln und Löchern und tiefen Gruben, hinterlassen von Grabräubern und frühen Archäologen, die diese Gegend im 19. Jahrhundert untersuchten - den Friedhof der antiken ägyptischen Hauptstadt Memphis. Die heutigen Archäologen erwarteten keine spektakulären Funde mehr. Sie wussten, dass Grabräuber und frühe Entdecker bereits vor langer Zeit alles Wertvolle entfernt hatten, aber sie hofften, näheren Aufschluss über den Besitzer des Grabes zu erhalten. In der Kapelle im Hof in der Nähe des Einganges zum Grab fanden sie dann etwas Verblüffendes. Als sie dort Sand entfernten sahen sie in die Augen von zwei wunderschön gearbeiteten Steinfiguren. Es war eine Doppelstatue, die nach den Inschriften einen Hohepriester und seine Frau darstellte, die dem Pharao Echnaton im 14. Jahrhundert v.Chr. gedient hatten. Es war noch viel von der Originalbemalung zu sehen und die Statue hatte keinen Kratzer. "Sie saßen noch dort, wo man sie platziert hatte, ungestört seit mehr als 3.000 Jahren" erzählte mir der Archäologe. Es war ein bedeutender Fund mit einem immensen Schwarzmarktwert. Die berittene Polizei traf ein - auf Kamelen - und stand Wache bis die Polizeieskorte zusammengestellt war, die die Statue ins Ägyptische Museum nach Kairo begleitete, wo sie nun ausgestellt ist. Der Fund beantwortete die Frage nach dem Eigentümer des Grabes. Aber wo war sein Sarg? Sie hatten alle Kammern und Gänge sorgfältig abgesucht.

Maartin Raven nahm seine Taschenlampe und kroch auf Knien in das Tunnellabyrinth. Er leuchtete auf einen gemauerten Pfeiler, den man eingesetzt hatte, um die Decke zu halten. "Manchmal stürzt sowas ein" sagte er trocken "Du kannst gar nicht vorsichtig genug sein". Je weiter wir kamen, desto heisser wurde es und wir keuchten und pusteten den Gang entlang, dabei Wolken von Staub aufwirbelnd. Wir stoppten an einem Loch in der Seite des Tunnels. "Das ist das Grab nebenan" sagte er "Wir hatten keine Ahnung, dass es hier ist, aber es ist keine wirkliche Überraschung - der Fels unter der Wüste hier ist wie ein riesiger Schweizer Käse". Offenbar kann man endlos den unterirdischen Routen der Grabräuber folgen, die Wände durchbrochen und ihre eigenen Zugangsschächte gegraben hatten. Ich hatte das Gefühl, die Luft würde dünner, als wird durch das Loch krabbelten in die nächste Höhlenwelt. Eine Treppe führte in eine Grabkammer, in der wir dann aufrecht stehen konnten, Gott sei Dank. Die Archäologen glauben, dass dieses Grab mindestens 1.000 Jahre älter ist als das des Hohepriesters, aber es gibt keine Spur, wem es gehörte und auch keine Aufzeichnungen, ob es von jemandem innerhalb der letzten 150 Jahre betreten worden war. Die Kammer war leer mit Ausnahme einiger verstreuter Knochen, die man nicht zu einem vollständigen Skelett zusammenfügen konnte. Nichts sonst, ausser ein paar Perlen, die die Räuber auf ihrem Rückzug verloren hatten. Die Archäologen glauben, dass, wer auch immer hier war im 19. Jahrhundert, wahrscheinlich ein intaktes Grab vorgefunden, den Sarg zurückgelassen, die Mumie ausgewickelt und die Wertsachen mitgenommen hat. Man hätte noch andere hölzerne Gegenstände finden müssen. Die Leere dieser Gräber führen die Archäologen auf den Klimawandel im Niltal zurück. Seit in den 50er Jahren der Assuan-Staudamm gebaut wurde ist die Nilflut unter Kontrolle und die Bauern betreiben eine ganzjährige Bewässerung. Dr. Raven sieht die Leere der Gräber als ein Resultat der nie austrocknenden Felder. Das Wasser dringt in den Fels unter der Wüste und der Feuchtigkeitspegel steigt, so dass alles Organische sich auflöst. "Das könnte der Sarg des Hohepriesters gewesen sein" sagte er und zeigte auf den Staub am Boden "Das ist alles war wir jetzt noch anstelle von hölzernen Objekten finden - nur einen Staubteppich. Eine Tragödie für Archäologen".


Quelle (englisch)
http://www.antiquitynews.com/news/archives/000228.html

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