Ägyptologie-Blatt

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3000 Jahre alter Beschwerdebrief im Internet
Ostraka aus Deir al-Medina im Internet
Von Gitta am 07.08.2002 um 13:44:06 

Eine ergiebige Fundgrube für Freunde des alten Ägypten bietet nun das Institut für Ägyptologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) im Internet. Es publiziert einen Teil von 10.000 Tonscherben aus der ägyptischen Arbeitersiedlung Deir el Medine von etwa 1290 bis 1070 vor unserer Zeitrechnung. Darunter befindet sich zum Beispiel ein 3000 Jahre alter Beschwerdebrief eines ägyptischen Bauarbeiters. Dieser sowie andere nichtliterarische Schriften aus der Pharaonenzeit können jetzt auf der Homepage der Universität erkundet werden.

"Wir bieten im Internet jetzt eine optimale Präsentation, die anders nicht möglich gewesen wäre: mit Farbfotos, ausführlicher Beschreibung und umfangreichen weiteren Recherchemöglichkeiten", sagt Projektleiter Prof. Günter Burkard. Die Tonscherben, so genannte Ostraka, seien in einer einfachen Gebrauchssprache geschrieben und betreffen den Alltag in der Arbeitssiedlung. Sie seien besonders wertvoll für die Wissenschaft, denn sie geben "Einblick in das Leben der alten Ägypter jenseits der Tempel und des Pharaonenhofes", so Burkard.

Jeder Text wird von einer detaillierten Beschreibung mit Übersetzung, einer hieroglyphischen Transliteration und mehreren farbigen Fotografien begleitet. Bisher wurden 135 Ostraka vollständig bearbeitet, 480 sollen es insgesamt werden. Die bisher erfassten können über eine Datenbanksuche nach Registriernummer, Semantik, Wort- oder Lemmakombination durchforstet werden.

Dafür kommt das relationale Datenbanksystem hobdb und MULTI-HOB zur Anwendung. HOB steht für "Hieratische Ostraka Berlin". Dieses wurde laut der Universität München aus dem bereits existierenden Programmpaket MULTI-BHT (BHT für Biblia Hebraica Transcripta) für die Analyse der Texte des Alten Testaments adaptiert. Es dient dem Einlesen und unter anderem der lexikographischen, prosopographischen, morphologischen, syntaktischen und semantischen Analyse des hebräischen Textes des Alten Testaments.

"Die nichtliterarischen Ostraka sind ein für Untersuchungen verschiedenster Art unentbehrliches Quellenmaterial", heißt es zur Begründung des Projektes. "Arbeiten zum Rechtswesen, zur Wirtschaftsgeschichte, Demographie, Prosopographie, zur Zeitgeschichte allgemein" seien ohne diese Texte nicht möglich. Sie seien auch für lexikographische, grammatikalische oder paläographische Untersuchungen "von unschätzbarem Wert". (anw/c't)

Quelle (Originaltext übernommen)
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-30.07.02-007/

Die Deir al-Medina-Projekte:

http://www.uni-muenchen.de/dem-online/

http://www.leidenuniv.nl/nino/dmd/dmd.html

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